2021 wird grün, digital und innovativ. Grüner Platz und CO 2 -Neutralität werden in Tulln weiter verfolgt. Der Baustart für das „Haus der Digitalisierung“ ist für das zweite Quartal vorgesehen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:27)

Ein zusätzlicher Kindergarten für Langenlebarn, Tulln als „Green Smart City“ und Erneuerungsarbeiten in der Innenstadt – für das neue Jahr hat die Stadtgemeinde Tulln große Pläne.

Zollamt als Kindergarten

Das ehemalige Zollamtsgebäude in Langenlebarn wird zu einem Kindergarten für zwei bis drei Gruppen umgebaut. In der Gemeinderatssitzung vom 7. Oktober wurden die ersten entscheidenden Beschlüsse dafür gefasst. Bereits ab Herbst 2021 soll der Betrieb – zusätzlich zum bestehenden Kindergarten Langenlebarn – aufgenommen werden. Der Baubeginn ist für das Frühjahr vorgesehen. Das Gesamtinvestment beträgt inklusive des Ankaufs des Gebäudes rund zwei Millionen Euro.

Volksschule wird erweitert

Bis Ende 2021 wird der Zu- und Umbau der Egon Schiele Volksschule in der Kirchengasse fertiggestellt. Es entstehen unter anderem acht neue Klassenräume, vier neue Gruppenräume für die Nachmittagsbetreuung und eine Kleinsporthalle – die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange. Mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe, einem innovativem Heiz- bzw. Kühlsystem, einer Photovoltaik-Anlage und einer Fassadenbegrünung im Innenhof setzt die Gartenstadt bei diesem Projekt in Sachen Klimaschutz erneut Standards. Die Gesamtkosten für den Um- und Zubau liegen bei rund 6,6 Millionen Euro.

Es grünt so grün

Der versiegelte Nibelungenplatz wird in einen grünen Platz umgewandelt. Die Vision: ein weiterer Erholungsraum im Zentrum, ein klimafitter Platz mit Vorbildcharakter für andere Städte und eine zusätzliche Attraktion für Gäste und Bürger. Im kommenden Jahr wird das Projekt durch Gestaltungsstudien und Verkehrsplanungen konkreter. Die zwei großen Herausforderungen – zum einen Parkplatz-Alternativen und zum anderen die Finanzierung bzw. Förderungen von EU, Bund und Land – werden mit Entschlossenheit in Angriff genommen. Durch den grünen Platz soll künftig auch das Profil Tullns als Gartenstadt des Landes geschärft werden und als raumplanerischer Schachzug der Hauptplatz gefühlt näher an die Donaulände rücken.

Alles digital

Am Gelände des Campus Tulln Technopol entsteht bis 2023 das reale „Haus der Digitalisierung“, der Baubeginn ist mit dem zweiten Quartal 2021 festgelegt. Tulln wird damit zum Zentrum der Digitalisierung in Niederösterreich. Das Leuchtturmprojekt wird innovative Digitalisierungsprojekte nach Tulln bringen und die Stadt zudem zu dem interessantesten Standort für Digitalisierungsunternehmen und -Start-Ups machen. Schwerpunkte sollen die Bereiche Nachhaltigkeit und Umwelt werden – Tulln wird damit zur „Green Smart City“. Ebenfalls am Gelände des Campus Tulln eröffnet 2021 die bereits 4. Ausbaustufe des Technologie- und Forschungszentrums (TFZ).

Für Umwelt und Klima

Das 2019 beschlossene Klimamanifest gibt einen straffen Zeitrahmen vor. Es ist vorgesehen, dass die Stadtverwaltung innerhalb von fünf Jahren und die gesamte Stadtgemeinde innerhalb von 20 Jahren CO 2 -neutral wird. Sämtliche Projekte der Stadtgemeinde werden unter diesem Gesichtspunkt geplant. Eine der wesentlichen Maßnahmen auf dem Weg ist der weitere Ausbau der Photovoltaik-Anlagen: Die von der TullnEnergie betriebenen Anlagen haben aktuell die Kapazität, Strom für etwa 1.000 Wohnungshaushalte zu produzieren. In den nächsten Monaten wachsen die Anlagen weiter – nämlich am Gelände des Wasserwerks (nach Fertigstellung insgesamt 113 kWp, Strom für etwa 45 Wohnungshaushalte) und am bisher ungenutzten Dach der Park&Ride-Anlage des Bahnhofs Tullnerfeld, das die Stadtgemeinde Tulln eigens zu diesem Zweck angemietet hat (500 kWp, Strom für etwa 140 Wohnungshaushalte).

