Bauern klagen über Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent. Landwirte des Bezirks beklagen Ernteausfälle bis zu 50 Prozent. Rübe, Weizen und Mais erwischte es besonders arg.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 11. September 2018 (03:53)
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Robert Heiss steht in seinem Maisfeld, auf dem kaum noch ein grünes Blatt an den Pflanzen erkennbar ist. Die Trockenheit setzte dem Bezirk heuer gehörig zu.
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Endlich kam der Regen, haben sich wohl viele im Bezirk Tulln gedacht. Die Natur hatte sich nach den Niederschlägen gesehnt, doch für die Ernte kommen sie großteils zu spät. Die NÖN sprach mit Fachleuten über die Ernteausfälle oder wie es im Fachjargon heißt „Mindererträge“.

Der Bezirk Tulln ist recht groß und daher auch unterschiedlich zu bewerten. Im Wagram war fast den ganzen Sommer über nur wenig Niederschlag zu verzeichnen, südlich der Donau gab es einige Gewitterereignisse, die sich aber meist nur auf kleinen Flächen abspielten.

„Dauerregen, wie wir ihn früher einmal kannten, gibt es kaum mehr, nur heftige Unwetter mit gewaltigen Wassermassen.“ Robert Heiss, Agrarfachmann

„Dort wo Niederschläge ausgelassen haben, wie in Kirchberg oder Grafenwörth, ist die Getreideernte sehr schwach ausgefallen“, berichtet Bezirksbauernkammer-Obmann Hermann Dam. Kaum eine Fläche, auf der Weizen angebaut wurde, ergab über 3.500 Kilogramm pro Hektar. „Der langjährige Durchschnitt ergibt etwa 6.000 Kilogramm, da liegen wir fast um die Hälfte drunter“, beklagt Dam.

Bezirksbauernkammer-Obmann Hermann Dam über die Ernteerträge.
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Beim Mais sehe die Sache nicht viel besser aus. „Viele Maiskolben sind im Vergleich zu den Jahren davor mindestens um die Hälfte kleiner“, so Dam. Das bestätigt auch der Grafenwörther Umweltgemeinderat und Agrarfachmann Robert Heiss: „Die Maiskörner weisen nur zwölf Prozent Feuchtigkeit auf, normalerweise 20 bis 27 Prozent. Aber durch die Notreife des heißen und trockenen Jahres sind die Erträge gering.“

Der Laie erkennt die Trockenheit natürlich auch an der Blätterfärbung der Maispflanze. „Wenn man durch den Wagram fährt, sieht man kaum noch ein grünes Blatt an den Pflanzen. Die Trockenheit hat uns schon enorm zugesetzt“, erklärt Dam. Das wirke sich auf alle Pflanzen aus, die nicht bewässert werden können. Soja, Sonnenblumen und Erdäpfel haben unter der extremen Hitze gelitten.

Heiss dazu: „Dauerregen, wie wir ihn früher einmal kannten, gibt es kaum mehr, nur heftige Unwetter mit gewaltigen Wassermassen.“ Aber mit diesen extremen Unwettern müsse man sich wohl oder übel auch in der heimischen Landwirtschaft abfinden. Einzige Nutznießer dieser hohen Temperaturen und geringen Niederschläge dürften in der Landwirtschaft die Schädlinge sein. Bei den geschmackvollen Weingartenpfirsichen sei, laut Heiss, jede zweite Frucht wurmig.

Vom Rüsselkäfer blieb der Bezirk großteils verschont. Foto:
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Aber auch der Rübe ging es heuer an den Kragen. Der Rüsselkäfer (Cleonus punctiventris) verursachte stellenweise Ernteausfälle bis zu 50 Prozent. Einige Landwirte ackerten deshalb bereits im Frühjahr wieder um. „Der Rüsselkäfer beginnt im Sommer mit der Eiablage, das können schon Gelege bis zu 300 Eiern sein. Ist das Wetter feucht und kühl, dann sterben die Larven ab, bei Trockenheit überlebt aber der Großteil“, fürchtet Dam auch für das nächste Jahr wieder eine große Plage.

Spritzmittel sind emotionales Thema

Der Bezirksbauernkammer-Obmann beklagt auch, dass durch die neue Gesetzgebung die Schädlinge derzeit nur an der Oberfläche bekämpft werden können. „Der Wirkstoff gehörte aber tiefer in den Boden eingebracht, an der Oberfläche werden auch Nützlinge geschädigt. Doch Spritzmittel sind ein hochemotionales Thema und wurden daher auch generell verboten“, so Dam.

Dennoch könnte der späte Regen der Rübenernte noch einmal einen Aufschwung verleihen.

Gibt es denn gar keine guten Nachrichten, was die Ernte betrifft? – „Beim Wein schaut es heuer ganz gut aus. Doch beim Lesen war es noch zu warm, was den Gärungsprozess beeinflusst haben könnte“, will Dam noch nicht von einem guten Weinjahr sprechen.

Für viele Landwirte sei die aktuelle Wettersituation schwierig. „Ich habe zwar noch von keinem existenzbedrohten Betrieb im Bezirk Tulln gehört, aber es ist schon schwierig derzeit. Vor allem, weil das vergangene Jahr auch nicht gerade gut war“, so Dam.

Finanzielle Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer bei Mindererträgen gebe es nicht, jedoch könne jeder Landwirt eine Versicherung abschließen. „Um Geld zu bekommen, darf der Ertrag dann eine gewisse Menge nicht überschreiten“, erklärt Dam.

„Ein Jahr ohne gute Ernte ist schon schwer zu verkraften. 50 Prozent Ausfall sind fast gleichbedeutend mit einer Gehaltseinbuße um die Hälfte.