Kabaretts sorgen für "doppelte Entschleunigung" . Sowohl bei Gery Seidl als auch tags darauf beim Duo „BlöZinger“ ging es um das immerwährende Thema der Zeitnutzung.

Von Bernhard Steinböck. Erstellt am 02. März 2018 (04:27)
Robert Blöchl und Roland Penzinger, die Fusion der beiden Nachnamen ergeben „BlöZinger“, die im Danubium begeisterten.
NOEN, Urbanitsch

Vier Mal in 13 Monaten. So oft besuchte Gery Seidl bereits das Danubium mit seinem seit genauso langer Zeit durchwegs ausverkauften Soloprogramm „Sonntagskinder“.

Zentrales Thema im erfolgreichen Programm: Ein überzeichneter Alltag samt Ausflügen und Urlaubsreisen (wie nach „Tsatsiki“) mit seiner agilen Frau Andrea und der kleinen Tochter. Routiniert und gekonnt wechselt Gery Seidl Rollen, Stimmen, Dialekte und Tonfälle, zum Beispiel bei der Familiendiskussion am Küchentisch der Schwiegereltern oder beim gemeinsamen Urlaub mit dem besten Freund „Kurtl“. Wer genau hinhört, der merkt auch, dass Seidl neben all den Naivitäten auch versucht, Gesellschaftskritik und eine gewisse Moral mitschwingen zu lassen: „Schenk dir Zeit.“

Der für Entschleunigung werbende Solist Gery Seidl brachte seine Gesellschaftskritik wieder einmal klug unter.
NOEN, Steinböck

Tags darauf gaben „BlöZinger“ in „Bis morgen“, einen Einblick in den Alltag eines Altersheimes. Der 82-jährige Franz langweilt sich im Altersheim fast zu Tode, doch der kommt ihn nicht holen (noch nicht, denn er „hat auch seine Vorschriften“). Der Tod ist Franz ständiger Gesprächspartner (auch im Traum). Trotz des ernsten Themas lassen „BlöZinger“ alias Robert Blöchl und Roland Penzinger keine Schwere aufkommen.

Durch die subtilen Gespräche mit dem Tod und dem immerfort zugekifften Junkie Zivildiener, gewinnt Franz seine Lebensfreude wieder. Das Wettrennen mit den Rollatoren um die Fernbedienung, die sexhungrige Altersheim-Insassin, Träume und Realität, mit einer unglaublichen Präzision wurden die Figuren dargestellt. Dazu kommt blitzschneller Szenenwechsel. Die gekonnte Mimik spielt in den Traumsequenzen, die wortlos ablaufen, die Hauptrolle.