Eltern kämpfen um Mehrstufenklasse. Durch Aufstieg von Integrationskindern in Unterstufe schien Konzept bedroht. Direktorin und Pflichtschulinspektorin geben vorläufig Entwarnung.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 12. Juli 2019 (05:02)
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So viele interessierte Zuhörer gab es in der Tullner Gemeinderatssitzung schon lange nicht mehr. Eine große Gruppe von Eltern demonstrierte, wie sehr ihr die Mehrstufenklasse der Egon-Schiele-Volksschule am Herzen liegt.

Großer Andrang im Gemeinderat. Es ist eine der seltenen Sitzungen, in der die Möglichkeit, dass Zuhörer Fragen stellen, genützt wird. Tatsächlich wird sogar im wahrsten Sinne des Wortes ein Plädoyer gehalten.

Anwalt Johannes Öhlböck: „Ich möchte Sie mit einem positiven Thema konfrontierten: In der Mehrstufenklasse der Egon-Schiele-Volksschule wird hervorragende Arbeit geleistet, auf die die Stadt Tulln stolz sein kann.“ Allerdings habe er Informationen, dass diese Arbeit in Gefahr sei. „Es ist als Behörde immer das Einfachste der Welt, Nein zu sagen…“, so Öhlböck, „oder Sie können dafür einstehen, dass ein gutes Konzept verlängert wird.“ Um den weiteren Verlauf zu verstehen, muss etwas weiter ausgeholt werden. Die NÖN sprach daher mit Bildungsmanagerin Eva Rosskopf.

Schülerzahlen - Mathe gilt für alle gleich

Im Prinzip geht es um die Zuteilung von Lehrerstunden und die ist weder einfach, noch macht man es sich in der Bildungsregion NÖ Tulln, die immerhin 180 Schulen umfasst, leicht. Nach Schuleinschreibung, Schulreifeüberprüfung und sprachlicher Überprüfung ergibt sich eine zu erwartende Schüleranzahl. Diese Zahl wird auf Regelklassen (maximal 25 Schüler) und Vorschulklassen (maximal 20) aufgeteilt.

Für den Sprengel Tulln (Egon-Schiele-VS, VS 1 und VS Langenlebarn) ergaben sich so für 2019/20 sieben erste Klassen. Problem Nummer eins: Nachdem es sich bei der Mehrstufenklasse weder um einen Schulversuch, noch um ein Sondermodell handelt, kann sie auch nicht aus der Rechnung herausgenommen werden, sondern „muss sich ausgehen“.

„Ich darf gar nicht noch mehr Stunden zuteilen. Das wäre Amtsmissbrauch!“ Eva Rosskopf

Problem Nummer zwei: Für das kommende Schuljahr sinkt die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf („Integrationskinder“), an die auch zusätzliche Lehrerstunden gebunden sind, in der Mehrstufenklasse von acht auf voraussichtlich drei. In der Neuen Mittelschule entsteht eine Integrationsklasse, in der Egon-Schiele-Volksschule fallen Lehrerstunden weg.

„Diese Zahlen müssen exakt eingehalten werden, sie erlauben keinen Spielraum“, betont die Pflichtschulinspektorin. Wobei ohnehin schon präventiv für ein Kind, das voraussichtlich Förderbedarf hat, vier Stunden bei der Mehrstufenklasse hinzugerechnet worden sein. Das sichert den Fortbestand zumindest für 2019/20. Sie versuche wirklich, alles zu ermöglichen, so Rosskopf, denn, „das pädagogische Konzept ist gut und auch ich bin an einer Fortführung interessiert, aber ich kann nicht willkürlich Stunden verteilen.“

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Pflichtschulinspektorin Eva Rosskopf: „Das pädagogische Konzept ist gut und auch ich bin an einer Fortführung interessiert, aber ich kann nicht willkürlich Stunden verteilen.“

Zurück in den Gemeinderat. Dort konnte Direktorin Karin Bauer Eltern und Politiker informieren: „Wir haben für nächstes Jahr eine sehr gute Lösung gefunden.“ Es habe eine gute Aussprache mit Bildungsdirektion, Gemeinde- und Elternvertretern gegeben und: „Es läuft alles im gesetzlichen Rahmen.“

Die Grünen hatten zu dem Thema einen Dringlichkeitsantrag eingebracht. Im ersten Teil wurde Bürgermeister Peter Eisenschenk aufgefordert, Bildungsdirektor Heuras zu kontaktieren, damit dieser zusätzliche Ressourcen bewillige. „Dieser Kontakt hat bereits stattgefunden. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften wurde das aber abgelehnt“, berichtete Eisenschenk, der ebenfalls auf die lokale Lösung für 2019/20 verwies.

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Direktorin Karin Bauer stand dem Gemeinderat für Fragen zur Verfügung und betonte: „Wir haben für nächstes Jahr eine sehr gute Lösung gefunden.“

In Punkt zwei des Antrags forderten die Grünen, dass die Stadtgemeinde jedes Schuljahr acht bis 12 Kinder der ersten Klasse zuteile um das Konzept abzusichern. Dieser Teil des Antrags soll im zuständigen Ausschuss besprochen werden.

Stadtrat Rainer Patzl (Grüne), der selbst eine Tochter in der Mehrstufenklasse hat und das Konzept sehr schätzt: „Für die Eltern ist die Sache damit noch nicht abgeschlossen. Das Ringen um Stunden wird weitergehen.“

Für die längerfristige Zukunft gibt Rosskopf zu bedenken: „Das Konzept ist vor 15 Jahren entstanden, vielleicht wäre es an der Zeit, es ein wenig zu modifizieren.“