Bürgermeister im Bezirk Tulln sind angelobt. Überschattet von der Coronavirus-Situation fand die Angelobung der (Vize-)Bürgermeister zwar in würdigem Rahmen, aber deutlich verkürzt, ohne Hände-Schütteln und mit reichlich Desinfektionsmittel statt.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 13. März 2020 (13:08)

In seinen Begrüßungsworten betonte Bezirkshauptmann Andreas Riemer: "Wir haben lange überlegt, wie wir damit umgehen sollen. Wir haben uns für eine bewusst kurze Feierstunde, trotz allem in würdigem Rahmen im Minoritensaal, entschieden."

Trotz der widrigen Umstände waren alle bereits gewählten Bürgermeister und fast alle Vizebürgermeister (drei waren entschuldigt) zur Angelobung gekommen. Bürgermeister Thomas Buder und Vizebürgermeisterin Anna Haider aus Tulbing wurden bereits angelobt, in Langenrohr und Zeiselmauer-Wolfpassing konnten die konstituierenden Sitzungen noch nicht abgehalten werden.

Wenige, die Verantwortung übernehmen

Riemer weiter: "Bitte geben Sie meinen Dank auch an die übrigen Gemeindevertreter weiter. Besserwisser und Experten haben wir viele, aber tatsächlich Verantwortung übernehmen wollen nur wenige." Er sagte auch für die Zukunft die Zusammenarbeit der Bezirkshauptmannschaft mit den Gemeinden zu und zur aktuellen Lage: "Wir haben einen fast durchgängig tagenden Krisenstab, denn nach Korneuburg haben wir im Bezirk Tulln die zweitmeisten Corona-Fälle. Wir tun unser Bestes und warten auf weitere Maßnahmen." Schließlich richtete der Bezirkshauptmann noch einen Appell an den gesunden Menschenverstand: "Denn nicht alles, was nicht gescheit ist, ist auch gesetzlich verboten." Als Beispiel nannte er eine Anfrage bei der BH: In einem Wirtshaus gebe es zwei Räume, ob es denn möglich wäre, hier eine Feier mit zweimal 99 Personen abzuhalten ...

Musikalisch umrahmt von einem Bläserquartett (Direktor und Lehrer der Musikschule Tulln)  schritt Riemer dann zur feierlichen Angelobung von:

Bürgermeister Franz Dam und Vizebgm. Leo Weinlinger (beide ÖVP), Absdorf
Bgm. Beate Jilch und Vize Franz Buchberger (beide ÖVP), Atzenbrugg
Bgm. Christian Bauer und Vize Ludwig Güntschl (beide ÖVP), Fels
Bgm. Alfred Riedl und Vize Reinhard Polsterer (beide ÖVP), Grafenwörth
Bgm. Franz Schneider und Vize Gertrude Täubler (beide ÖVP), Großriedenthal
Bgm. Alois Zetsch (ÖVP), Großweikersdorf 
Bgm. Georg Hagl und Vize Heinz Mahl (beide ÖVP), Judenau-Baumgarten
Bgm. Wolfgang Benedikt und Vize Erwin Mantler (beide ÖVP), Kirchberg
Bgm. Stefan Schmuckenschlager und Vize Roland Honeder (beide ÖVP), Klosterneuburg Bgm. Franz Stöger und Vize Josef Schwanzer (beide ÖVP), Königsbrunn
Bgm. Roland Nagl (ÖVP), Königstetten
Bgm. Rudi Friewald und Vize Eduard Sanda (beide ÖVP), Michelhausen
Bgm. Hermann Grüssinger und Vize Harald Germann (beide Wahlgemeinschaft Muckendorf-Wipfing/ÖVP), Muckendorf-Wipfing
Bgm. Maximilian Titz (ÖVP) und Vize Ulli Fischer (Grüne), St. Andrä-Wördern
Bgm. Josefa Geiger und Vize Gerald Höchtel (beide ÖVP), Sieghartskirchen
Bgm. Christoph Weber und Vize Rainer Rabl (beide ÖVP), Sitzenberg-Reidling
Bgm. Peter Eisenschenk (TVP), Vize Harald Schinnerl (TVP), Vize Rainer Patzl (Grüne) und Vize Wolfgang Mayrhofer (TVP), Tulln
Bgm. Johannes Diemt (ÖVP), Würmla
Bgm. Marion Török und Vize Johann Scheed (beide SPÖ), Zwentendorf
 

Dankeschön an ehemalige Gemeindevertreter

Außerdem dankte Bezirkshauptmann Riemer verdienten Gemeindevertretern für ihren Einsatz und verlieh Ehrenurkunden an:
Bgm. a.D. Ferdinand Ziegler (ÖVP), Atzenbrugg
Bgm. a.D. Anton Priesching (ÖVP), Würmla
Bgm. a.D. Hermann Kühtreiber (SPÖ), Zwentendorf
Vizebgm. a.D. Franz Mandl (ÖVP), Atzenbrugg
Vizebgm. a.D. Richard Raz (ÖVP), Klosterneuburg
Vizebgm. a.D. Johannes Albrecht (ÖVP), Sieghartskirchen

Last but not least richteten die Obleute der Gemeindevertreterverbände ein paar Worte an die Firschangelobten. 

Bezirk wird weiblicher

Marion Török (SPÖ) zeigte sich erfreut darüber, dass der Bezirk "wieder ein bisserl weiblicher geworden ist" (mit immerhin drei Bürgermeisterinnen und zwei Vizebürgermeisterinnen). Entscheidend sei aber, dass alle Menschen sind und bleiben, gerade in Zeiten wie diesen, in denen das Coronavirus alle auf Trab hält. Das Virus zeigt außerdem auf, dass Probleme nicht an der Gemeindegrenze enden, das gelte auch für Verkehr, Bodenversiegelung und viele andere Themen. "Wir werden das gemeinsam angehen", so Török und wie schon in der Vergangenheit auch über Parteigrenzen hinweg.

Fordernde, aber schönste Arbeit

Alfred Riedl (ÖVP) dankte für die Bereitschaft, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen, was nicht selbstverständlich sei. Bürgermeister würden immer öfter auch für Dinge herangezogen, für die sie eigentlich gar nicht zuständig wären, als Beispiel nannte er das Baumhaftungsgesetz. "Hier braucht es besondere Unterstützung", betonte Riedl und verwies auf interessante Gespräche die er als Präsident des österreichischen Gemeindebundes mit der Justizministerin geführt habe. In Sachen Coronavirus appellierte Riedl an die Gemeindevertreter, alles so zu organisieren, dass es weiter funktionieren kann, denn es sei abschätzbar, dass die Lage nicht nur bis Ostern, sondern zweieinhalb bis drei Monate fordernd bleiben wird. "Trotz allem: die schönste Arbeit ist die Arbeit auf lokaler Ebene", schloss Riedl.