Maikäfer-Invasion mitten im April im Bezirk Tulln . Die Käfer sind heuer im Donauraum besonders aktiv. Warum? – Die NÖN fragte bei Experten nach.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 28. April 2018 (04:00)
NOEN, shutterstock/-Pan Xunbin
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Was ist denn derzeit mit den Insekten los? – fragt sich der eine oder andere im Bezirk Tulln. Überall brummt und summt es. Manche, eher jüngere Personen, sind sich sogar einig „so viele waren es noch nie“. Die Rede ist von einer riesigen Maikäfer-Armee, die derzeit das Stadtbild von Tulln massiv beeinflusst. Aber keine Angst, die sind harmlos, zumindest für uns Menschen.

Nostalgische Gefühle und Kindheitserinnerungen wecken derzeit in Massen auftretende Maikäfer vor allem bei älteren Mitbürgern. Sie berichten lächelnd über kurios anmutende Sammelaktionen in der Vergangenheit und diverse selbst kreierte obskure Methoden zur Vernichtung derselben. Einige verziehen vor Ekel sogar das Gesicht, wenn sie erzählen, dass Maikäfer früher zu Suppen verkocht oder mit Zucker kandiert auf dem Speiseplan standen.

„Bleiben Überschwemmungsereignisse über längere Zeit aus, bleiben auch mehr potenzielle Käfer übrig.“ Bernhard Perny, Abteilungsleiter des Instituts für Waldschutz beim Bundesforschungszentrum für Wald

Dabei sind die braunen Brummer alle relativ harmlos. Sie machen sich zwar mit großem Appetit über Blätter von Eichen und Kastanien her, die wachsen aber rasch wieder nach. „Die Eichen des Wienerwaldes halten das ohne Probleme aus“, sagt Bernhard Perny, Abteilungsleiter des Instituts für Waldschutz beim Bundesforschungszentrum für Wald. Dem pflichtet auch Tullns Stadtgärtner Mario Jaglarz bei: „Die Bäume erholen sich von den hungrigen Käfern sehr rasch wieder.“

Augebiete sind bevorzugte Brutstätten

Ein Naturschauspiel solcher Art findet nicht jedes Jahr statt. Der Zyklus des Wald-Maikäfers dauert meist vier Jahre. „In unserem Gebiet sogar nur drei Jahre. In höheren Lagen kommt es alle vier Jahre zu einer Invasion der Maikäfer“, erklärt Perny. So lange dauert es, bis aus einem Engerling ein Maikäfer wird.

Seit ein paar Jahren bemerken die Experten, eine weitere Verbreitung es Maikäfers. „Auch die einzelnen Zyklen werden von Mal zu Mal deutlich mehr“, so Perny. Dies führt er auf ausbleibende Hochwässer zurück. „Denn in den Augebieten fühlen sich die Larven, die sogenannten ,Engerlinge’ besonders wohl. Bleiben Überschwemmungsereignisse über längere Zeit aus, bleiben mehr potenzielle Käfer übrig“, kennt Perny die Ursache für die vielen Käfer.

Und die Engerlinge, die unter der Erde leben, sind es auch, die meist mehr Schäden anrichten können, da sie sich über Baumwurzeln hermachen. Dies war auch der Grund für massiven Spritzmitteleinsatz in den 80er und 90er-Jahren. „Dies ist seither anscheinend massiv zurückgegangen, weshalb wieder mehr Maikäfer überleben“, folgt Perny auch einer zweiten Theorie. Und warum schon im April? – Dies liegt an den sehr zeitigen und sehr warmen Temperaturen in den letzten Tagen.

Nur kurze Flugzeit

Die „Flugzeit“ der Maikäfer beschränkt sich nur auf einen relativ kurzen Zeitraum von vier bis sieben Wochen. Dabei bevorzugen die braunen Brummer die Morgen- und Abendstunden und sind für Menschen in keiner Form gefährlich. Daher hat die Stadtgemeinde noch nie konkrete Maßnahmen gegen die Käfer gesetzt – auch heuer ist das nicht vorgesehen, obwohl neben Klosterneuburg, Korneuburg und Stockerau auch Tulln zu den am meisten betroffenen Regionen zu zählen. Sehr stark von Maikäfern befallen ist die Kastanienallee der Garten Tulln, wo hunderte Käfer an den Blättern der Bäume hängen.

Umfangreiche Informationen zum Vorkommen der Maikäfer und hilfreiche Tipps für Gartenbesitzer gibt es bei der Garten Tulln beziehungsweise bei Natur im Garten. Etwa die Käfer von den Pflanzen zu schütteln und diese dann mit einem engmaschigen Netz zu schützen.

Vom Einsetzen der „chemischen Keule“ raten Experten aber dringend ab, weil dadurch auch andere Insekten getötet werden würden. Und da der Schaden, der durch Maikäfer entsteht, eher gering ist, würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen.