Wirtschaft total auf Eis gelegt. 50 Prozent auf alles! Lange Schlangen vorm Humanic Schuhgeschäft im Einkaufscenter Rosenarcade in Tulln sorgten letztes Wochenende für Aufruhr. Wird das der nächste Cluster sein? Man konnte fast glauben, die Kunden bekämen nicht nur 50 Prozent auf Schuhe, sondern auch nur 50 Prozent der Corona-Symptome.

Von Helga Urbanitsch, Monika Gutscher und Doris Firmkranz. Erstellt am 18. November 2020 (03:27)
Anna Zoubek im Verkaufsraum, der jetzt im Lockdown geschlossen bleiben muss. Kränze und Gestecke werden geliefert.
Firmkranz

Auch montags standen Menschen, dem Regenwetter trotzend, vor Geschäften der Tullner Innenstadt – schließlich galt es, noch ein paar weitere Schnäppchen vor dem zweiten Lockdown zu machen.

„Bitte nicht bei Amazon und ausländischen Online-Händlern einkaufen, wir müssen die Arbeitsplätze sichern.“ Nina Stift, WK Vizepräsidentin

Man kann dem aber auch eine positive Seite abgewinnen: Es wurde vielleicht weniger online gekauft. Roland Haug, der erst vor Kurzem das Bastelgeschäft „CreaTeam Hobby & Style“ in der Tullner Rosenarcade eröffnete, sagt mit Bedauern: „Der zweite Lockdown ist für Unternehmer furchtbar. Hoffentlich kaufen die Tullner nicht allzu viel online ein.“

Nina Stift spricht von einer „Katastrophe“: „Ich appelliere an alle, mit dem Kauf der Weihnachtsgeschenke bis 7. Dezember zu warten, und bitte nicht bei Amazon oder anderen ausländischen Online-Händlern einzukaufen. Die zahlen nämlich keine Steuern“, so Unternehmerin Stift.

Als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich sorgt sie sich auch um die 60.000 Einzelhandelsangestellten in Niederösterreich. „Wir müssen versuchen, Arbeitsplätze zu erhalten, viele Betriebe bieten Lieferservice an, bitte das zu nutzen, so stärkt man die heimische Wirtschaft.“ Wie viele andere Unternehmen ist auch das Modehaus Stift im Lockdown in den Social Media Kanälen präsent.

Besonders hart trifft es auch den Getränkehandel Bayer. „90 Prozent meiner Kunden sind seit 2. November im Lockdown, außerdem hängen wir als Zulieferer in der Luft. Wir wissen bis heute nicht, ob und wie wir unterstützt werden“, erklärt Franz Bayer, der hofft, dass „vielleicht doch mehr Kunden die Nahversorgung nutzen.“ Sein Ab Hof-Geschäft bietet regionale Produkte und Getränke aller Art.

Der Tullner Weltladen darf als Lebensmitteleinzelhandel mit eingeschränkten Öffnungszeiten offen halten: Montag bis Freitag 14 bis 18 und Samstag, 10 bis 15 Uhr. „Zusätzlich wird es ein Lieferservice geben“, so Angelika Markom.

Schwer trifft der Lockdown Gärtnereien und Blumengeschäfte. Die Adventfloristik stellt üblicherweise einen wesentlichen Umsatzfaktor dar. Die Tullner Traditions-Gärtnerei Zoubek hat sich gerüstet, um wenigstens einen Teil des Advent- und Weihnachtsgeschäftes zu retten. Online oder auf Facebook kann man aus dem gesamten Sortiment Blumensträuße und -arrangements wählen und telefonisch oder per E-Mail ordern. Ein Lieferdienst wurde eingerichtet (innerhalb Tullns sogar gratis).

„Niemand muss heuer auf einen Adventkranz oder weihnachtliches Gesteck verzichten“, so Anna Zoubek. Vom fertigen, festlich dekorierten Adventkranz, Kränze zum selbst Dekorieren bis zum Reisig zum selbst Binden ist alles möglich.

Beim AMS Tulln rechnet man in den kommenden Wochen wegen des neuerlichen Lockdowns mit zusätzlich zur beginnenden Saison-Arbeitslosigkeit mit deutlich mehr Arbeitslosmeldungen. „Wie schon beim März-Lockdown ist es auch weiterhin unser oberstes Ziel, die Existenzsicherung aller Frauen und Männer, die nun arbeitslos werden, umgehend sicherzustellen“, erklärt AMS Tulln-Geschäftsstellenleiter Hans Schultheis. Das AMS ersucht um Arbeitslosmeldungen vor allem über Telefon (050 904 340), per E-Mail (tulln.ams@ams.at) oder über die AMS-Homepage (www.ams.at) - die Vermeidung persönlicher Kontakte, größerer Menschenansammlungen und Warteschlangen verhindern eindeutig Neuinfektionen.

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