Tulln setzt Corona-Testungen bei Messe fort. In der Stadt wird es keine Schnelltests in Arztpraxen geben. Stadtarzt und Bürgermeister zeigen sich zufrieden mit der Teststraße bei der Tullner Messe, die weiterhin in Betrieb bleibt.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 23. Oktober 2020 (11:21)
Stadtarzt Franz Bichler, Bürgermeister Peter Eisenschenk und Rotkreuz-Präsident Josef Schmoll bei der Präsentation des Tullner Schnelltestmodells, das aufgrund des Erfolges fortgesetzt wird.
Thomas Peischl

Für Aufregung in der Bezirkshauptstadt sorgte eine Forderung der Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. „Die von Susanne Rabady angedachten Covid-19-Schnelltests in den Arztpraxen sind meiner Meinung nach im städtischen Bereich, wo in Kassenpraxen während der Ordinationszeiten sehr viele Patienten behandelt werden, nicht umsetzbar“, sagt Stadtarzt Franz Bichler.

Gegen Cluster in städtischen Arztpraxen

In Tulln haben einige Hausärzte ihre Ordinationen im zweiten Stock oder im Keller, was die Sache nicht einfacher mache. „Und Patienten im Garten des Arzthauses zu untersuchen ist wohl absurd“, sagt der Allgemeinmediziner. Es sei auch nicht auszuschließen, dass infizierte Personen unangemeldet in ein volles Wartezimmer kommen. Rasch könnte so ein Cluster entstehen. „Wir wollen doch nicht, dass die medizinische Grundversorgung der Stadt durch Quarantäne-Beschränkungen der Arztpraxen zusammenbricht“, warnt Bichler.

Für das Tullner Erfolgsmodell

Er plädiert stattdessen für die Fortsetzung des Tullner Erfolgsmodells: In der Teststraße am Messegelände werden Menschen mit Krankheitssymptomen (!) mit höchstem Sicherheitsaufwand vorgetestet. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese Antigentests der zweiten Generation wirklich super funktionieren“, betont der Stadtarzt. Es gelinge damit hervorragend, akut von Covid-19 betroffene Personen herauszufiltern. Wenn der Schnelltest bei einem Patienten mit Symptomen negativ ist, dann sei es sehr unwahrscheinlich, dass er Corona hat.

Bichler hat auch ein perfektes Beispiel für das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme parat: Am Montag wurden 12 Mitarbeiter eines Tullner Unternehmens mittels PCR getestet, alle waren symptomlos, vier waren aber Covid-19-positiv. „Am Donnerstag meldete sich einer der negativ Getesteten mit Fieber und Halsweh zum Schnelltest am Messegelände: Das Ergebnis war positiv“, berichtet der Mediziner. Es gehe um wichtige Momentaufnahmen, die dabei helfen, die Erkrankten richtig zu filtern.

Stadtrat einstimmig für Fortführung

Zufrieden mit dem Schnelltestsystem zeigt sich auch Bürgermeister Peter Eisenschenk: „Es ist eine in Niederösterreich einzigartige Serviceleistung. Ich freue mich, dass wir jetzt einen einstimmigen Stadtratsbeschluss haben, die Schnelltests bei der Messe fortzuführen.“