Covid-19 in Schulklasse – und was nun? . Wenn am Wochenende plötzlich bekannt wird, dass ein Mitschüler des Sohnes positiv getestet wurde, herrscht zunächst Chaos - ein Erfahrungsbericht aus dem Bezirk Tulln.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:39)
Symbolbild
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Das Familienwochenende hatte herrlich entspannt begonnen. Spätes Frühstück, Einkauf erledigt, doch dann die Hiobsbotschaft am Handy der Gattin: „Ein Schüler in Georgs Klasse wurde positiv getestet …“ Schwacher Versuch eines Scherzes: „Und was ist daran jetzt so schlimm? Hauptsache kein Fünfer, oder?“ Nein, natürlich handelte es sich nicht um Deutsch, Mathe oder Englisch, sondern um Covid-19. Erste halboffizielle Information des Klassenvorstandes: Voraussichtlich muss die ganze Klasse zehn Tage in Quarantäne.

Die ansonsten eher ruhige Elterngruppe auf WhatsApp explodiert. „Oh Gott! Und wir Eltern?“, „Wohin müssen wir testen fahren?“, „Die Gesundheitsbehörde meldet sich vorher, einfach hinfahren geht nicht…“, „Wir haben den Bescheid schon per Mail bekommen“, „Wir noch nicht!“ „Ruf zur Sicherheit bei 1450 an“, „Wir sind bis 26. in Quarantäne … wir laut schriftlichem Bescheid nur bis 24.“ und so weiter. Also: Ruhe bewahren und auf offizielle Nachrichten warten.

Samstagabend kommt eine Information der Direktorin. Wir erfahren, dass unser Sohn am Montag und möglicherweise an den folgenden Tagen, je nach Vorgabe der Gesundheitsbehörde, nicht in die Schule kommen darf und voraussichtlich auf Covid-19 getestet werden muss.

Sonntag, früher Nachmittag, plötzlich ist alles anders. Im zweiten Schreiben der Direktorin heißt es: „Entgegen ganz anders lautenden Informationen, die ich gestern vonseiten der Gesundheitsbehörde erhalten habe, werden nicht alle Schüler der Klasse einen Absonderungsbescheid erhalten.“

Am Sonntag erfolgt auch der offizielle Anruf der Behörde. Ein freundlicher Mitarbeiter der Gesundheitsabteilung der BH Tulln nimmt sich Zeit und antwortet geduldig auf alle Fragen. Resultat: Georg muss weder getestet werden noch in Quarantäne. Er könnte sich freiwillig testen lassen, ob das sinnvoll wäre, dürfe jedoch bezweifelt werden. Er hat schließlich keine Symptome und vermutlich wären selbst im Ansteckungsfall nicht genug Viren vorhanden.

Komplexer Fall durch gemischte Klassen

In der Elterngruppe gehen mittlerweile die Wogen hoch, es ist die Rede von „purem Chaos“. Schulinformationen die anders lauten als Behördeninformationen und umgekehrt. Die Nachrichtenflut beinhaltet aber auch eine Antwort darauf, wie es dazu kam: „Die Komplexität unseres Falles liegt auch darin, dass die Kinder in Englisch, Turnen und Physik auch noch mit anderen Klassen gemischt sind.“

Die Direktorin schreibt, dass sie zusätzlich die Sitzpläne aus den Sonderunterrichtsräumen an die Gesundheitsbehörde übermittelt habe. In einem dritten E-Mail ergänzt sie am Montag, dass auch Erziehungsberechtigte ohne Absonderungsbescheid, die Bedenken haben, ihr Kind zu Hause lassen können, es gelte dann als entschuldigt. Weiters betont sie: „Wir sind an der Schule sehr darum bemüht, eine für alle nachvollziehbare, möglichst gute Lösung dieser schwierigen Situation zu finden.“

Letzter Infostand am Montag: Kinder, die bis zum Abend keinen Absonderungsbescheid erhalten, dürfen auch am nächsten Tag in die Schule kommen.

Fazit nach drei Tagen: Die Nachricht über einen positives Covid-19-Testergebnis in einer Klasse ist für berufstätige Eltern mehr als ein halbes Jahr nach Beginn der Krise noch immer herausfordernd. Schule und Gesundheitsbehörde sind auch am Wochenende bemüht, die Lage im Interesse aller Beteiligten zu klären. Die Informationen flossen relativ rasch, vielleicht sogar zu schnell. Was am Samstag noch richtig war, stellte sich am Sonntag als falsch heraus.

Offenbar wird versucht, so viele Faktoren wie möglich zu berücksichtigen, um einerseits die Krankheit in den Griff zu bekommen und andererseits den Anwesenheits-Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.