Die Öffnung tut der Seele gut. Gastwirte im Bezirk Tulln sind froh, dass sie Essen wieder auf „richtigen“ Tellern anstatt gut verpackt für Zuhause kredenzen können.

Von Christa Wallak, Doris Firmkranz, Monika Gutscher und Günter Rapp. Erstellt am 18. Mai 2021 (03:00)
In der Küche des Restaurant Toni M. in Feuersbrunn herrscht schon Tage vor der Öffnung Hochbetrieb. Mit dabei Grand Chef Toni Mörwald (r.).
Rapp, Rapp

Mit gemischten Gefühlen sieht Elisabeth Hauck vom Gasthaus „kleine Post“ in Sieghartskirchen der Öffnung nach dem Lockdown entgegen. „Sicher wie Fort Knox“ wird der Eingangsbereich mit relativ viel Aufwand gestaltet.

„Ich finde es gemein, dass man der Gastronomie so viele Vorschriften macht. Im Handel braucht man ja auch keinen Test“, ärgert sich die Wirtin. 50 bis 60 Leute finden normalerweise Platz, jetzt dürfen grade mal 28 in die Gaststuben.

„Wir sind schon fleißig dabei, das Restaurant und den Garten auf Vordermann zu bringen.“ Josef Kellner, Josefs Himmelreich

„Wir sind ein Wirtshaus und kein Restaurant, das ist etwas ganz anderes“, betont Elisabeth Hauck. „Ich habe viele Stammgäste, die mitunter mehrmals am Tag auf einen Kaffee vorbeischauen. Wenn der am Nachmittag noch mal kommt, ist der Test möglicherweise schon abgelaufen.“

Trotz aller Widrigkeiten freut sich Elisabeth Hauck, dass wieder Leben ins Haus bzw. in den Gastgarten samt frisch renoviertem Salettel einkehrt.

Mit Abholservice durch die Krise gekommen

Gelassen sieht Toni Hiesinger vom gleichnamigen Landgasthaus in Rust im Tullnerfeld der Öffnung der Gastronomie entgegen. Wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen rettete auch er sich im Lockdown mit einem Abholservice über die Runden und schickte seine beiden Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Ich freue mich, dass ich wieder für meine Gäste da sein und sie mit Gerichten aus regionalen Zutaten, wie jetzt mit heimischem Spargel, verwöhnen kann“, so Hiesinger.

In den Restaurants von Spitzengastronom Toni Mörwald sind die Vorbereitungen auf den 19. Mai bereits voll angelaufen. So auch in Feuersbrunn, wo gerade vor dem Muttertag Menüs zum Abholen und unzählige Picknickkörbe vorbereitet wurden. „Die Leute machen ihr Picknick im Weinberg oder auch im Schlosspark Grafenegg“, so Toni Mörwald. „Aber auch unser Essen im Glas hat voll eingeschlagen und wird gerne mitgenommen.“

Lockdown wurde zur Weiterbildung genutzt

Die lange Zeit des Lockdowns hat das Team Mörwald genutzt, um die Gerichte noch mehr zu verfeinern und in Höchstform zu bringen. Toni Mörwald: „Während des normalen Geschäftsbetriebes ist dazu ja kaum Zeit.“ Neue Speisekarten wurden erstellt, wobei sich die Küchenchefs voll eingebracht haben. Und das neue Mörwald-Magazin „Essenszeit ist Lebenszeit“ erschien in einer Auflage von 500.000 Stück.

Der vielfache Haubenkoch sieht die Gastronomie als Seelenheilkunde, die Teil des Menschen ist. „Wir freuen uns, den Gästen ihre Speisen wieder auf dem Teller servieren zu dürfen. Gastronomie macht die Menschen entspannter.“

Für Mörwalds Feuersbrunner Kollegen Gerhard Bauer ist es keine Frage, dass bei der Lokalöffnung alle vorgegebenen Covid-19-Maßnahmen strikt eingehalten werden können. „Im großen Saal unseres Gasthauses Zum Goldenen Kreuz werden wir die Tische im richtigen Abstand aufstellen. Das ist immer noch besser als bloßes Abholservice“, versichert Bauer.

Auch das Berghotel Tulbingerkogel freut sich, nach sechs Monaten seine Türen wieder öffnen zu dürfen: „Zwischenzeitlich haben wir Tagesgerichte zur Abholung ausgekocht und seit der Osterwoche zusätzlich an den Wochenenden einen Take Away Stand angeboten. Dadurch konnten wir unseren Lehrlingen zumindest teilweise eine weitere Ausbildung ermöglichen.

Das Team rund um das Berghotel Tulbingerkogel freut sich, nach den Reinigungsarbeiten am 19. Mai wieder aufsperren zu dürfen. 
privat

Seit letzter Woche beginnen die Reinigungsarbeiten, damit alles wieder glänzt, wenn am 19. Mai die ersten Gäste und Seminare anreisen.“ Zusätzlich gibt es einige bürokratische Erledigungen – Präventionskonzept für das Hotel und Schulungsunterlagen für die Mitarbeiter werden gerade bearbeitet. Die Tische im Restaurant werden Probe gestellt, um die Abstandsregeln einzuhalten und dennoch möglichst viele Sitzplätze zu erhalten.

Auch „Die Plauderei“ in Muckendorf ist voller Tatendrang und Vorfreude. „Endlich, nach über sechs langen Monaten dürfen wir unser Kaffeehaus am 19. Mai wieder öffnen“, freut sich Chefin Christa Geiger, „Einschränkungen, wie die 2-Meter-Abstandsregel und dadurch bedingt weniger Sitzplätze im Innenbereich, werden wir gemeinsam gut meistern. Daher bitten wir um Reservierung unter 02242/20626.“

"Die Plauderei“ freut sich auf Gäste ab 19. Mai.  : privat
Privat

Der Vorbereitungsarbeiten für die Wiederöffnung laufen auch im Restaurant „Josefs Himmelreich“ in Zaußenberg. „Wir sind schon fleißig dabei, das Restaurant und den Garten auf Vordermann zu bringen“, freut sich Josef Kellner schon auf den 19. Mai.

„Für unser neues Menü haben wir viele Ideen und wir können es kaum erwarten, unsere Gäste wieder vor Ort verwöhnen zu dürfen.“

Josef Kellner verspricht viele Ideen für das neue Menü. : A. Jakwerth
A. Jakwerth

Eine Vorschrift sorgt auch hier für Bedenken: „Die Testpflicht der Gäste wird wohl etwas gewöhnungsbedürftig sein, jedoch verstehen wir diese Maßnahme und möchten allen die nötige Sicherheit geben. Trotz der Auflagen sind wir froh nach dieser langen Zeit unsere Gäste wieder begrüßen zu dürfen und schrittweise zur Normalität zurückzukehren“, betont Kellner.

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