Fünf Frauen und ein Öko-Stammtisch in Tulln. Tullnerinnen wollen ganz ohne Parteipolitik Anregungen für eine ökologisch nachhaltige Zukunft der Stadtgemeinde sammeln und liefern.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 14. April 2021 (16:11)
Engagieren sich für die Umwelt in Tulln: Ingrid Gattringer, Gudrun Höllebrand, Isolde Lernbass-Wutzl, Daniela Büchl und Agnes Feigl.
Peischl

Eine Gruppe von fünf Frauen engagiert sich in der Stadt ehrenamtlich und nicht partei-politisch für die Umwelt. Daniela Büchl, Agnes Feigl, Ingrid Gattringer, Gudrun Höllebrand und Isolde Lernbass-Wutzl tauschen sich regelmäßig aus – Corona- und Lockdown-bedingt über eine entsprechende WhatsApp-Gruppe. Schwerpunktthemen sind Bodenversiegelung und Baumrodungen oder aktuell auch Lichtverschmutzung. Durch ihr Engagement riefen Sie im Herbst 2020 gemeinsam mit Bürgermeister Peter Eisenschenk und der Stadtgemeinde den Tullner Umweltstammtisch ins Leben, der am Mittwoch, 14. April, bereits zum zweiten Mal stattfindet, diesmal allerdings online.

Den Grundstein legten Höllebrand und Lernbass-Wutzl im Frühjahr 2019. Die beiden verbindet viel, was schon bei der beruflichen Tätigkeit im Gesundheitssektor beginnt: Höllebrand ist Physiotherapeutin, Lernbass-Wutzl ist Fachärztin (Radiologie-Diagnostik). Beide sind gleichermaßen bereit, Umweltanliegen nicht nur im Freundeskreis zu äußern, sondern in ausführlichen E-Mails, Postings oder klassischen Briefen gegenüber Politikern, ganz egal auf welcher Ebene, oder Firmen und Konzernen zu vertreten, gerne auch mehrfach und mit Nachdruck.

„Es ist eine Frage des Respekts, gegenüber der Umwelt und auch gegenüber anderen Menschen.“ Isolde Lernbass-Wutzl

„Dass in Österreich täglich eine Fläche von 20 Fußballfeldern versiegelt wird, das weiß inzwischen fast ein jeder“, sagt Höllebrand, „aber wir sehen auch seit gut 25 Jahren, dass es so nicht ewig weitergehen kann.“ Genau wie sie beschäftigt sich auch Lernbass-Wutzl schon lange mit der Thematik: „Es ist eine Frage des Respekts, gegenüber der Umwelt und auch gegenüber anderen Menschen.“ Nur weil sich etwas oder jemand nicht wehren könne, bedeute das noch lange nicht, dass sich Menschen deshalb alles herausnehmen können, was sie wollen.

So kam es, dass sich die beiden immer wieder in der Sprechstunde von Bürgermeister Eisenschenk einfanden. Sie zeigten ihm Fotos, hinterfragten Projekte und Baumschnitte oder -rodungen. „Wir sind gerne lästig gewesen, aber der Bürgermeister hat sich auch gerne Zeit genommen“, berichtet Höllebrand. Rasch wuchs die Frauenrunde auf die derzeitige Größe an. „Jede von uns übernimmt gewisse Rollen, sei es als Aktivistin oder auch als wichtiges Korrektiv in der Gruppe. Ich selbst sehe mich in unterstützender Funktion“, erklärt Agnes Feigl, die als Landschaftsarchitektin beruflich fallweise für die Stadtgemeinde tätig ist.

„Und weil Politiker nicht alles wissen können, ist es wichtig, auch Fachpersonen einzubinden“

Als übergeordnetes Ziel sieht die Gruppe die Stadt in einer Vorbildrolle: Die Gemeinde soll Dinge vorleben, damit Bürgerinnen und Bürger möglichst einfach nachziehen können. „Und weil Politiker nicht alles wissen können, ist es wichtig, auch Fachpersonen einzubinden“, betont Lernbass-Wutzl, sei es bei Entscheidungen oder bei Vorträgen. So ging es etwa beim ersten Umweltstammtisch, der im Oktober zwischen zwei Lockdowns sogar mit eingeschränktem Live-Publikum abgehalten werden konnte, um den Vogelschutz. Als Fachvortragender konnte Johannes Hohenegger von BirdLife gewonnen werden. Er informierte über in Österreich vom Aussterben bedrohte Greifvögel und die Gründe dafür. Bürgermeister Eisenschenk stellte der Stammtisch-Runde die umfangreichen Aktivitäten der Stadt im Bereich Klimawandelanpassung und CO 2 -Reduktion vor.

Der zweite Tullner Umweltstammtisch wird am Mittwoch, 14. April, um 19 Uhr als Online-Meeting abgehalten. Diesmal wird Rudolf Hornischer, Vorstandsvorsitzender der lichttechnischen Gesellschaft Österreichs, einen Vortrag zum Thema „Lichtverschmutzung“ halten, u.a. zu Fragen wie „Was ist das Problem am künstlichen nächtlichen Licht?“ und „Was kann der einzelne Haushalt zur Vermeidung der Lichtverschmutzung beitragen?“.

Informeller Austausch zu Umweltthemen

Im Mittelpunkt des Stammtischs steht wie schon beim ersten Mal der niederschwellige, informelle Austausch zu aktuellen Umweltthemen. Neben Inputs der Stadtgemeinde zu den Themen (1) „Wie meine eigene PV- Anlage die Nachbarschaft versorgen kann (Energiegemeinschaften)“ und (2) „Serviceleistungen der TullnEnergie für die Abrechnung von Energiegemeinschaften“ können auch die Bürgerinnen und Bürger selbst Ideen schildern, Fragen stellen und sich mit den Verantwortlichen austauschen – eben ein echter Stammtisch.

„Umwelt- und Klimaschutz sind für uns grundlegende Prinzipien, die bei allen Projekten mitgedacht werden. Mit dem 2019 beschlossenen Klima-Manifest mit handfesten Zielen sowie der Schwerpunktsetzung in der Tulln Strategie 2030 haben wir dies auch festgeschrieben. Für Interessierte möchten wir zu Themen wie diesen mehr Einblick geben und zum aktiven Austausch einladen“, erläutert Bürgermeister Eisenschenk.