Ehrenamt Nikolaus: Nikolaus kommt in jedes Haus. Die Botschaft des Bischofs verliert nichts an Attraktivität.

Von Gabi Gröbl und Helga Urbanitsch. Erstellt am 04. Dezember 2019 (03:19)
Wolfgang Pointner wird von seiner Frau Susanne als Nikolaus eingekleidet.
Karl Helfer

Jürgen Henninger, 44 Jahre jung, begeisterter Nikolo. So könnte der Steckbrief des traditionsbewussten Langenrohrers beginnen. „In meiner Jugendzeit ist die damalige Bürgermeisterin Anneliese Federmann an mich herangetreten, ob ich als Gemeindenikolo zu den Kindern gehen würde mit goldenem Buch und Sackerln“, erklärt Henninger. Als „Showman“ war er Publikum gewohnt, er moderierte und arbeitete damals unter anderem in der Kultdisco Baby’O. Nach seiner Zusage und den ersten Besuchen war die beiderseitige Begeisterung groß, Jürgen Henninger wurde immer wieder gebeten als Nikolo zu den Familien zu kommen. Aus beruflichen Gründen musste er eine Zeit lang pausieren.

„Ich bin überzeugt, dass die Faszination des Nikolaus weiter ungebrochen ist.“ Wolfgang Pointner

„Vor fünf Jahren hat mich ein Kostümverleih um einen Auftritt als Nikolaus in einer Disco gebeten. So bin ich wieder dazu gekommen“, freut sich Henninger über das Comeback, das bis heute anhält. Begeistert erzählt er von den Besuchen, bei denen oft die ganze Familie eingeladen ist: „Ich habe auch schon eine Uroma mit 85 Jahren auf meinem Schoß sitzen gehabt, sie hat sogar ein Nikolo-Gedicht aufgesagt.“

Bei allen Anekdoten ist ihm die Tradition wichtig. Auch seinen Kunden ist wichtig, dass „der Nikolaus kommt und nicht der Weihnachtsmann.“ Dazu gehören die Insignien des Bischofs genauso wie die Ernsthaftigkeit beim Verlesen der Nachrichten aus dem Goldenen Buch. Jürgen Henninger wurde noch nie von Kindern erkannt, in der eigenen Familie ist er deshalb nicht als Nikolo unterwegs. Seine Begeisterung für die Tradition und strahlende Kinderaugen lassen ihn auch heuer Familien in und um Langenrohr besuchen.

Glaube und Tradition vereint im Kostüm

„Für mich ist die Nikolausfeier mehr als eine Folkloreveranstaltung. Als katholischer Christ ist es mir ein Anliegen diese Botschaft der Hilfe und Nächstenliebe Kindern näherzubringen“, erklärte Wolfgang Pointner, Jurist und Nikolaus aus Leidenschaft. Auch in seinem Arbeitsumfeld wurde schnell bekannt, dass er sich jedes Jahr den 6. Dezember als Urlaubstag nahm, um als Nikolaus durch Tulln zu ziehen.

Begonnen hat alles, als sein jüngster Sohn noch in den Kindergarten ging und er als Nikolaus einsprang. Da wusste er noch nicht, dass aus diesem einmaligen Auftritt eine inzwischen achtjährige Tätigkeit werden würde. „Das erste Mal erkannte mich auch mein Sohn nicht.“ Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Anfragen zu Auftritten in Kleinkindergruppen, Kindergartengruppen, Volksschule, Sonderschule, Hort und Spital sowie private Familienbesuche.

Jährlich am 6. Dezember einen Urlaubstag

„Ich bin davon überzeugt, dass die Faszination des Nikolaus ungebrochen ist. Die Spannung und Erwartung, dass der Nikolaus endlich kommt, ist den Kindern immer anzumerken“, weiß der Tullner, der von der Spannung erzählt, wenn er vor der Tür wartet und die Aufregung der Kinder hört, die beim Anläuten plötzlich in eine angespannte Stille umschlägt.

„Leider musste ich jedoch auch feststellen, dass der Konsum und die – für mein Verständnis – überbordenden Geschenke in den letzten Jahren zugenommen haben“, stellt Pointner fest. Vom großen Engagement der Kindergartengruppen ist der Nikolaus jedes Mal begeistert. Mit Liedern und selbst gebastelten Nikolo-Säckchen wird die Feier zu einem besonderen Erlebnis. „Ich darf dann immer einige Worte an die Kinder richten und kann über die Wundertaten von Bischof Nikolaus erzählen.“ Auf die Frage, was die Nikolaus-Beschäftigung ihm persönlich bringt, spricht der Jurist über eine „besondere Herzlichkeit, die er erfährt und innerliche Freude, etwas Gutes getan und einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.“

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