Weiterhin „Bitte warten“ für Öffnungsperspektiven . Bezirk Tulln: Die Schanigärten dürfen ab 27. März öffnen. Jugend- und Schulsport darf im Freien ab 15. März ausgeübt werden. Kultur und Hotelerie muss weiter warten.

Von Helga Urbanitsch, Monika Gutscher und Günter Rapp. Erstellt am 03. März 2021 (03:27)
Der SK Lugus Tulbing unterstützt mit diesem Foto in der Sunflower Arena die Initiative auf Facebook „kinderbrauchensport“.
K Lugus Tulbing

„Ich verstehe die Welt nicht mehr. Lokalbesuche sind erst ab 27. März und dann auch nur in Schanigärten im Freien und mit Testung möglich. Die vorzeitigen Lockerungen in Vorarlberg haben sogar einen Kampf unter den Bundesländern ausgelöst“, zeigt sich Haubenkoch Toni Mörwald bestürtzt. Er spricht von einem „Armutszeugnis der Regierung für ein hoch entwickeltes Land wie Österreich.“

Die ganze letzte Woche gab es unter den Gastronomen eine positive Stimmung für eine Öffnung ab März. Mörwald vermutet, dass die Infektionszahlen wahrscheinlich trotzdem heruntergegangen wären.

„Dieses ,Wischi Waschi‘ ist ohne Plan“

Seinen Schanigarten sicher nicht öffnen wird Kurt Hoffmann, Chef des s‘Pfandl am Tullner Hauptplatz. „Was ist, wenn es Tage lang regnet? Dieses ‚Wischi Waschi‘ ist ohne Plan, schön langsam wird es fad.“ Hoffmann spricht von einer „Hinhalte-Taktik“, die unverantwortlich sei, weiter betont er seinen Standpunkt: „Entweder ordentlich oder gar nicht.

„Wir bleiben auf jeden Fall situationselastisch“

Dass die Spontaneität verloren gehen könnte befürchtet Sabine Wagner, Chefin der gleichnamigen Konditorei. „Wir müssen es so nehmen, wie es kommt und auf gutes Wetter hoffen.“ Außerdem sei der Test natürlich nicht günstig und „schreckt viele ab, aber wir bleiben situationselastisch“, zeigt sich Sabine Wagner trotz allem hoffnungsfroh. Die Testphase in Vorarlberg wird genau verfolgt: „Vielleicht lernen wir ja daraus etwas.“

Der SK Lugus Tulbing unterstützt den stillen Protest #kinderbrauchensport: „Gemeinsam mit fast 1.000 Vereinen in ganz Österreich fordern wir die Freigabe des Mannschaftssports für Kinder im Freien.“ Auch der Obmann Gerald Weiss unterstützt die Forderung: „Es ist Zeit, Fußballsport unter Bedingungen im Freien zuzulassen — dringend!“

„Wenn nicht ausreichend trainiert wird, kann es zu gefährlichen Verletzungen kommen.“ Gerald Weiss, Obmann des SK Lugus Tulbing

Wie Bundeskanzler Sebastian Kurz in seinem Eingangsstatement ankündigte, wird ab dem 15. März in ganz Österreich der Kinder- und Jugendsport in Vereinen wieder erlaubt sein. Weiss freut sich über diese Lockerung: „Die Trainer sind dahingehend ausgebildet, dass die Kinder unter Regeln trainieren könnten. Ich verstehe es zwar, dass es Einschränkungen geben muss, wenn die Zahlen nicht stimmen. Aber: Wenn es möglich ist, dass die Kinder mit Tests die Schule besuchen dürfen, könnten sie auch im Freien Sport machen.“ Außerdem brauche man eine gewisse Vorbereitungszeit auf die Fußballmatchs, denn sonst könnte es gefährlich werden und beim Aufeinandertreffen von zwei Spielern zu Verletzungen kommen.

Kunst und Kultur als Lebensmittel

„Bitte warten“ heißt es für die Kulturszene. Gottfried Zawichowski überrascht es nicht, dass es noch für längere Zeit keine echten Öffnungsschritte in der Kultur geben wird. „Ich halte auch nichts davon, etwas übers Knie zu brechen und unbedingt die Kulturstätten bald zu öffnen, sich rein zu testen und dann mit Maske auf Abstand drinnen zu sitzen hat wenig Reiz und bietet kaum ein entspanntes Kulturerleben.“ Womöglich wäre dann immer noch das Singen verboten und „man darf auch nicht einmal ‚Bravo’ rufen“, bedenkt der Leiter der Musikfabrik.

Auf keinen Fall will Zawichowski die Kultur gegen die Gastronomie ausspielen.

„Ich glaube fest daran, dass es nach der Krise wieder ein blühendes Kulturleben geben wird, denn Kunst und Kultur sind Lebensmittel für uns Menschen, der Hunger danach wird die Szene aus dem Stillstand holen.“ Gottfried Zawichowski hofft auf eine baldige Impfung für alle. Optimistisch ergänzt er: „Im Sommer werden wir im Freien dann viel Schönes erleben.“

Zurück zur Gastronomie:

Christian Pöck vom Adlerbräu am Rathausplatz in Tulln wird seinen Schanigarten erst nach Ostern aufsperren. Durch den schattigen Schanigarten ist es um diese Jahreszeit noch viel zu kalt. „Ich glaube, es wird einen holprigen Start geben, man wird hineinwachsen müssen, außerdem werden sich die Stammgäste kaum testen lassen , wenn sie auf ein Achterl gehen wollen“, ist der Gastronom wenig zuversichtlich.

Warten noch auf die Rahmenbedingunugen

„Besser als nix“, bezeichnet Sebastian Köstlbauer die neuen Maßnahmen, „aber wir müssen noch die Rahmenbedingungen abwarten, dass wir das alles praktikabel umsetzen können.“ Schönes Wetter ist natürlich vorausgesetzt.

Christiane Wegger vom „Bio am Platz“ darf auch wieder ihren Schanigarten öffnen, wartet aber noch auf genaue Auflagen, bis sie ihre zehn bis 15 Tische aufstellen wird können. „Wir tun unser Bestes“, so die Bio-Spezialistin. Das „Take away“ und die „Picknickkörbe“ bleiben weiter ein großes Thema.

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