Neues Comedy-Programm: Kaya Yanar gibt Familientipps. Comedian Kaya Yanar gibt Einblicke in seine Familie und Tipps für die eigene. Erneut spielt er meisterhaft mit ethnischen Klischees.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 21. Juli 2021 (03:14)
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Kaya Yanar, Kaya Yanar

Am Dienstag, 27. Juli, tritt der in der Schweiz lebende Deutsch-Türke Kaya Yanar mit seinem neuesten Programm auf der Donaubühne auf. Die NÖN verlost 2 x 2 Tickets. Wer am Freitag, 23. Juli, bis 10 Uhr eine E-Mail an redaktion.tulln@noen.at schickt, hat vielleicht schon gewonnen. Das Interview gibt es schon jetzt und hier:

NÖN: Grüezi, Herr Yanar. Sie beehren uns in Tulln mit ihrem „Fluch der Familie“. Vermutlich hat jeder, der selbst Familie hat, alleine beim Titel automatisch Bilder im Kopf. Wieviel vom Inhalt baut auf eigenen Erfahrungen auf?

Kaya Yanar: 100 Prozent! Das Programm ist sozusagen die Abschlussarbeit zu meiner Vergangenheitsbewältigung. Hunderte Stunden Therapie habe ich als Vorbereitung hinter mir. Ich denke, es ist mein ehrlichstes Werk – und hoffentlich auch mein witzigstes.

„Das Programm ist sozusagen die Abschlussarbeit zu meiner Vergangenheitsbewältigung. Hunderte Stunden Therapie habe ich als Vorbereitung hinter mir.“ Comedian Kaya Yanar über „Fluch der Familie“

Wie waren die Reaktionen „des strengen Vaters, der ängstlichen Mutter und des hochintelligenten aber komplizierten Bruders“ – oder sind die in echt ganz anders?
Die sind genau wie in meinem Programm. Leider. Mein Vater kann sich nicht mehr wehren, er weilt nicht mehr unter uns. Mutter und Bruder können nichts dagegen tun. Wenn die zum Mikro greifen, hört ihnen keiner zu.

Sie sind seit etwa drei Jahren selbst verheiratet und haben mehrfach öffentlich bekundet, sich auf Nachwuchs zu freuen. Noch einmal zum „Fluch der Familie“. Was wollen Sie als Vater unbedingt vermeiden?
Mein eigener Vater zu sein. Oder meine Mutter. Es gibt gewisse Muster von Familiengeneration zu Generation. Die will ich auf jeden Fall durchbrechen. Ich hoffe, es gelingt mir, sonst muss meine Frau es mal wieder richten. Das Perfide an diesen Mustern ist, dass man sich dieser selber nicht bewusst ist, man ist ja in denen aufgewachsen. Meine Mutter hat mich immer rabiat abgeknutscht, was ich als Kind nie mochte, und ich bemerke diese unfeine Art leider auch an mir.

Nachdem Sie sich intensiv mit der Thematik beschäftigt haben: Gibt es einen entscheidenden Tipp, damit in der Familie der Segen den Fluch überwiegt?
Ich bin für einen Elternführerschein, damit es eventuell erst gar nicht zur Familienbildung kommt. So disqualifizieren sich schon viele Paare, die dann erst gar nicht ihre potenziellen Kinder schädigen können. Ist die Familie erstmal da und streitet nur, dann hilft nur der Gang zur Therapie. Die ist leider immer noch verpönt, nach dem Motto: Ich bin doch nicht bekloppt! Doch, bist du! Und mit Dir die Mehrheit der Menschheit.

Ich bin für einen Elternführerschein, damit es eventuell erst gar nicht zur Familienbildung komm

Sie haben es geschafft, mit „(Was) guckst du…“ einen Yanar-Marken-Spruch zu etablieren. Verwenden Sie die Phrase privat noch oder ist sie für den Künstler/die Bühnenfigur reserviert?
Die ist für die Fans reserviert, die lieben den Spruch nach über 20 Jahren. Was mich sehr freut! Wäre ein schöner Grabsteinspruch.

Egal ob im Fernsehen oder in Ihren Bühnen-Programmen: Sie spielen gerne und gekonnt mit ethnischen Klischees. Welches ist das erste, das Ihnen zu uns Österreichern einfällt?
Kaffee, Skifahren und Sachertorte. Wobei ich mal gelesen habe, dass es eine große Menge Österreicher gibt, die kein Ski fahren … und es werden nur im Schnitt drei Tassen Kaffee getrunken. Ach so: Bier trinken die Österreicher gerne, nur die Deutschen und Tschechen trinken mehr pro Kopf.

Nach vielen Jahren in Deutschland leben Sie jetzt schon einige Zeit in der Schweiz. Wenn der Trubel um Ihre Person auch dort einmal zu groß werden sollte, gibt es ja immer noch Österreich. Vielleicht in ferner Zukunft für einen gemütlichen Ruhestand?
Sag niemals nie! Ich habe viele Freunde in Österreich, die ich regelmäßig besuche und meine Frau kommt selten mit auf Tour, es sei denn ich spiele in Wien. Eigentlich fühle ich mich wohl in der Schweiz, aber es gibt einige sorgenvolle Entwicklungen: Ich lebe in Zürich und die Stadt möchte eine Tempo-30-Zone im gesamten Stadtgebiet einführen! Wenn das kommen sollte, dann heißt es: Türke vor Wien!