Gutes für Körper und Seele tun. Viele Menschen nutzen die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern zum Verzicht auf die verschiedensten Dinge.

Von Doris Firmkranz, Monika Gutscher und Helga Urbanitsch. Erstellt am 17. April 2019 (03:47)
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40 Tage – so lange dauert die Fastenzeit – können sich lange dahinziehen! Besonders für Menschen, die sich dazu entschlossen haben, im Zeitraum von Aschermittwoch bis Karsamstag persönlichen Verzicht zu leisten.

Wochenlang gewohnte Dinge zu meiden, wie etwa Zigaretten, Alkoholika oder Süßigkeiten, verlangt eine gehörige Portion Disziplin. Diese bringt beispielsweise Kinderbuchautor Ferdinand Auhser Jahr für Jahr auf. „In der Fastenzeit esse ich kein Fleisch, trinke keinen Alkohol und nasche nicht. Ich mache das schon seit meiner Schulzeit“, so der Schöpfer von „Bakabu“, „deshalb, weil ich gemerkt habe, dass mir das gut tut.“

„Fasten unter professionaler Anleitung und in der Gruppe ist einfacher, motivierender und leichter.“ Fasten- und Gesundheitstrainerin Silvia Gratzl

Auf Wein oder Naschwerk eine Zeit lang zu verzichten, mag vielleicht keine allzu große Herausforderung sein, „wirkliches“ Fasten – sprich ein für einen gewissen Zeitraum geplanter kompletter Nahrungsentzug – ist offensichtlich nicht mehr so populär. Dazu Internist Bruno Brunner: „Intervallfasten, jeden zweiten oder dritten Tag nichts zu essen, um das Gewicht im Zaum zu halten, ist ja schon etabliert. Längerfristiges Fasten soll dazu führen, aus den Zellen auch unerwünschte Schlacken abzubauen oder auszuscheiden. Damit soll das Altern, vielleicht auch die Demenz, hinausgeschoben oder gar verhindert werden.“

Dabei sei auf genügend Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser, grünem oder weißem Tee mit ausreichend Bewegung zu achten, damit nicht Muskulatur abgebaut wird, sondern etwa Fett.

Für Burg- und Filmschauspieler Michael König (er wohnt in Pixendorf) zählt der religiöse Aspekt: „Entscheidend ist die Umkehr zum Herrn, zu einem Leben in Seiner Nachfolge. Dazu hilft Entsagung, Almosen und alle Werke der Barmherzigkeit und besonders geistliche Werke.“

Sieghartskirchens Bürgermeisterin Josefa Geiger meint: „Für mich ist Fasten nicht nur vor Ostern wichtig. Ich versuche, das ganze Jahr zu fasten. Zum Beispiel mit dem bewussten Umgang mit Lebensmitteln, man braucht nicht alles, was angeboten wird.“

Da die Winzer Gabriela Nagl-Neuhold und Gatte Roland Nagl, Königstettens Bürgermeister, zur Fastenzeit wenig Zeit haben, haben sie heuer im Jänner eine Fastenwoche im Kloster Pernegg gemacht. Bei diesem „Klosterfasten nach Buchinger“ gab es täglich nur einen Frucht- oder Gemüsesaft, eine Gemüsebrühe sowie Kräutertees und Wasser.

Wichtig ist für beide nicht nur die körperliche, sondern auch die seelisch-spirituelle Dimension des Fastens. Die Gedanken werden klarer, Entscheidungen sind leichter zu treffen, die Seele öffnet sich, und die Sicht auf das Wesentliche, die eigene Mitte fällt leichter.

„Vielleicht ist Fasten ein Überbleibsel aus unserer Zeit als Jäger, als diejenigen einen Überlebensvorteil hatten, die die Hungerperioden vor dem Erlegen eines Mammuts besser ausgehalten haben.“

Fasten- und Gesundheitstrainerin Silvia Gratzl bietet regelmäßig diese Art von Fastenkuren (www.fastenfuehlen.at) an: „Das Fasten unter professioneller Anleitung und in der Gruppe ist einfacher, motivierender und durch die professionelle Begleitung und Unterstützung wesentlich leichter.“ Sie hat in der Fastenzeit die ambulante Fastenbegleitung in der Gemeinde Tulbing angeboten und begleitet das Hotelfasten im Wienerwald (Hotel Marienhof in Unterkirchbach) von 18. bis 25. Oktober.

Mediziner und Fasten-Experte Bruno Brunner betrachtet die Geschichte des Fastens mit Schmunzeln: „Vielleicht ist Fasten ein Überbleibsel aus unserer Zeit als Jäger, als diejenigen einen Überlebensvorteil hatten, die die Hungerperioden vor dem Erlegen eines Mammuts besser ausgehalten haben.“

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