Radfahren - ein Boom wie noch nie. Ob Rennrad, Mountain-, City- oder E-Bike – derzeit erlebt das Radfahren auch im Bezirk Tulln einen Höhenflug wie selten zuvor.

Von Doris Firmkranz und Thomas Peischl. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:10)
Tanja und David Panhuber mit ihren Kindern Diana und Arik (nicht dabei war im Bild Sohn Eneas) auf dem Heimweg von einem Stadtbummel. In der Jasomirgottgasse machen Sharrows (spezielle Bodenmarkierungen) Autofahrer darauf aufmerksam, dass hier auch Radfahrer die Fahrbahn benützen.
Peischl

Nicht nur aber auch bedingt durch die Coronakrise erlebt das Fahrrad aktuell einen Boom. Wer könnte die Faszination dieses Verkehrsmittels und Sportgeräts besser vermitteln als der Sprecher der Radlobby Tulln, David Panhuber. Er selbst war schon als Kind und Jugendlicher begeisterter Radfahrer: „Nachdem ich den Führerschein gemacht habe, bin ich kurz etwas davon abgekommen. Aber mit Mitte zwanzig habe ich dann immer mehr eingesehen, dass das Fahrrad gerade im innerörtlichen Bereich die zuverlässigste, günstigste und unkomplizierteste Möglichkeit darstellt, um von A nach B zu kommen.“

Heute nützt der Familienvater sein Trekking-Rad, um schnell und bequem kleine Erledigungen in Tulln zu erledigen, sein Lastenrad für den Kindertransport oder größere Einkäufe und das Klapprad für Zugreisen, vor allem auf dem Weg zur Arbeit in Wien. Den Boom sieht Panhuber allerdings eher in größeren Städten, wo immer mehr Leute das Fahrrad als günstige und schnelle Alternative zu den Öffis sehen. „Man wird über den Sommer sehen, ob auch die Tullner ihre Drahtesel vermehrt für Alltagszwecke nutzen werden“, sagt Panhuber.

Seiner Heimatstadt stellt er grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus: „Es wird bereits viel für die Förderung des Radverkehrs getan und die Radinfrastruktur wird gerne angenommen.“ Lücken im Wegenetz seien wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass gerade in den letzten Jahren der kombinierte Geh- und Radweg als einzige Form eingesetzt werde.

„Natürlich hat diese Form ihre Berechtigung, aber ich würde mir wünschen, dass auch Mehrzweckstreifen, geöffnete Einbahnen oder von Fußgängern getrennte Radwege wieder Anwendung finden. In vielen Wohngebieten würde schon eine Tempo-30-Zone ausreichen, damit sich Leute am Rad sicherer fühlen“, erklärt der Radlobbyist. Im Bezirk hebt er die Rad-Förder-Aktivitäten der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern und der Klima- und Energiemodellregion Tullnerfeld Ost positiv hervor.

Der anhaltende Trend zum Rad lässt die ganze Branche aufatmen. „Die Wochen nach der Corona-Schließung waren bei uns sehr herausfordernd“, so „Bikepirat“ Anton Schwaighofer rückblickend. Doch nachdem unmittelbar nach dem Lockdown die Verkäufe, wohl aus Sorge um die ungewisse Zukunft, zurückgegangen waren, wurde das Fachgeschäft in Grafenwörth nach dem Wiederaufsperren regelrecht gestürmt, und das dauert bis heute unvermindert an. „Viele Kunden machen Urlaub in Österreich, leben und bewegen sich bewusster in der Natur“, weiß der Radsportfachmann, „Radfahren ist dabei die perfekte Freizeitgestaltung.“ Aufgrund der großen Nachfrage seien einige Modelle sogar bereits ausverkauft.

Dieses „Problem“ teilt Schwaighofer mit Walter und Claudia Berchtold von „more-thanbike“ mit Niederlassungen in Purkersdorf und in der Tullner Bahnhofstraße. „Es ist ein Wahnsinn! Wir kriegen kaum Nachschub“, klagt Mitarbeiter Johannes Krenn. „Ein gewisser Engpass ist dadurch entstanden, dass mit dem Lockdown auch die Produktionsstätten geschlossen wurden. Jetzt sind die Lager leer“, weiß man bei den Berchtolds, die gleichzeitig betonen: „Es lohnt sich mit Sicherheit, auf ein hochwertiges Rad etwas länger zu warten, als das nächstbeste billig im Supermarkt zu erstehen.“

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