Die Pflege als Aufgabe mit Sinn. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 10. Juli 2019 (03:21)
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Symbolbild

„Mobil vor stationär“ lautet die Prämisse der Landesregierung. „Weil man dem Wunsch der meisten Menschen, so lange wie möglich zuhause zu bleiben, nachkommen möchte“, wie Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister in einer Aussendung betont.

Es wird aber immer schwieriger, den Bedarf an Pflegepersonal zu decken. Zum einen, weil aufgrund der hohen Lebenserwartung der Anteil der Älteren beständig zunimmt, zum anderen wegen der steigenden Einwohnerzahlen. Tulln zählt zu den Bezirken mit den höchsten Zuwachsraten. Waren es 2017 102.715, werden 2035 117.636 Menschen im Bezirk leben.

„Wichtig ist, zu zeigen wie spannend und vielseitig der Pflegeberuf ist.“ Hilfswerkpräsidentin Michaela Hinterhofer

Mit dem NÖ Altersalmanach verfügt man über eine umfassende Prognosemöglichkeit, die wiederum vorausschauende Maßnahmen ermöglicht. Kürzlich wurden die Daten den Bezirk betreffend veröffentlicht.

NÖN

Demnach wird für 2020 eine Steigerung allein der in 24-Stunden-Betreuung stehenden Personen von 13,2 % von 520 auf 589 und für 2025 um 31,8 % auf 800 erwartet. Für das Jahr 2035 rechnet man mit 887 Personen, das bedeutet ein Plus von 70,6 % gegenüber dem Vergleichsdatum September 2018.

Pflegepersonal wird dringend benötigt. Derzeit ist auch das Rote Kreuz auf der Suche nach diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, Pflegeassistenten/innen und Heimhelfer/innen.

Dominik Binder von der Rot Kreuz Bezirksstelle Tulln: „Neue Mitarbeiter zu finden, ist eine Herausforderung. Wir setzen aber auch klare Schritte in Richtung Mitarbeiterbindung. Das heißt, wir führen beispielsweise regelmäßig nicht nur Kundenzufriedenheitsanalysen, sondern auch Mitarbeiterbefragungen im Bereich der mobilen Hauskrankenpflege durch.“

Das Rote Kreuz setzt zudem auf gezielte Information für junge Menschen und Berufsumsteiger. Diese sollten um die Vielfalt der Möglichkeiten, die es im Bereich Pflege und Betreuung gibt, wissen. Vor allem aber auch, wie viel Positives man dabei erfahren kann.

„Der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, prognostiziert auch Michaela Hinterholzer, Präsidentin des NÖ Hilfswerkes, das mit über 2.000 Mitarbeiter und einem Marktanteil von rund 47 % die Nummer 1 in der mobilen Pflege ist, „2050 werden wir 3,5 Mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt.“

Es brauche neben zusätzlicher und langfristig gesicherter Mittel unter anderem auch einer gewissen Vielfalt in der Versorgungslandschaft.

„Uns ist es wichtig, das Image der Pflege zu heben und zu zeigen, wie spannend und vielseitig dieser Beruf ist“, betont Hinterholzer, „Pflege ist eine Aufgabe mit Sinn und ein Job mit Zukunftspotenzial.“

Volkshilfe-Geschäftsführer Gregor Tomschizek sieht das Problem nicht nur in der steigenden Lebenserwartung, sondern auch im gesellschaftlichen Wandel. Aufgrund der steigenden Anzahl an Single-Haushalten werde die Pflege durch Angehörige voraussichtlich zurückgehen.

Zudem ist der Anteil junger Menschen im Sinken begriffen und wird es insgesamt schwieriger, offene Stellen zu besetzen – was auch die Pflege betreffen wird.

„Neben der Beschäftigung von zusätzlichen Pflegekräften wird es immer wichtiger, auch jene Menschen zu unterstützen, die ihre Angehörigen pflegen und betreuen"

„Eine Lösung aus unserer Sicht ist die Förderung des betreuten beziehungsweise des betreubaren Wohnens“, so Tomschizek weiter, „die Menschen können so in kleinräumigen Einrichtungen in ihrem unmittelbaren Umfeld bleiben und müssen nicht in ein großräumiges Pflegeheim weiter weg ziehen.“

Dominik Binder vom Roten Kreuz meint abschließend: „Neben der Beschäftigung von zusätzlichen Pflegekräften wird es immer wichtiger, auch jene Menschen zu unterstützen, die ihre Angehörigen pflegen und betreuen. Pflegende Angehörige unterliegen einer Mehrfachbelastung, sind aber unersetzlich für das System. Daher ist es wichtig, auch hier eine entsprechende Unterstützung zu gewährleisten.“

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