Alt-Bezirkshauptmann Peter Partik feiert 80. Geburtstag. Peter Partik war Bezirkshauptmann als das AKW und das Donaukraftwerk Greifenstein erbaut wurden.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 09. August 2018 (03:32)
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Der ehemalige Bezirkshauptmann Peter Partik (vorne links) wollte eigentlich einen sehr bescheidenen 80er feiern. Das sahen die Gratulanten rund um Bezirkshauptmann-Stellvertreter Josef Wanek, Sitzenberg-Reidlings Bürgermeister Christoph Weber, ÖKB-Landesverbands Vizepräsident Augustin Hüdl, Franz und Eva-Maria Bobak sowie Andreas Schlüsselberger etwas anders.

Er ist Ehrenbürger in sechs Gemeinden des Bezirks Tulln und er hat für seine Verdienste auch den Goldenen Ehrenring der Stadt Tulln erhalten. Kaum jemand der ihn nicht im Bezirk kennt, obwohl er sich schon seit 17 Jahren im Ruhestand befindet. Die Rede ist von Altbezirkshauptmann Peter Partik, der im engsten Kreis seiner Familie seinen 80. Geburtstag feiern wollte. Gekommen ist es aber ein wenig anders.

Geboren ist Peter Partik in Wien und auch dort aufgewachsen. Mit dem Bezirk Tulln kam er erstmals in Berührung, als sein Vater bei der Straßenbauabteilung zu arbeiten begann. 26 Jahre hatte er dort seinen Posten inne und zog danach nach Gablitz.

„Er baute dort ein Haus und ist bereits ein Jahr nach seiner Pensionierung gestorben. Dann bin ich dort eingezogen, ehe ich Bezirkshauptmann wurde und nach Tulln in die Dienstwohnung ziehen musste“, erzählt Partik über die Anfangszeit seiner Tulln-Liebe. Von 1977 bis 2002 war er also Bezirkshauptmann, davor noch Stellvertreter in Tulln und Mödling.

„Die Tullner Stadtväter waren da etwas weitblickeder als die Klosterneuburger.“ Peter Partik

In dieser Zeit ging es im Bezirk recht turbulent zu. Alle gierten sie nach billiger rasch verfügbarer Energie. Unter anderem wurde nicht nur das Kraftwerk Zwentendorf errichtet, auch die Wasserkraftwerke Altenwörth und Greifenstein wurden gebaut. Besonders ist Pertik der Disput um die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf in Erinnerung, der in einer österreichweiten Volksabstimmung am 5. November 1978 gipfelte. „Das war eine sehr schwierige Zeit, es gab Demonstrationen mit schlagkräftigen und prominenten Truppen, unter anderem mit Konrad Lorenz“, erklärt Partik.

,„Zwentendorf war schwierig“

Die Bezirkshauptmannschaft war auch schon damals die oberste Sicherheitsbehörde und musste auch Gendarmerieeinsätze koordinieren und abwickeln, „damit es nicht zu Ausschreitungen kommt“, sagt Partik. „In der heißen Phase, als das Kraftwerk schon fast fertig war, konnten die Brennstäbe nicht über die Straße antransportiert werden, wegen Blockaden. Mit Hubschraubern des Bundesheeres sind die dann eingeflogen worden“, erinnert sich Partik. Doch nicht nur die Demonstrationen hatte er damals zu bewältigen, es gab auch Unmut in der Bevölkerung, um die ers sich zu kümmern hatte. „Die Bauern haben sich auch davor gefürchtet, dass ihre Produkte aus dem Tullnerfeld nicht mehr verkauft werden können, weil sie verstrahlt sein könnten“, so Partik.

Aber auch bei der Errichtung des Wasserkraftwerkes Greifenstein stand Pertik das eine oder andere Mal im Mittelpunkt: „Ich hatte aber das Glück, dass damals, als Greifenstein bereits im Bau war, das Kraftwerk Hainburg sich in Planung befand. Der Tenor damals war, dass man bei Greifenstein ohnehin nichts mehr machen könne, Hainburg aber noch verhindert werden könne.“ Dadurch habe sich das Interesse dann von Greifenstein weg nach Hainburg hin konzentriert. Für die Donaukraftwerke sei auch sehr viel Auwald geopfert worden, „viel mehr als vielleicht notwendig gewesen wäre“, so Partik.

