Gemeindezusammenlegungen: „Zusammenhalt ist gestiegen“. Tullns Vereinigung mit Langenlebarn hatte einen Stolperstart. Heutige Harmonie brauchte Jahrzehnte.

Von Thomas Peischl und Helga Urbanitsch. Erstellt am 21. April 2021 (04:00)
NÖN

Was mit dem Beschluss der neuen NÖ Gemeindeordnung im Jahr 1965 begann, wurde mit dem Kommunalstrukturverbesserungsgesetz von 1971 fortgesetzt. Der Großteil der NÖ Gemeinden (1363 von 1652) zählte bis dahin weniger als 1.000 Einwohner. Innerhalb von sieben Jahren konnte diese Zahl drastisch reduziert werden (siehe Infobox auf Seite 3).

Ganz ähnlich verlief die Entwicklung im Bezirk: Gab es 1965 noch mehr als 70 eigenständige Gemeinden, waren es 1972 nur noch 20. Diese Zahl veränderte sich noch einmal im Jahr 1998, als sich Muckendorf-Wipfing wieder von der Großgemeinde Zeiselmauer abspaltete und schließlich 2017 mit der Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung, als Klosterneuburg als 22. Gemeinde in den Bezirk Tulln aufgenommen wurde.

Auch die Bezirkshauptstadt Tulln wuchs 1972 um einige Katastralgemeinden. Der heutige Bürgermeister Peter Eisenschenk betont, dass alle Mitbürger, unabhängig von Stadtteilen und Katastralgemeinden in denen sie wohnen, gleichberechtigte und wichtige Mitglieder der Gemeinschaft sind.

„Als ich vor rund 25 Jahren Mitglied des Gemeinderates wurde, waren jene Kräfte, die gerne einzelne Katastralgemeinden und Tulln gegenseitig ausspielten, wirksamer als heute. Ich hatte für diese polemische Agitation nie ein Verständnis und lehne diese völlig ab. Umso mehr freue ich mich, dass der Zusammenhalt deutlich gestiegen ist.“ Eisenschenk beobacht auch eine zunehmende Identifikation der Bevölkerung aus allen Teilen der Stadtgemeinde, „also auch aus den Katastralgemeinden, mit dem Tullner Stadtzentrum, was ebenso das Wir und damit unsere Kommune stärkt.“

In Langenlebarn war man anfänglich von der Idee der Zusammenlegung nicht sonderlich begeistert. Dazu der heutige Ortsvorsteher von Langenlebarn und Vizebürgermeister Wolfgang Mayhofer: „Die Gemeindezusammenlegung 1971/72 war vor meiner Zeit, daher kenne ich das damals sehr ‚brisante‘ Thema nur aus Schriftstücken und Erzählungen.“

Befragung von 1970 mit klarem Ergebnis

Bei einer im Gemeinderat im November 1970 beschlossenen Befragung der Bevölkerung sprachen sich nur 299 Personen für die Vereinigung mit Tulln aus, 526 Personen lehnten diese ab (die Beteiligung lag bei 65,5 Prozent).

Verantwortungsträger von damals bestätigen in Gesprächen, dass sie aufgrund der finanziellen Situation, aber auch aus Mangel an Alternativen der Zusammenlegung mit Tulln zugestimmt hätten.

„Zahlreiche ältere Bewohner unseres Ortes reagieren heute noch sehr emotional, wenn es um dieses Kapitel geht“, weiß Mayrhofer. Der jüngeren Generation ist dieser Teil der Geschichte teilweise unbekannt, und für das harmonische Zusammenleben in der „Großgemeinde“ Tulln von geringer Bedeutung. „Wie sich Langenlebarn abseits von Tulln entwickelt hätte, werden wir nie erfahren. Tatsache ist, dass sich Langenlebarn in den letzten Jahrzehnten wirklich gut entwickelt hat, und sich heute als sehr lebens- und liebenswerter Wohnort präsentiert“, so Wolfgang Mayrhofer.

Der damalige Bürgermeister Edwin Pircher erinnert sich: „Die Zusammenlegung war aus vielen Gründen sehr sinnvoll, es gab bei den meisten von sich aus die Bereitschaft dazu, nur in Langenlebarn gab es anfänglich Probleme.“ Aber es gab in Langenlebarn keine nennenswerten Einnahmen, „daher war es eine sehr kluge Lösung für alle Beteiligten.“

Seit 2014 ist Paula Maringer, die die Fusionierung nur aus Erzählungen kennt, Ortsvorsteherin von Neuaigen. Sie sieht die Zusammenlegung positiv: „Es haben sich neue Möglichkeiten und Chancen aufgetan, die für die Entwicklung des Ortes positiv waren. Durch das kontinuierliche Wachstum der vergangenen Jahre sind wir den steigenden Anforderungen gerecht geworden, um so den Ort lebenswert zu machen, wo die Bürger gerne zuhause sind.“

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