Corona: Auch die Seele leidet. Bezirk Tulln: Das Coronavirus wirkt sich nicht nur körperlich aus, sondern bedroht auch die seelische Gesundheit.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 19. November 2020 (03:18)
Mehr als 6.000 Personen wurden positiv getestet
APA (Archiv/AFP)

Mit „Langzeitfolgen“ sind nicht nur nach einer Corona-Infektion mitunter über einen längeren Zeitraum auftretende Beschwerden gemeint. Jetzt, nach Wochen und Monaten voller Hoffen und Bangen, Abstandhalten, Lockdown und Maskenpflicht, schlägt sich die Krise bei vielen Menschen voll aufs Gemüt. Bei manchen so schlimm, dass sie auf professionelle Hilfe angewiesen sind.

Zahlreiche Therapeuten bieten deshalb spezielle psychologische Beratung im Zusammenhang mit dem Coronavirus an. Im Rahmen der Helpline des Berufsverbandes Österreichischer Psychologen (BÖP) kann man diese Beratung auch online in Anspruch nehmen.

Auf der Homepage www.psychnet.at kann man unter Eingabe von Covid 19 sowie Bundesland und Bezirk den nächstgelegene(n) Psychologen(in) ausfindig machen.

In Angelika Naderers Praxis mit Kassenvertrag für klinisch psychologische Diagnostik in St. Andrä-Wördern gibt es generell eine große Nachfrage, doch seit dem Sommer mehren sich Anfragen, die in Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie stehen.

„Die meisten Menschen mit psychischen Belastungen bevorzugen jedoch das persönliche Gespräch“

Video-gestützte Online-Beratung gibt es seit dem ersten Lockdown. „Die meisten Menschen mit psychischen Belastungen bevorzugen jedoch das persönliche Gespräch“, berichtet die Psychologin. Manche leiden schon länger an Panikattacken oder Angststörungen, die sich dann in der Krise verstärkt haben.

Laut Naderer sind es hauptsächlich Jugendliche und Erwachsene, die psychische Belastungen in Zusammenhang mit Covid-19 berichten. Bei den Schulkindern und Kindergartenkindern sollte an die Langzeitfolgen durch soziale Isolation und Bildungsentgang bei der Schließung von Schulen und Betreuungseinrichtungen gedacht werden.

In Lisa Hasenhindls Atzenbrugger Praxis kommen auch Menschen, die an Depressionen leiden. Sie warnt davor, diese Stimmungsschwankungen zu unterschätzen: „Depressionen müssen genauso behandelt werden wie eine Lungenentzündung.“

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte man einige wichtige Dinge beherzigen, wie etwa auf einen geregelten Tagesablauf achten, für regelmäßige Bewegung in frischer Luft sorgen, einem geliebten Hobby frönen oder es sich einfach zu Hause bequem machen.

In nebenstehendem Interview geht der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Tullner Uniklinikum, Paulus Hochgatterer, speziell auf die Sorgen und Nöte verletzlicher Kinderseelen ein.