Lukas Resetarits: Noch lange nicht „Das Letzte“

Lukas Resetarits gastiert am 16. Oktober im Danubium. Mit der NÖN sprach er vorab über Politik und kommende Projekte.

Erstellt am 10. Oktober 2021 | 04:51
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Lukas Resetarits gibt am Samstag, 16. Oktober, im Tullner Danubium „Das Letzte“, das aber glücklicherweise nicht sein letztes Programm sein wird. Am nächsten wird schon gearbeitet und so viel steht schon fest, es geht ums „Über Leben“.
Foto: Peischl

Die Herbstsaison im Danubium ist angelaufen und eines von vielen Highlights ist der Auftritt von Lokalmatador Lukas Resetarits. Der Grandseigneur des österreichischen Kabaretts spielt zwar „Das Letzte“, aber, so viel sei verraten, es wird auch ein nächstes Programm und ein neues Buch geben.

NÖN: Herr Resetarits, wie lautet Ihre Bilanz zum jüngsten Super-Wahlwochenende?

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Lukas Resetarits: Fangen wir mit Graz an: Da hat Elke Kahr etwas vorgehüpft! Davon kann sich die ganze SPÖ mehr als ein Scheiberl abschneiden. Dabei ist die Grazer KPÖ von einer klassischen stalinistischen oder marxistischen KPÖ so weit entfernt wie ein Tretroller von einem Düsenjet. Aber sie hat wichtige Themen besetzt, die die SPÖ leider auslässt.

In Oberösterreich erschreckt mich das Resultat von MFG. Welche Verwirrtheit ist hier zu diagnostizieren? Ich versuche, Verständnis aufzubringen, so schwer es mir auch fällt.

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Das Ergebnis in Deutschland gibt mir Hoffnung. Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels, und zwar, dass doch noch soziale Gedanken erwachen. Da hoffe ich auf die Ampelkoalition und, dass das Ganze nicht doch noch nach rechts umfällt.

Sie haben gesagt: „Absichtliche Dummheit macht mich wahnsinnig.“ Gilt das nach wie vor?

Resetarits: Leider ja. Eine große Mehrheit der Menschen aus der unteren Mittelschicht bis in die sogenannten bildungsfernen Schichten kann Informationen nicht mehr beurteilen, weil schlicht die Basis fehlt. Man sollte sich immer die Mühe der Differenzierung machen. Schwarz-Weiß-Malerei hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, denn dazwischen gibt es Millionen von anderen Schattierungen und dort ist das Leben zu Hause. Soll heißen: Man muss nicht absichtlich deppert sein. Man kann sich die Mühe machen, ein paar Synapsen unter Strom zu setzen.

Träumen Sie noch immer von einer Großen Koalition?

Resetarits: Ja das tue ich. Ich weiß nur nicht, ob ich lange genug leben werde… Wenn, dann sollte das jedenfalls eine Koalition sein, bei der Österreich an oberster Stelle steht – und damit ist nicht der Drecksboulevard gemeint, sondern unser ganzes Land. Da müsste aber schon sehr viel passieren, vor allem eine Politisierung der Menschen und nicht eine Entpolitisierung durch Verblödung.

Ihr aktuelles Programm heißt „Das Letzte“, womit Vieles gemeint sein kann. Denken Sie etwa ans Aufhören?

Resetarits: Nein, noch lange nicht. Es gibt schon einen Titel für das nächste Programm, nämlich „Über Leben“, was ja auch wieder mit vielen Bedeutungen gefüllt werden kann. Aber das kommt erst im Jahr 2023 und davor schreibe ich noch gemeinsam mit Fritz Schindlecker an einem Buch. Es wird den Titel „Der Krowod“ tragen.

Sehen Sie sich selbst als solcher?

Resetarits: Da bin ich mit Armin Thurnher einer Meinung: Ich bin ein paradoxer Patriot. Das heißt, ich bin ein zutiefst österreichischer Mensch, dem die FPÖ aber zu Zeiten nahegelegt hat, er möge doch nach Kroatien zurückgehen, wo ich aber gar nicht herkomme.

Was dürfen wir uns von dem Buch erwarten?

Resetarits: Es gibt ein Bedürfnis nach Erzählungen von einem alten Mann, der gut erzählen kann. Aber nicht in der Art „Früher war alles besser!“, sondern augenzwinkernd mit vielen Geschichten und Anekdoten aus den Jahren 1947 bis 1977, etwa von den Arbeiterbuben, die ins Wiener Elitegymnasium gingen und wie ich mit meinem Bruder Willi zuerst Wienerisch und dann Deutsch gelernt habe. Junge Leute können eine andere Welt kennenlernen, eine, die sie nie erlebt haben oder sich gar nicht vorstellen können.