Bezirk Tulln: Gastro möchte wieder aufsperren . Die NÖN hat sich umgehört, wie es manchen Wirten in unserem Bezirk derzeit geht. Viele zeigen sich durchaus optimistisch.

Von Monika Gutscher und Helga Urbanitsch. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:00)

BEZIRK TULLN „Wir verzweifeln“, schildert Gastronomin Christine Maisel. „Seit Monaten müssen wir geschlossen haben.“ Die 80-jährige Jungunternehmerin verweist auf Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich, der klar aufzeigt, dass es in der Gastronomie nur zwei bis vier Prozent der Corona-Übertragungen gab. Dieser klagt auch an: „Unsere Betriebe, von denen sich viele bereits in einer finanziell und auch psychisch extrem angespannten Lage befinden, brauchen dringend Planbarkeit, wie es nun weitergeht. Das Virus und allfällige Mutationen werden uns auch noch länger begleiten, deshalb müssen wir gangbare Wege finden, damit umzugehen.“

Christine Maisel wollte mit „Michl’s Café“ in Katzelsdorf dem vor fünf Jahren geflüchteten Syrer Michl Khantarechian und seinem mittlerweile 20-jährigen Sohn helfen, eine Existenz aufbauen zu können. „Arbeit ist Würde“, sagt Khantarechian. Er will nicht Mindestsicherung beziehen, sondern endlich wieder arbeiten. Auch viele Mitbürger fragen ihn oft, wann er denn endlich wieder aufsperre. Um irgendetwas zu machen bieten sie nun ab 27. Februar täglich von 9 bis 17 Uhr ein Lockdown-Angebot an: Es gibt Coffee2Go, Tee, Mehlspeisen, getrocknete Früchte, Nüsse und Gewürze zum Mitnehmen.

„Ich denke wir können am 15. März öffnen, mit Tests und Sicherheitskonzept.“ Toni Mörwald

Außerdem demonstriert Christine Maisel „privat und nicht auf offener Straße“, wie sie sagt: „Ich schreibe Mails an relevante Stellen.“ Es bleiben auch die versprochenen Förder-Zahlungen der Regierung aus. „Wir brauchen keine Formulare, sondern Bargeld, um Rechnungen bezahlen zu können!“ Nun hofft sie, wie viele andere Wirte auch, im März (mit Richtlinien) wieder aufsperren zu dürfen.

„Was wäre am 15. April anders als jetzt?“

Viel Optimismus legt Haubenkoch Toni Mörwald an den Tag: „Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, dass wir mit 15. März Hotels und Gastronomie doch öffnen können — mit Tests und Sicherheitskonzept.“ Denn „was wäre am 15. April anders als jetzt?“ Der Haubenkoch hofft auf die wärmere Jahreszeit in Kombination mit Tests, Impfungen und „einen kräftigen Willen aller Österreicher, denn das letzte Jahr hat gezeigt, weitere Lockdowns bringen keinesfalls mehr eine Lösung. Außerdem werden alle Sicherheitsvorkehrungen in der Gastronomie getroffen.“

Mit einem hoffnungsvollen „Aufgeht’s! Essenszeit ist Lebenszeit!“ freut sich der Gastronom über eine baldige Öffnung.

Kurt Hoffmann vom Tullner s’Pfandl hat seine Pforten zurzeit ganz geschlossen und findet, dass es „grundsätzlich unverantwortlich wäre, bei diesen Zahlen aufzusperren.“

Jedoch die Taktik „einmal ja und einmal nein“ geht gar nicht. „Auch die Idee aus Wien, am Wochenende zuzusperren ist ein Witz, ebenso nur die Schanigärten zu öffnen, was ist, wenn es drei Tage lang regnet?“

Hoffmann pocht auf „Planungssicherheit, entweder ordentlich oder gar nicht.“

Einmal „ja“ und einmal „nein“ geht gar nicht

Diese Planungssicherheit vermisst auch der Chef vom Adlerbräu, Christian Pöck, der jetzt einmal abwarten wird, „spätestens nach Ostern sperren wir auf jeden Fall auf.“ Die Verluste sind auch hier spürbar. Während der Öffnungsphase im Oktober gab es ein Minus von 80 Prozent“. „Die Menschen hatten ganz einfach Angst und ich weiß nicht, ob die Angst jetzt dann nach Ostern verflogen sein wird.“ Allerdings spricht Pöck seinen Stammkunden ein großes Lob aus, denn das Abhol- und Lieferservice wird gut angenommen.

„Weiter machen wie bisher und das Beste daraus zu machen“ hat Sebastian Köstlbauer vor. Coffee to go und süße Schmankerln werden auf jeden Fall angeboten, „vielleicht können wir ja bald die Schanigärten öffnen“, hofft der Konditor, ganz nach seinem Motto: „Einfach leben.“

Wolfgang Bess von „Salz & Pfeffer“ lässt sich überraschen. Wenn wieder aufgesperrt wird, „sind wir mit vollem Elan mit dabei“. Seine Mitarbeiter stehen in den Startlöchern, „jetzt kann es nämlich nur mehr aufwärts gehen“, zeigt sich Bess optimistisch und hofft auf ein gutes Sommergeschäft. Allerdings habe man im letzten Sommer viel verabsäumt: „da hätte man mehr machen müssen.“ Seine Speisen zum Mitnehmen gibt es von Freitag bis Sonntag.

Jedes Auf- und Zusperren kostet Kraft

Durchstarten möchte auch Sabine Wagner vom gleichnamigen Cafe, aber „ich glaube nicht, dass es sich vor Ostern noch ausgeht.“ Der Kaffeehaus-Besuch mit Testen „ist bei uns sinnlos, auf einen Kaffee geht man meistens spontan oder trifft sich kurzfristig mit Freunden“, weiß die Chefin, der es auf jeden Fall lieber wäre, dass bis Ostern geschlossen bleibt und dann „können wir endlich durchstarten.“

Denn jedes Auf- und Zusperren kostete viel Kraft. Mehlspeisen und Kaffee können in der Konditorei weiterhin abgeholt werden.

 

Umfrage Tulln

  • Was fehlt euch derzeit am meisten?