Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Der Beruf des Gastwirtes hat an Attraktivität verloren. Das schlägt sich in der Fluktuation nieder.

Von Doris Firmkranz, Gabi Gröbl und Günter Rapp. Erstellt am 05. Juni 2019 (05:28)
Symbolbild

Betrachtet man die Sachlage näher, ist es nicht so sehr das Zusperren der Wirtshäuser, das die Bevölkerung irritiert, als das ewige Kommen und Gehen der Betreiber. Nur ein Beispiel aus Rappoltenkirchen: dort wechselte ein Gasthaus innerhalb eines einzigen Jahres zwei Mal den Besitzer.

Auch in der Bezirkshauptstadt ändert sich das gastronomische Landschaftsbild stetig. So konnte kürzlich Albrechtsstuben-Eigner Wolfgang Steiner Restaurant und Pension in neue Hände übergeben. Auch der Name wurde geändert. Das Lokal heißt jetzt „Moms Family Diner“.

Weitere Neuübernahmen gab es im Schmankerl am Minoritenplatz (hier kocht jetzt Wolfgang Bess), aus „Hellas“ wurde „Mythos“ und auch das Tennisstüberl hat seit rund einem halben Jahr einen neuen Pächter nachdem sein Vorgänger in den Ruhestand getreten war.

Davon kann Josef Weber vom Tullnerfelderhof in Staasdorf nur träumen. Er sucht noch immer einen Nachfolger und beklagt damit ein ähnliches Schicksal wie Josef Heiss in Kirchberg.

NOEN

Dort gab es früher einmal sieben Gasthäuser. Heute betreibt Heiss das letzte richtige Dorfwirtshaus, möchte in zwei Jahren in Pension gehen. Seine drei Kinder haben jedoch alle andere Berufe ergriffen. „Vielleicht werden wir einen Käufer für unser Gasthaus suchen, aber das wird sicher nicht leicht“, so Heiss. Um alle Auflagen einhalten zu können, müsse bei einer Betriebsübernahme sicher viel Geld in die Hand genommen werden. „Bei der Übernahme 1985 gab es behördliche Überprüfungen und Auflagen, die wir erfüllt haben. In den letzten fast 40 Jahren hätte ich mir schon von Zeit zu Zeit Beratungen der Behörde gewünscht, um auf Neuerungen rasch reagieren und mit kleineren Investitionen immer wieder auf dem Laufenden bleiben zu können. Eine Investition zum jetzigen Zeitpunkt wäre für einen Nachfolger vielleicht kaum zu schaffen.“

Unermüdlicher Einsatz, Personalmangel fehlender Regionaltourismus sowie die Turbulenzen ums Rauchverbot in der Gastronomie machen dem Kirchberger zusätzlich zu schaffen.

Intakt ist die Szene jedenfalls in Judenau-Baumgarten mit den drei Traditionswirten Reif, Renner und Bruckner. Im „Notfall“ bleibt immer noch der Gang zu einem der insgesamt 44 Würstel- oder Kebab-Stände im Bezirk. Laut Jahresstatistik 2018 der Österreichischen Wirtschaftskammer sind das fast ebenso viele wie Krems und St. Pölten zusammengenommen!