Kein Ärger mit der Polizei in Tulln. Drei Jugendliche standen wegen mehrerer Straftaten vor Gericht, auch wegen Körperverletzung und Drohungen gegen Zeugen. Der Prozess musste vertagt werden.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 20. Januar 2021 (03:04)
Symbolbild
APA

Es ist Mitte September, etwa gegen halb sechs Uhr abends und im Tullner Stadtpark treffen zwei Gruppen von Jugendlichen aufeinander. Zuerst geht es friedlich zu, dann bricht eine hitzige Diskussion aus. Einer stänkert, es kommt zu Handgreiflichkeiten. Die eine Gruppe geht, die andere ruft die Polizei. Auf den Bodycams der Beamten sind ein paar Bierflaschen und Zigaretten zu erkennen, eine Frau spuckt Blut aus, ein Junge sagt, er wurde verprügelt. Als die Polizisten weg sind, kommt die andere Gruppe vom Zigarettenautomaten zurück. Was die Leute im Park den Polizisten erzählt haben, wollen sie wissen. Aus Angst vor einer Falschaussage, wie einer der angeklagten Jugendlichen vor dem Richter sagt.

Erzählt haben die Zeugen Folgendes: Der Erstangeklagte, ein Sechzehnjähriger habe eine Frau ins Gesicht geschlagen, es ist diejenige, die später Blut spuckt. Außerdem soll er zwei Zeugen damit gedroht haben, sie „abzustechen“, falls sie gegen ihn aussagen sollten. Das stimmt alles nicht, sagt der Sechzehnjährige, der einen sehr besonnenen Eindruck macht. Er habe niemandem gedroht. Die Frau habe ihm mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen, er habe nicht zurückgeschlagen, sondern sich weggedreht und wollte gehen. Sie habe allerdings nicht von ihm abgelassen, sondern ihn von hinten erneut attackiert, daraufhin habe er sich umgedreht und könnte sie dabei aus Versehen im Gesicht erwischt haben.

Zeugen gezwungen falsch auszusagen?

Die Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende. Dem Angeklagten und zwei weiteren Jugendlichen, einem 17-Jährigen und einem 18-Jährigen, wirft die Staatsanwaltschaft noch etwas anderes vor. Ein Jugendlicher, der bei dem Vorfall im Stadtpark gar nicht dabei war, soll unter anderem von der Frau, die angeblich geschlagen wurde, dazu überredet worden sein, bei der Polizei gegen den Sechzehnjährigen auszusagen. Eine Woche später sollen die drei Angeklagten den anderen Jugendlichen bedroht und ihn gezwungen haben, auf einem Handyvideo zuzugeben, dass er vor der Polizei eine Falschaussage gemacht hat. Nein, das war auch nicht so, sagen alle drei Angeklagten.

Sie hätten ihm nicht gedroht, der Erstangeklagte habe nur mit ihm geredet und wollte eine Richtigstellung auf Video, der der andere zugestimmt habe. Dass der siebzehnjährige Drittangeklagte bei diesem Vorfall Schläge und Tritte in die Luft angedeutet habe, sei keine Drohung gewesen und auch nicht in Richtung des angeblichen Opfers gegangen. „Das macht der immer so“, meinen der Erst- und Zweitangeklagte mit einem Schulterzucken. Ja, das mache er immer so, weil es ihm Spaß macht, bestätigt der Drittangeklagte und zeigt seine Luftboxbewegungen im Verhandlungssaal auch gleich vor. Ihm sei langweilig gewesen, die Geschichte mit dem Video habe ihn nicht interessiert. Er sei ja auch nicht dabei gewesen meint der Drittangeklagte. Es wird eine lange Verhandlung, denn es sind viele Zeugen geladen. Eine wichtige Zeugin kommt allerdings nicht, deshalb vertagt der Richter die Verhandlung.