Ort des Grauens. Projekt „Öffnungszeit“ ging Besuchern unter die Haut. Zeitzeuge berichtete von Gräueltaten im Jugend-Gefangenenhaus.

Von Günter Rapp. Erstellt am 15. Mai 2017 (04:09)
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Karl Matinek – im Bild mit Wolfgang Giegler (r.) – berichtete als „Zeitzeuge“ vor dem Gefängnis über die entsetzlichen Zustände vor 50 Jahren.

Für die Leiter des Projektes „Öffnungszeit“, Hanna Scheibenpflug und Wolfgang Giegler, steht fest, dass sich in der Vergangenheit manche Konzepte der Erziehung gegen die Kinder und Jugendlichen gerichtet haben. Dafür sei das Kirchberger Gefängnisgebäude ein eindrucksvolles Symbol.

Die Besucher der Ausstellung, die eigentlich Auftakt zu einer Metamorphose sein soll, konnten sich des beklemmenden Gefühls nicht erwehren. So sprach Franz Aigner, Obmann des Vereins Kunst-Kultur-Kirchberg, im Zusammenhang mit dem ehemaligen Jugendgefängnis von einer „schwarzen Vergangenheit Kirchbergs“.

Die NÖ Kinder- und Jugendanwältin Gabriele Peterschofsky, die sich schon an der Spurensuche beteiligt hatte, dankte den 30 Künstlern, die ihre Interventionen und Werke dem Kirchberger Projekt gewidmet haben.

Projektleiter Wolfgang Giegler stellte zu Beginn seiner Ausführungen Karl Matinek vor. Dieser war vor 50 Jahren in Kirchberg inhaftiert. „Wir wurden geschlagen und mit Zigaretten verbrannt“, so Matinek. „Es ist unglaublich, was Jugendlichen in Österreich angetan wurde.“

Viele Fragen bleiben auch heute noch offen

Bei der Aufarbeitung des Themas, das jetzt im Rahmen des Viertelsfestival NÖ Weinviertel 2017 vorgestellt wurde, sind die Künstler auf viele Fragen gestoßen. „Bei den Antworten ergaben sich große Lücken“, so Giegler. Obwohl dieses Straflager der Erziehungsanstalt Kaiser Ebersdorf erst 1974 geschlossen wurde, ist das Gefängnis bis heute „aus dem Alltag der Kirchberger ausgeblendet“.

Vom großen Engagement der einzelnen Künstler sprach die Kulturvermittlerin Luzia Täubler. „Die Künstler sind mit viel Feingefühl ins Gebäude eingedrungen“. Hier werden an den nächsten drei Sonntagen sowie am 25. Mai die Arbeiten präsentiert. Aus Gefängniszellen sind Installationen und Kunstwerke geworden.

Besonders ergriffen zeigte sich Nationalrat Johann Höfinger, der die Eröffnung vornahm. „Ich habe schon viele Eröffnungen miterlebt, aber keine war so tief greifend, wie die heutige in Kirchberg“, so der Bundespolitiker. Man müsse sich intensiv mit dem Thema befassen, um festzustellen, was Recht und Unrecht war.

Von einem Ensemble unter der Leitung von Markus King wurde der Festakt umrahmt. Fürs Kulinarische sorgten die Bäuerinnen des Gebietes Kirchberg unter Gebietsbäuerin Franziska Waltner.