Das AKW Zwentendorf und seine vielseitige Nutzung

Erstellt am 22. Juni 2022 | 04:06
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8391988_tul25_22_100_jahre_noe_akw_zwentendorf_.jpg
Das AKW und die Hülsen der Brennstäbe sind immer noch im AKW Zwentendorf zu besichtigen.
Foto: Knöpfl
Das nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Zwentendorf wird als größte Investitionsruine der Republik Österreich bezeichnet. Dabei wird es vom Eigentümer EVN vielseitig genutzt.
Werbung
Anzeige

440_0900_480945_noe99logo_100jahrenoe.jpg
Foto: NOEN

Schon in den 1950er Jahren befasste sich Österreich mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie. 1969 genehmigte die Bundesregierung unter Kanzler Josef Klaus den Bau des Kernkraftwerkes in Zwentendorf mit einem Siedewasserreaktor, der Baubeschluss fiel 1971 unter Bundeskanzler Bruno Kreisky.

Siemens war Generalunternehmer, die Arbeitsgemeinschaft Kernkraftwerk Zwentendorf begann im April 1972 mit den Bauarbeiten. An der Gemeinschaftskernkraftwerk Tullnerfeld GesmbH (GKT) waren der Bund und die Bundesländer beteiligt.

Doch bereits 1975 bildete sich in Österreich eine breite Anti-Atomkraft-Bewegung. Nach massiven Protestkundgebungen kam es am 5. November 1978 zur ersten bundesweiten Volksabstimmung der Zweiten Republik. Bei einer Beteiligung von 64,1 Prozent der stimmberechtigten Österreicher, waren 50,47 Prozent gegen die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf und das prägte die österreichische Energiepolitik der nächsten Jahrzehnte nachhaltig.

Das fix und fertig gebaute Kernkraftwerk Zwentendorf wurde stillgelegt, das Atomsperrgesetz beschlossen und durch das Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich verschärft. Trotzdem gaben die Eigentümer nicht auf, die Anlage wurde konserviert und betriebsbereit gehalten. Als Ersatz wurde 1987 das Kohlekraftwerk Dürnrohr in Betrieb genommen. 

Zwentendorf wurde zu einem Ort, der schräge Projekte anzog: Friedensreich Hundertwasser hatte die Idee, ein Museum der fehlgeleiteten Technologien einzurichten oder es sollte in ein Abenteuerland verwandelt werden. Für all diese Ideen waren die Eigentümer jedoch nicht zu begeistern.

Sonne statt Atom

Die EVN AG kaufte 2005 das stillgelegte AKW mit dem umliegenden Areal. Der Siedewasserreaktor diente als Ersatzteilspender für baugleiche Kernkraftwerke, wurde von der deutschen Kraftwerksschule zur Ausbildung genutzt und ein Sicherheitstrainingszentrum eingerichtet.

Seit 2009 erzeugen Photovoltaik-Paneele auf dem Dach, der Fassade und den Außenflächen des AKW Strom aus Sonnenstrahlen. „Auch wenn mithilfe der Sonne in Zwentendorf nicht so viel Strom erzeugt werden kann, wie es durch Kernenergie möglich gewesen wäre, ist Zwentendorf dadurch zu einem Symbol für eine erneuerbare Energiezukunft geworden“, sagt EVN-Unternehmenssprecher Stefan Zach.

Ob Tagungen, Firmen-Events, Fotoshooting oder Musikfestivals wie das Shutdown-Festival – Zwentendorf dient auch als Bühne.  Das AKW Zwentendorf kann nach Voranmeldung besichtigt werden, um sich zu überzeugen, dass es doch keine Ruine ist.

Werbung