Grippe trifft auf Corona: Influenza-Impfstoff gefragt. Der Grippeimpfung kommt heuer eine besondere Bedeutung zu. Allein – die derzeit große Nachfrage kann auch im Bezirk (noch) nicht gedeckt werden.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 23. September 2020 (03:36)
Grippeimpfstoff existiert bis jetzt nur auf Papier, hier im Bild Damen derSonnenapotheke (v.l.): ElisabethHaller, PatriciaPiberger, Sladjana Dragutinovic und Anette Hoffelner.
Firmkranz

„Auch die echte Virusgrippe (Influenza) ist, wie Covid-19 besonders für ältere, kranke, besonders lungenkranke Personen und Menschen, die in ihrer Immunlage durch spezielle Krankheiten oder Medikamente geschwächt sind, gefährlich“, so der Tullner Internist Bruno Brunner. Schon bisher wäre für alle jene die Impfung sehr zu empfehlen gewesen.

Heuer bekommt diese Sache noch eine besondere Bedeutung, weil die Symptome zwischen Grippe und Corona nicht wirklich zu unterscheiden sind.

„Vorderstes Ziel muss sein, die vulnerable Gruppe (ältere Personen oder Personen einer Risikogruppe) zu versorgen.“ Apotheker Wilfried Becker

Stadtarzt Franz Bichler rechnet auch heuer wieder mit einer mehr oder wenig starken Grippeepidemie. Angesichts eines möglichen Zusammenbruchs des Gesundheitssystems wenn Influenza- und Corona-Infektionen zusammentreffen, versuche man derzeit alles, durch die Grippeimpfung eine Minimierung von Grippezahlen im Winter zu erreichen.

Bichler: „Der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung.“

Doch erst einmal muss man an den Impfstoff rankommen, und das ist derzeit nicht ganz einfach.

Die Situation mit den Grippeimpfstoffen wird von den meisten Apotheken als „unüberschaubar bis chaotisch“ bezeichnet. So berichtet etwa Apothekerin Birgitt Krenn-Bösel aus Tulln: „Für uns ist die Situation sehr unangenehm. Wir müssen seit Wochen unseren Kunden erklären, dass wir nicht wissen, wann, welche und wie viele Grippeimpfstoffe wir bekommen werden. Das vom Großhandel uns versprochene Kontingent haben wir bereits vorreserviert.“ Es herrscht allgemein die Ansicht, die Gratis-Impfaktion in Wien, wo sich rund 400.000 Menschen zur kostenlosen Grippeimpfung angemeldet haben, hätte damit zu tun, dass sich die Situation so zugespitzt hat.

„Die Influenza-Impfstoffproduktion für den Winter muss jeweils schon im Frühjahr vorher – etwa im Februar – abgeschlossen sein“,

„Wie dies in Niederösterreich sein wird, steht noch in den Sternen. Es gibt diesbezüglich noch keine Leitlinie seitens dafür zuständiger Behörden“, bedauert Annette Hofelner, Leiterin der Sonnenapotheke in Tulln, „und es werden heuer auch mehr Impfwillige erwartet.“ Dies habe zum momentanen Zeitpunkt dazu geführt, dass die bereits im Frühjahr bestellten Impfstoffe bereits alle per Vorreservierung vergeben sind. „Leider müssen wir aus diesem Grund weitere Anfragen um Reservierungen seitens unserer Kunden ablehnen“, bedauert Hofelner. „Allerdings bitten wir diejenigen Kunden, uns Mitte Oktober erneut zu kontaktieren, da wir davon ausgehen, dass im Falle einer Gratiskinderimpfung die jetzt reservierten Impfstoffkontingente frei werden und dann wieder für bisher nicht bedienbare Kunden zur Verfügung stehen werden.“

„Die Influenza-Impfstoffproduktion für den Winter muss jeweils schon im Frühjahr vorher – etwa im Februar – abgeschlossen sein“, weiß Wilfried Becker von der Apotheke Zu Maria Trost in Kirchberg. Das Corona-Thema sei jedoch erst Ende März so richtig akut geworden. Daher wurde auch dieselbe Menge produziert wie in den Jahren davor. Die momentan große Nachfrage kann also nicht sofort gedeckt werden. Becker weiter: „Die Bemühungen des Bundes um Beschaffung zusätzlicher Impfstofflieferungen verlaufen erfolgreich, sodass im Dezember auch alle eine Impfung bekommen, die es wünschen.“ Für alle interessierten Personen besteht die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste schreiben zu lassen.

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