Innovative Öffis

2021 werden die ersten Schritte zur Umsetzung eines innovativen öffentlichen Verkehrsangebotes gesetzt: LISA.Tulln soll eine optimale Kombination aus Linienverkehr, On-Demand Shuttle, Sharing Angeboten, aktiver Mobilität und moderner Infrastruktur bieten. Fünf Shuttle-Fahrzeuge (zwei 22-Sitzer, drei Achtsitzer), drei E-Carsharing-Fahrzeuge und 20 Scooter sollen angeschafft werden, durch welche zentrale Verkehrsknotenpunkte und Ziele wie das „Haus der Digitalisierung“ und die Bahnhöfe Tullns rascher, besser und umweltfreundlicher erreicht werden können. Angesetzt ist das Projekt auf fünf Jahre, vom Dezember 2020 bis Dezember 2025. Der Pilotbetrieb der neuen Mobilitätsdienste startet im vierten Quartal 2022 und läuft danach für drei Jahre. Stadt Tulln und Land NÖ investieren zu gleichen Teilen insgesamt rund drei Millionen Euro.

Baustellen 2021

Die Langenlebarner Straße ist eine der Haupt-Einfahrtsstraßen nach Tulln – dementsprechend ist sie in Mitleidenschaft gezogen. Neben der Erneuerung von insgesamt 1.000 Laufmetern an Einbauten, Belag und Straßenoberfläche soll die Straße bis 2022 – zum Wohle von Umwelt und Klima – grüner werden, Raum für Radfahrer bieten und auch die Parkplätze sollen neu angelegt werden. Der erste Abschnitt zwischen Hafenstraße und Kleiner Tulln ist derzeit in Arbeit. In den Jahren 2020 bis 2022 wird die Erneuerung insgesamt 2,3 Millionen Euro kosten. Weitere Straßenbauprojekte des Jahres 2021 werden unter anderem Erneuerungsarbeiten in der Innenstadt (Wiener Straße, Kirchengasse, Karnergasse, Nibelungengasse, Wassergasse), die Aufschließung des neuen, südlichen Teils des Komponistenviertels und ein weiterer Abschnitt der Verkehrsberuhigung in Langenlebarn sein.

Kläranlage: Zweiter Teil in Betrieb

Im Jahr 2009 wurde der erste Teil der mechanisch-biologischen Kläranlage der Stadtgemeinde Tulln in Betrieb genommen. Derzeit erfolgt die bereits damals geplante und vorbereitete zweite Ausbaustufe von 22.500 auf 45.000 Einwohnerwerte, die von der EVN errichtet wird – die Stadt investiert rund drei Millionen Euro in dieses wesentliche Infrastrukturprojekt. Der Betrieb der Kläranlage erfolgt daraufhin wie gewohnt durch die Stadtgemeinde Tulln. Die Inbetriebnahme ist für Mai 2021 geplant, dann startet ein sechsmonatiger Probebetrieb.

Stadt des Miteinanders

Die Corona-Krise hat uns im Jahr 2020 massiv zum Einschränken der sozialen Kontakte gezwungen – umso wichtiger war es, sich nicht voneinander zu isolieren und das Miteinander zu erhalten. Die Initiative „Stadt des Miteinanders“ hat mit ihren Netzwerken und Strukturen einen unverzichtbaren Beitrag zu diesem Ziel geleistet. Im Jahr 2021 werden rund um Corona vermutlich neue Herausforderungen warten, die gemeinsam zu bewältigen sind. Gleichzeitig hofft die Stadtgemeinde Tulln, viele Projekt in ihrer gewohnten Form weiterführen und ausbauen zu können – zum Beispiel die „Netzwerk Nachbar“-Grätzlfeste und die monatlichen „Tulln zu Gast“-Treffen bei verschiedenen Institutionen, Vereinen oder Privatpersonen sowie Veranstaltungen wie gemeinsame Picknicks an der Donaulände. Zudem startet im Herbst das Projekt „Dem Neid die Giftzähne ziehen“.

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