Bezirk Tulln

Erstellt am 13. März 2019, 03:39

von Wolfgang Stritzl

Umgangston am Fußballplatz: Druck der Eltern zu groß. Kinder sollten sich ohne Druck entfalten können.

Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com  |  Fotokostic/Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Zu ehrgeizige Eltern, zuviel Druck auf Kinder

Rene Schilcher, seit mehr als 15 Jahren Jugendleiter des SV Langenrohr, sieht in dieser Sache viel Aufholbedarf. „Es gibt Eltern, die auf ihre Kinder viel Druck ausüben. Oft sind es Eltern, die selbst in ihrer fußballerischen Karriere gescheitert sind. Und gerade diese Kinder, auch die talentierten unter ihnen, hören mit 14, 15 Jahren oft auf, weil sie mit dem großen Druck ihrer Eltern nicht umgehen können.“

Fußball lebt von Emotionen

Hinein schreienden Vätern und Müttern könne und wolle der SV Langenrohr allerdings nicht den Mund verbieten. „Fußball lebt von Emotionen.“ Worauf der Sportverein allerdings Wert legt: „Dass die Eltern keine taktischen Anweisungen hinein rufen.“

Dafür seien ausschließlich die Trainer verantwortlich. Deren gibt es viele erfolgshungrige, „speziell im Bereich der ganz Jungen. Druck aufzuerlegen, ist in diesem Altersbereich aber gar nicht notwendig, weil es bis zur U 10 eh nicht um Punkte geht und der Spaß im Vordergrund stehen sollte.“ Ergebnisorientiertes, aber noch immer kindgerechtes Arbeiten sei erst ab der U 11 geboten.

Der raue Umgangston am Fußballplatz ist auch Leo König ein Dorn im Auge. Er ist Obmann des FC Tulln und AHS-Lehrer. „Ich habe schon Jugendspiele erlebt, bei denen die Eltern den Schiedsrichter und teilweise sogar die eigenen Kinder beschimpfen. Es werden Kraftausdrücke verwendet, die ein Wahnsinn sind, die man nicht hören möchte. Nicht auf einem Fußballplatz, und schon gar nicht, wenn Kinder spielen.“

„Es ist schon besser geworden“

Ein gesundes Maß an Kritik gehört allerdings dazu, meint Gerhard Mann. Der verdiente Schiedsrichter ist Neulingsbetreuer der Schirigruppe Wienerwald und als solcher bei vielen Nachwuchsspielen auf den Fußballplätzen im Bezirk unterwegs, um junge Schiedsrichter auf ihrem Weg vom Jugend- zum Erwachsenenfußball zu begleiten. Was er ihnen rät?

„Wenn ein ganz junger Schiri einen Blödsinn pfeift – und das kommt natürlich auch vor –, dann ist klar, dass es Aufregung gibt. Mit so etwas muss man als Schiedsrichter aber rechnen. Ein Referee muss mit Kritik umgehen lernen, ob diese berechtigt ist oder nicht.“ Generell sei aber festzuhalten, „dass es mittlerweile wesentlich besser geworden ist als früher.“

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