Studentenverbindungen legten ihre Liedertexte offen. Nach der Liederbuch-Affäre um Udo Landbauer legten die Tullnerfelder Studentenverbindungen ihre Texte der Redaktion offen.

Von Bernhard Steinböck. Erstellt am 07. Februar 2018 (05:10)
Karl Hofmann (K.Ö.St.V. Comagena Tulln, Mitte) und Josef Mayerhofer (K.Ö.St. V. Markomannia St. Andrä vor dem Hagenthale, r.) brachten die „Cantusprügel“ ihrer katholischen Studentenverbindungen in die Redaktion, um für eine transparente Aufklärung zu sorgen. Mit im Bild ist NÖN-Mitarbeiter Bernhard Steinböck.
NOEN, Urbanitsch

Das Gesangsbuch (auch „Cantusprügel“ genannt) der Burschenschaft Germania Wiener Neustadt hat in den vergangenen beiden Wochen auch in internationalen Medien für einen lauten Aufschrei gesorgt.

Ein Buch, das einer jeden Burschenschaft, die generell mit ausgetragenen Fechtkämpfen und politisch motiviertem Gedankengut auffällt, beim Abhalten traditioneller studentischer Feiern – auch „Kneipen“ genannt –als Nachschlagwerk für das Absingen gemeinsamer Lieder dient.

Comagena Tulln
NOEN, Comagena Tulln

In studentischen Vereinigungen, die sich klar von den beiden oben beschriebenen Eigenschaften abgrenzen, wurde ebenfalls seit jeher gerne gesungen und, um den Gesang nicht ins Chaos abschwimmen zu lassen, erwies sich der Gebrauch solch eines Heftes als zweckdienlich und notwendig.

Ein Cantusprügel wird auch bei Mittelschulverbänden „Comagena Tulln“ und „Markomannia St. Andrä vor dem Hagenthale“ im Tullnerfeld verwendet. Zu Burschenschaften stehen diese Organisationen jedoch in keiner Weise in Verbindung, wie der Tullner und Comagene Karl Hofmann betont. „In Österreich, wo die katholischen Studentenverbände seit 1930 eigene Wege gingen, haben der Mittelschüler-Kartell-Verband und der Cartellverband der österreichisch katholischen Hochschulverbindungen eigene Kommers-Liederbücher herausgegeben“, weiß Hofmann.

Ein verbandseigenes Liederbuch, wie es die beiden Dachverbände seit 1951 gemeinsam herausgeben, dient den jeweiligen Verbindungen dabei als reine Offerte. Es bildet eine möglichst umfangreiche Sammlung von Liedern, die für die Verbandskorporationen in Frage kommen und aus dem sie wählen können, denn die Erhaltung einer individuellen Gesangstradition sei, laut Hofmann auch ein Charakteristikum jeder Verbindung.

Der gemeinsame Gesang in einer Gruppe fördert die Gemeinschaft

Auch wenn es für den Außenstehenden seltsam erscheinen mag, altes, traditionelles Liedgut in Gruppen zu singen, so gibt der Comagene einen Einblick bezüglich der Relevanz dieser Zusammenkünfte: „Der gemeinsame Gesang in einer Gruppe fördert die Gemeinschaft und findet sich auch während des Gottesdienstes, dem Absingen einer Hymne bei Massenveranstaltungen, beim Absingen einer Vereinshymne, oder auch bei den Pfadfindern wieder.“

1998 wurde das Liederbuch der Comagena neu aufgelegt, aus demselben Hauptgrund wie das der Studentenverbindung Markomannia. Mitglied Peter Pircher: „Die Neuauflage der Liederbücher war aufgrund der starken Abnutzung der bis dahin bestehenden Liederhefte notwendig geworden. Wichtig war uns dabei, dass wir zu den Texten jeweils auch die Urheberschaft sowie die Entstehungszeit von Text und Melodie ergänzt haben. Ebenso helfen kleine Fußnoten, wenn Begriffe in der heutigen Zeit nicht mehr geläufig sind.“

Dass es Lieder gäbe, die sowohl in Büchern von katholischen Studentenverbindungen als auch Burschenschaften gäbe, sei aufgrund des gemeinsamen Erbes unvermeidbar: „Ich kann nicht beantworten, welche Lieder bei den Burschenschaften vorkommen. Eine generelle Aufteilung macht da auch wenig Sinn, und viele Lieder wurden für katholische, österreichische Verbindungen nachbearbeitet.“

Lied über „siebte Million“ nicht dabei

Homophobe, rassistische oder verwerfliche Passagen finden sich weder im Liederbuch der Comagena noch in jenem der Markomannia. „In all diesen Texten sind mit Garantie keine Texte rassistischen oder antijüdischen Inhaltes“, so Hofmann, der vor Jahren federführend bei der Auswahl der Lieder war.

Auch das so viel diskutierte Lied „Es lagen die alten Germanen“ mit der Textpassage um „die siebte Million“ ist in keinem der beiden Bücher zu finden.

Die Affäre um den ehemaligen österreichischen Politiker Udo Landbauer hätte auch für die hiesigen katholischen Studentenverbindungen einen bitteren Beigeschmack hinterlassen, bedauert Josef Mayerhofer, ebenfalls Mitglied der Markomannia. „Es ist wichtig, Außenstehenden unser Liedergut näher zu bringen und den großen Unterschied zu den schlagenden Burschenschaften Österreichs darzustellen“, meint er.