Regionalität ist gefragter denn je. Viele Bauern beginnen sich neu zu orientieren. Direktvermarktung ist immer stärker im Kommen.

Von Doris Firmkranz und Gabi Gröbl. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:00)
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Als „besorgniserregend“ bezeichnet Bezirksbauernkammerobmann Hermann Dam die Entwicklung der Landwirtschaft. Klimawandel, Preisverfall, Missernten und Ernteausfälle machen ein vernünftiges Kalkulieren unmöglich und fördern das ohnehin schon länger andauernde Bauernsterben.

„Im Obst- und Weinbau schaut es heuer zwar recht gut aus, jedoch sahen sich viele unserer Landwirte gezwungen, von Getreide wie Weizen, Gerste und Mais auf weniger anspruchsvolle Feldfrüchte wie Sojabohnen und Hirse auszuweichen“, zieht Hermann Dam vorläufige Bilanz. Erschwerend hinzu kämen Schädlingsbefall (Stichwort Rübenrüsselkäfer oder Drahtwürmer in Erdäpfeln) und missverständliche Medienberichte über den Einsatz von Pestiziden, wo nicht unterschieden wird zwischen den strengen Vorschriften in Österreich zu anderen Ländern.

„Es entsteht durch die Veränderungen im Klima auf jeden Fall ein Nachteil“, so Johann Höfinger, Obmann der NÖ Direktvermarkter und selber Landwirt, über die Auswirkungen der Klimaveränderung. „Man merkt die Hitzetage, die Niederschlagsmenge ist zu gering. Vor allem nördlich der Donau ist die Wasserversorgung ein Problem.“ Ganz offensichtlich sei das bei der Weinlese in den letzten Jahren. Höfinger: „Früher wurde im Herbst gelesen, jetzt oft schon Ende August, Anfang September, immer früher.“

„Es entsteht durch die Veränderungen im Klima auf jeden Fall ein Nachteil“

Wobei es nicht nur auf die Niederschlagsmenge, sondern auch auf deren Verteilung ankommt, wie Kammerfunktionär Dam betont. „Dieses Jahr hat es nicht wirklich weniger geregnet als im Jahr davor, in dem der Niederschlag lediglich besser verteilt war.“

Landwirte schlagen oft andere Wege ein wie die Generation vorher. Sich dabei den Wünschen der Konsumenten anzupassen, ist das Gebot der Stunde. Und hier geht der Trend klar in Richtung Direktvermarktung und Ab Hof-Verkauf, wie Johann Höfinger bestätigt.

Regionalität heißt das Zauberwort. „Vor 10 Jahren war es noch Bio, jetzt wollen die Konsumenten die Sicherheit, dass vor Ort produziert wird. Das Vertrauen in die Region und den Produzenten steht im Vordergrund“, so Höfinger. In den 90er Jahren seien zwar nach einem Boom in der Direktvermarktung aufgrund des enormen Aufwandes wieder viele abgesprungen, doch seit etwa zwei Jahren bestehe eine verstärkte Nachfrage.

Markus Poyer ist Biobauer mit Leib und Seele: „Die Direktvermarktung ist die Zukunft, nur da bekommt der Produzent eine gerechte Entlohnung für seine Produkte.“

Bei der Direktvermarktung steht das halb fertige oder fertige Produkt im Mittelpunkt. Die Möglichkeiten reichen vom Verkauf saisonaler Produkte, selber Ernten und Vertriebsarten wie die „Solidarische Landwirtschaft“ bis zum Online-Shop. „Junge Landwirte lassen sich da stets neue Konzepte einfallen“, freut sich Höfinger über die Kreativität seiner jungen Kollegen.

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