Sicherheit für Radfahrer: Emma vorn mit Helm und Gurt. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 14. August 2019 (03:19)
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BEZIRK TULLN sich beim Radfahren generell sicher, nämlich lediglich 20 Prozent. 40 Prozent nur auf Radwegen und ebensoviele sind sogar der Meinung, Radfahrer seien Freiwild für rücksichtslose Autofahrer.

Vielen ist jedoch gar nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich mitunter bei der Ausübung ihres Sports aussetzen. „Das fängt schon bei der Bekleidung an“, betont der Obmann der Tullner Radlobby, Alfred Kaiblinger, „leuchtend bunte Trikots und Helme mögen vielleicht nicht so chick sein wie Schwarz, sind aber speziell bei Dunkelheit leichter zu erkennen.“

„50 Autofahrer haben mich überholt. Kein einziger hat geblinkt.“ Alfred Kaiblinger (Tullner Radlobby) berichtet von einer Fahrt auf den Riederberg.

Eine enorme Nachfrage nach hinten am Fahrrad zu montierenden Anhängern stellt man im Fachhandel fest. „Dabei gibt es riesige Qualitätsunterschiede, weiß Christian Brotkorb von „Zweirad Wegl“. Er und Ex-Radrennsportler Emanuel Voch vom gleichnamigen Radsportgeschäft sind sich einig: „Da sollte man nicht sparen und sich für einen stabilen Anhänger mit Beleuchtung und Überrollbügel entscheiden.“

Seit dem Horrorunfall auf der B 19, bei dem zwei Kleinkinder ihr Leben lassen mussten, sind diese hinten am Fahrrad mitgeführten Anhänger ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Sicherer Transport im Lastenfahrrad

„Ein großer Nachteil ist, dass bei diesen Anhängern keine Sicht darauf besteht, etwa auf darin mitgeführte Kinder“, so Radlobbyist Kaiblinger. Er selbst setzt auf das sogenannte Lastenfahrrad. Mit dem unternimmt er gelegentlich auch Ausflüge mit seiner zweijährigen Enkeltochter Emma. Da bei diesem Gefährt der Anhänger vor dem Lenker integriert ist, hat er die Kleine ständig im Blick. Selbstverständlich stets mit Helm nimmt Emma dabei auf einer Sitzbank Platz. Gurte bieten zusätzlichen Schutz.

Auch Emmas Eltern Ben und Melissa haben sich rasch mit den Fahreigenschaften und Besonderheiten des Lastenfahrrades vertraut gemacht. „Alles eine Frage der Gewohnheit“, so die beiden.

„In nordischen Ländern, und speziell in Holland, gehören solche Gefährte praktisch schon zum Straßenbild. Sie sind zwar etwas schwerer, doch das sollte in flachen Gegenden kein Problem darstellen“, erklärt Kaiblinger, „daher sind sie auch für das Tullnerfeld geeignet.“

Der leidenschaftliche Radfahrer hat am vorhandenen innerstädtischen Radwegenetz kaum etwas auszusetzen, beklagt jedoch ein Defizit an durchgehenden Querverbindungen im Tullnerfeld. Ihm ist klar, dass nicht neben jeder Bundes- oder Landesstraße einen Radbegleitweg errichtet werden kann, aber: „Eine nahtlose Nord-Süd bzw. Ost-West-Verbindung würde die Sicherheit deutlich erhöhen.“

Radwege sind immer wieder unterbrochen

Immer wieder müsse man auf Feldwege oder zum Teil stark befahrene Straßen ausweichen. „Und die Autos kommen einem beim Überholen oft gefährlich nahe. Direkt fahren kann man derzeit nur entlang der Donau und von Tulln nach Neuaigen.“

Zum Thema Konfrontation mit Pkw-Lenkern erzählt Kaiblinger: „Ich bin vor etlichen Jahren den Riederberg hinaufgefahren und habe dabei 50 Autos gezählt, die an mir vorbeigefahren sind. Während des Überholmanövers habe ich genau aufgepasst. Kein einziger hat – obwohl gesetzlich vorgeschrieben – geblinkt!“

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