Bezirk Tulln: Massive Schäden bei Getreide. Auch die Regenfälle der vergangenen Wochen konnten nicht mehr alle Defizite ausgleichen. Mais entwickelt sich gut.

Von Helga Urbanitsch. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:05)
Landwirt Josef Keiblinger mit seinem Mähdrescher mit Getreideschneidwerk beim Getreidefeld in Trasdorf.
Urbanitsch

„Die Trockenheit hat massive Schäden bei Raps, Getreide und bei Leguminosen wie Erbsen hinterlassen“, erklärt Bezirksbauernkammerobmann Mathias Holzer. Einem niederschlagsarmen und sehr mildem Winter folgte ein ebenfalls zeitiges, mildes und trockenes Frühjahr.

Generell sollte man den Ertrag erst nach der Ernte beurteilen, bis dahin kann noch einiges passieren.“ Herbert Wimmer Ortsbauernratsobmann

Dabei konnten auch die überdurchschnittlichen Niederschläge in den letzten Wochen leider nicht mehr alle Defizite ausgleichen. „Auch das Schädlingsauftreten hängt mit der Trockenheit zusammen wie bei den Rüben der Rübenderbrüssler“, so der Obmann.

Vieles kann man zum heutigen Zeitpunkt gar nicht abschätzen, denn „die Überschwemmungen haben auch Schäden angerichtet, sind aber Gott sei Dank eher kleinräumig. Das wird sich in der Befahrbarkeit der Böden auswirken, da ja bei vielen Herbstkulturen wie Rüben oder Kartoffel jetzt Planzenschutzmaßnahmen anstehen, und wenn diese nicht rechtzeitig stattfinden können, dann wird es auch da Schäden geben“, ist Holzer überzeugt.

Mit einem blauen Auge kamen die „Winterungen“ wie Weizen und Roggen, die auf guten Standorten stehen, davon. Dagegen haben „Sommerungen“ wie z.B. Braugerste sowie schwächere Standorte mit deutlichen Ertragseinbußen zu rechnen. Die gute Nachricht ist: Der Körnermais entwickelt sich durch die aktuellen Niederschläge gut. „Generell sollte man den Ertrag erst nach der eingebrachten Ernte beurteilen, denn bis dahin kann noch einiges passieren“, zeigt sich Ortsbauernratsobmann Herbert Wimmer vorsichtig.

Im Moment gibt es zwei Vegetationsverläufe

Bei den gesamten Herbstfrüchten schaut es momentan gut aus. „Da werden wir aber im Sommer noch reichlich Niederschläge brauchen“, so Wimmer.

Auch Landwirt Josef Keiblinger aus Trasdorf, der auch Roggen, Weizen, Mais und Zuckerrüben anbaut, ist über die Situation alles andere als glücklich: „Wir haben hier zum Beispiel bei der Gerste im Moment zwei unterschiedliche Vegetationsverläufe.“ Nach den Regenfällen ist bei den neuen Trieben der Feuchtigkeitsgehalt hoch.

Hingegen bei Roggen und Weizen sind die Körner gut ausgebildet. Keiblinger: „Allerdings ist die Anzahl geringer.“

Bezirksbauernratsobmann Wimmer betont: „Es wird in jedem Fall eine unterdurchschnittliche Ernte werden, da ja leider auch die Erzeugerpreise nicht zufriedenstellend sind.“

Mit dem Wunsch auf gutes Wetter bei einer reibungslosen und unfallfreien Ernte richtet Wimmer einen Appell an die Bevölkerung: „Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung Verständnis hat, wenn wieder die großen Erntemaschinen und Traktoren unterwegs sind, denn unsere Landwirtschaft erzeugt gesunde und regionale Lebensmittel und schützt somit unser Klima.“

Auch Bezirksbauernkammerobmann Mathias Holzer betont abschließend und eindringlich: „Besonders jetzt nach der Coronakrise wurde vielen Konsumenten erst richtig bewusst, wie wichtig die Versorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmittel durch die österreichische Landwirtschaft ist und dass auch der Konsument durch regionales Einkaufen in jedem Fall seinen Beitrag leisten kann.“

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