Guter Jahrgang: Weinlese startet heuer extrem früh. Experten der Region erwarten Ernte in zwei bis drei Wochen, aber auch eine hohe Qualität der Weinsorten.

Von Günter Rapp. Erstellt am 01. August 2018 (04:07)
Rapp
Winzer Andreas Öhlzelt aus Feuersbrunn ist verwundert, dass die Rotweinsorten um diese Jahreszeit schon so stark gefärbt sind. Die Lese wird also schon bald beginnen.

„In vino veritas“, erkannten schon die Römer, dass „im Wein die Wahrheit liegt“. Ob sie damit wohl gemeint haben, dass sich nach ein paar Gläschen die Zunge lockert? Jedenfalls zeigt die Qualität des Weines die Wahrheit über die vergangene Wachstumsphase. Und die war heuer zwar sehr kurz aber dafür sehr vielversprechend. Die Experten erwarten heuer eine gute Lese.

Ganz traut er es sich nicht sagen, der Präsident des österreichischen Weinbauverbandes, Johannes Schmuckenschlager, seines Zeichens Winzer in Klosterneuburg, „ich will nix verschreien, bis wir den Wein im Keller haben, aber wir blicken einer guten Ernte entgegen“, sagt er vorsichtig. Vor allem am Wagram zeige sich, dass die Weintrauben heuer besonders schön ausgebildet seien und große Beeren haben. „Vor allem beim Veltliner sind die Einzeltrauben besonders groß“, so Schmuckenschlager. Doch nicht nur die Trauben sehen gut auch, es ist auch ein sehr früher Lesetermin möglich und wahrscheinlich. In den vergangenen Jahren verlagerte sich der Beginn der Weinernte immer weiter nach vorne. Heuer ist es ganz extrem: Fachleute sprechen von einer bis zu drei Wochen früheren Lese.

„Ich will nix verschreien, bis wir den Wein im Keller haben, aber wir blicken einer guten Ernte entgegen.“ Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Weinbauverbandes

Einer, der die Situation ebenfalls bestens kennt, ist der Obmann des Bezirksweinbauverbandes Wagram und Vizepräsident des NÖ Weinbauverbandes Leopold Blauensteiner. Er betreibt ein Weingut in Gösing am Wagram. „Aus heutiger Sicht schaut es ertragsmäßig und gesundheitlich mit dem Traubenmaterial sehr gut aus, wir dürfen eine gute Ernte erwarten. Vorausgesetzt natürlich, dass nicht noch Unwetter den Trauben zusetzen.“

Blauensteiner spricht von einem zumindest vierzehntägigen Vegetationsvorsprung. Dafür sei vor allem das warme Wetter im April und Mai ausschlaggebend gewesen. „Manche Branchenkollegen sprechen schon jetzt von einem Lesebeginn am 20. August, aber Anfang September wird die Weinlese dann sicher einsetzen.“ Der immer frühere Lesebeginn in den vergangenen Jahren sei vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen.

ÖVP
Johannes Schmuckenschlager (ÖVP) ist auch Weinbaupräsident.

Begünstigt wurde der Reifeprozess der Weintrauben vom Regen der vergangenen Wochen. Fachleute sehen allerdings dem großen „Beerendruck“ mit etwas Sorgen entgegen. Dadurch könnten die Beeren aufgedrückt werden und zu faulen beginnen. Einem gewissen Risiko sind die Weinbauern immer ausgesetzt. Vizepräsident Blauensteiner: „Wir haben unsere Werkstatt in der freien Natur. Damit müssen wir leben.“

„Nach dem ersehnten Regen gedeihen die Trauben hervorragend“, sagt auch der Malloner Winzer und Kirchberger Bürgermeister Wolfgang Benedikt

Winzer Andreas Öhlzelt aus Feuersbrunn führte die NÖN durch seinen Weingarten hinter dem Heurigenlokal in der Feuersbrunner Kellergasse. „Dass die Trauben der Rotweinsorten um diese Jahreszeit schon so stark gefärbt sind, habe ich bisher noch nie erlebt“, so der Winzer. Er ist zuversichtlich, dass aufgrund der Witterung und der Niederschläge eine hervorragende Qualität in den Weinrieden heranreift. Fruchtige Weine mit dem richtigen Säureverhältnis, das würde man sich für den jungen 2018er wünschen.

Zwei bis drei Wochen früher als normal

Auch Andreas Öhlzelt spricht von einer frühen Lese im heurigen Jahr. Obwohl: qualitativ hochwertige Weine bräuchten ihre Zeit. Da sei es wichtig, dass das Traubenmaterial möglichst lange gesund und von jeder Fäulnis verschont bleibt.

Das weiß auch Schmuckenschlager, der die frühe Ernte aber als Vorteil sieht: „Im Herbst müssen wir stets auf die Reife warten, da besteht die Gefahr, dass die Trauben zu faulen beginnen. Jetzt können wir uns den perfekten Lesezeitpunkt selbst aussuchen.“ Er sieht eher die Herausforderung der Lese und Verarbeitung bei heißem Wetter. „Es empfiehlt sich die Lesezeit eher an die Tagesrandzeiten zu verlegen und das Lesegut schnellstmöglich für die Verarbeitung zu kühlen“, so der Weinbau-Präsident. Dies würde auch die Fruchtigkeit im Wein erhalten.

Allen Winzern ist aber eines gemein, sie sind ein wenig abergläubisch. Daher wollen sie nicht zu viel erhoffen, nur ein Unwetter sollte doch bestmöglich ausbleiben.