Mit dem Laser gegen die Raser. Zahl der Strafen stieg von 2017 auf 2018 massiv an, die Ursache liegt bei neuer Technik in Standboxen.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 10. April 2019 (04:31)
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Ein Blick in die Jahresstatistik der Bezirkshauptmannschaft Tulln für 2018 bringt Erstaunliches zutage: Im Vergleich zu 2017 wurden um 50 Prozent mehr Strafverfügungen ausgestellt, die Zahl der Verwaltungsstrafanzeigen stieg um 71, jene der Anonymverfügungen gar um 86 Prozent!

Was ist da los? Werden wir Bürger immer rücksichtsloser? Wird die Polizei immer strenger? Weder noch.

Genauere Messung, weniger Toleranz

„Die Zahlen sind eindeutig auf die neuen und viel genaueren Lasermessgeräte in einigen ehemaligen Radarboxen zurückzuführen“, erklärt Bezirkshauptmann Andreas Riemer. Die moderne Technik arbeitet genauer und funktioniert in beide Richtungen auch über zwei Spuren. „Bei einem entsprechenden Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten kommt da schon einiges zusammen“, sagt Riemer.

NOEN

Das wird auch vom Bezirkspolizeikommando Tulln bestätigt. Bezirksinspektor Bernhard Schilcher führt aus: „Ja, die neuen Standgeräte sind viel genauer als die alten Radarboxen. Dadurch konnte auch die Messtoleranz auf drei Kilometer pro Stunde herabgesetzt werden.“ Bei mobilen Messgeräten kommt die Lasertechnik schon lange zum Einsatz, in diesem Bereich hat sich für Autofahrer daher nichts geändert.

Tag für Tag ist Abteilungsinspektor Franz Hofegger von der Landsverkehrsabteilung Niederösterreich mit der Materie befasst. „Ja, in den Bereichen, wo wir alte Radargeräte durch moderne Lasertechnik ersetzen ist zunächst einmal der Überraschungseffekt groß, spätestens wenn der Brief mit dem entsprechenden Bescheid kommt“, berichtet der Experte.

Außerdem funktioniert die Lasertechnik in den Standboxen über beide Spuren und in beide Richtungen.

Bisher drei Standorte, Aufrüstung läuft

Im Bezirk Tulln kommen die neuen Standgeräte bislang in Kierling, Klosterneuburg und St. Andrä-Wördern zum Einsatz. Je nach Budgetlage werden nun laufend weitere alte Boxen um- und aufgerüstet. „In ganz Niederösterreich sind das immerhin mehr als 140 Standorte“, weiß Hofegger. Im Bezirk Tulln soll der Prozess noch im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden.

Für Verwirrung hatten Berichte über angebliche Ungerechtigkeiten aufgrund je nach Bundesland unterschiedlicher Messtoleranzgrenzen gesorgt. „Dabei werden diese Grenzen klar vom Eichamt vorgegeben. Für Radarboxen sind das fünf Kilometer pro Stunde bzw. ab 100 km/h fünf Prozent und für Lasermessgeräte 3 km/h bzw. drei Prozent“, erklärt Hofegger.