Bezirksbauernkammer Tulln: „Rettet unsere Erdäpfel!“. Bezirksbauernkammer-Vertreter kritisieren weitreichendes Verbot von Pflanzenschutzmitteln und fordern wirksame Werkzeuge für heimische Landwirtschaft.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 14. Mai 2019 (03:50)
Peischl
Kammersekretär Josef Meyer, Erdäpfel-Experte Stefan Kohl und Bezirksbauernkammerobmann Hermann Dam appellieren: „Rettet unsere Erdäpfel!“

Der Niederösterreich-Teil der NÖN berichtete bereits vor zwei Wochen: „Nach Trockenheit: Erdäpfellager sind leer“. Jetzt unterstreicht die Bezirksbauernkammer Tulln mit einem weiteren Appell zur Freigabe des gezielten Einsatzes bestimmter Pflanzenschutzmittel die Dringlichkeit des Problems.

„Wir hatten massiv mit Drahtwurmbefall zu kämpfen und mussten bis zu 50 Prozent der Speiseerdäpfel aussortieren. Im Weinviertel gab es auch einige Betriebe, die Totalausfall verzeichnen mussten“, berichtet Landwirt und Erdäpfel-Experte Stefan Kohl aus Streithofen. Schon bei kleinen Beschädigungen seien die Feldfrüchte für die Nahrungsmittelindustrie nicht mehr interessant.

„Wir hatten massiv mit Drahtwurmbefall zu kämpfen"

„Das Problem ist hier auch der Druck der Öffentlichkeit. Wirksame Mittel wurden allgemein verboten“, erklärt Bezirksbauernkammerobmann Hermann Dam. Dabei wären die Wirkstoffe in Österreich von Landwirten in der Erde gezielt gegen Schädlinge eingesetzt worden.

„Boden und Früchte wurden immer genau auf Rückstände untersucht“, betont Dam. Aber jetzt würden Erdäpfel aus Ägypten, dem Libanon oder Holland in den Regalen der Supermärkte landen, die mit genau jenen Mitteln behandelt wurden, die in Österreich seit kurzem verboten sind: „Auf diese Weise geben wir unsere Lebensmittelsicherheit und -unabhängigkeit auf.“

Noch gebe es junge Leute, die mit viel Herzblut in ihren landwirtschaftlichen Betrieben tätig sind. „Aber der Klimawandel ist längst da und wenn wir auch in Zukunft ein einigermaßen kalkulierbares Einkommen haben wollen, brauchen wir gewisse Werkzeuge, die wir sorgfältig und gezielt einsetzen können“, appelliert Kohl.