Michelhausen: Rust als „Braut ohne Mitgift“ . Die große Katastrale kam 1971 nur unter der Bedingung, das Gemeindevermögen in Agrargemeinschaft zu behalten, in die Marktgemeinde Michelhausen.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 22. April 2021 (03:20)
Ferdinand Rabacher war von 17. Oktober 1956 bis 31. Dezember 1971 Bürgermeister von Rust.
Archiv 800 Jahre Rust, Archiv 800 Jahre Rust

Rudolf Friewald, Bürgermeister der heutigen Marktgemeinde Michelhausen, kann sich noch gut an die Verhandlungen über die Zusammenlegung von Rust und Michelhausen erinnern. Im Raum stand auch die Möglichkeit, dass Rust zu Atzenbrugg kommen könnte.

Friewald ging damals noch in die Volksschule, aber: „Ich weiß noch genau: Mein Vater, der Gemeindeparteiobmann war, und die anderen haben sich am Montag so um vier Uhr nachmittags bei uns in der Stube getroffen. Als ich am Dienstag von der Schule heimkam, haben sie noch immer verhandelt und meine Mutter meinte nur: Da darfst du jetzt nicht reingehen!“

Bernhard Heinl, geschäftsführender Gemeinderat aus Rust.
privat, privat

Zur Sache meinte er, dass es zu einer freiwilligen Einigung kam, weil Michelhausen massive Zugeständnisse an Rust machte, vor allem, dass das Gemeindevermögen bei Rust blieb und in eine Agrargemeinschaft eingebracht wurde. Der damalige Bürgermeister Leopold Jäger prägte den legendären Satz: „Michelhausen heiratet eine Braut ohne Mitgift.“

Noch heute steht die Sportanlage auf dem Grund dieser Agrargemeinschaft. Seitdem funktioniere die Großgemeinde nur vor rund zehn Jahren, als der Kindergarten in Rust gesperrt wurde, habe es kurzzeitig Bestrebungen gegeben, dass Rust wieder selbstständig werden wollte. Diese seien aber nach einer Bürgerversammlung wieder fallengelassen worden.

Rudolf Friewald ist seit 2003 Bürgermeister von Michelhausen.
NOEN

Bernhard Heinl, geschäftsführender Gemeinderat in der heutigen Marktgemeinde und leidenschaftlicher Ruster: „50 Jahre danach denkt keiner mehr daran, selbstständig sein zu wollen.“ Die Katastrale sei in ein funktionierendes Gemeindegefüge eingebettet, von dem man auch profitiere.

„Und trotzdem bleibt ausreichend Platz für eine eigene dörfliche Identität“, betont Heinl. Unterfüttert werde diese durch eine eigene Pfarre, eine eigene Freiwillige Feuerwehr und den Sportverein, aber natürlich auch geschichtlich durch Leopold Figl als berühmtesten Sohn Rusts. Als Paradebeispiel nennt Heinl die Feierlichkeiten rund um „800 Jahre Rust“ im Jahr 2019.

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