Aber auch die Hochleistungsbahn führte zu einigen Turbulenzen, bei denen Partik mit viel Fingerspitzengefühl agieren musste. „Gemeinsam mit dem St. Pöltner Bezirkshauptmann habe ich die Initiativen ,Tullnerfelder’ und ,Perschlingtaler’, die gegen dieses Projekt waren, unterstützt“, erinnert sich Partik. Die Bahn wurde für einen Bereich gebaut, in dem noch nie eine Bahn fuhr und die Anrainer fürchteten, dass Züge nun 20 Meter vor ihrem Schlafzimmerfenster durchbrausen würden. „Wir haben alle Seiten zu Gesprächen eingeladen. Dort wurden dann die Forderungen auf den Tisch gelegt. Die Strecke sollte möglichst unter einem Tunnel geführt, damit wir die Züge nicht sehen und auch nicht hören“, so Partik.

Was sind 700 Mio. in 15 Milliarden Projekt?

Er habe auch den Betreibern der Bahn damals klargemacht, dass eine Investition von zusätzlichen 700 Millionen Schilling, bei einem Projekt im Gesamtumfang von 15 Milliarden nicht so schwer wiegen könnten. „,Wenn ihr das macht, dann habt ihr auch die Akzeptanz der Anrainer und es kann schnell gebaut werden‘, hab ich damals gesagt“, erklärt Partik. Rasch deshalb, weil die Anrainer dann nicht alle Rechtsmittel ausschöpfen würden, die einen jahrelangen Rechtsstreit nach sich gezogen hätten. Und er erreichte ein schnelles Einlenken.

In seiner Amtszeit erlebte er aber auch viel Positives. Darunter die Entwicklung der Gemeinden mit zentraler Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. „Die Gemeinden haben die Infrastruktur mit Unterstützung des Landes auf ein höheres Niveau gebracht“, sagt Partik. Aber auch die Entwicklung der Bezirkshauptstadt Tulln nahm er wohlwollend wahr. Darunter die neue Donaubrücke und damit einhergehend die Westumfahrung, „dadurch wurde die Stadt sehr entlastet“, so Partik.

Dass Klosterneuburg einmal in den Bezirk Tulln kommen werde, war für ihn nie abwegig. „Die Tullner Stadtväter waren da weitblickeder als die Klosterneuburger“, sagt der ehemalige Bezirkshauptmann. Tulln habe nicht gezögert dem Land ein Amtsgebäude zur Verfügung zu stellen. „Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um das am Hauptplatz zu errichten. Die Klosterneuburger hingegen haben gemeint, dass sie so etwas nicht brauchen würden. Sie hätten ja das Stift“, erklärt Partik. Dann sei Tulln Bezirkshauptmannschaft geworden und Klosterneuburg eben nur ein „Anhängsel“. Tulln hätte auch viel in die Infrastruktur investiert, darunter die Eisenbahnbrücken und Autobrücken über die Donau. „Klosterneuburg hat noch immer keine einzige, weil sie nicht weitblickend waren“, sieht Partik darin den Grund.

„Ich bin mindestens einmal in der Woche in Tulln“

Aktuell lebt Partik mit seiner Frau Roswitha, die im Tullner Gymnasium Mathematik unterrichtete, in Langenlois. Die Verbindung zu Tulln hält er aber immer noch. „Ich bin mindestens einmal in der Woche in Tulln“, bleibt er der Blumenstadt eng verbunden. Ebenso dem Bezirk, denn manchen Einladungen kann er einfach nicht widerstehen. „Geht es einmal nicht, entschuldige ich mich. Und als Pensionist hat man das Recht nicht mehr überall dabei zu sein“, scherzt Partik. In Feuersbrunn habe er noch einen Weinkeller und dorthin lade er auch immer wieder gerne Gäste ein.

Und haben die nachfolgenden Bezirkshauptmänner auch einen ordentlichen Job gemacht? – Jeder habe seinen eigenen Stil und die Zeiten würden sich ändern. „Man muss den Leuten das Gefühl geben, gerne mitten unter ihnen zu wohnen und zu arbeiten“, teilt Partik sein Erfolgsgeheimnis. Und bei den Veranstaltungen würde es sich empfehlen auch nach dem offiziellen Teil noch sitzen zu bleiben, denn „da erfährt man genau, wo der Schuh drückt.“