Tullner Mittelalter unter dem Fußboden. Die Grabungen mit teilweise kuriosen Funden laufen gerade auf Hochtouren.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 05. September 2020 (03:49)

Grabungsleiterin Ute Scholz dreht und wendet das etwa 7 cm lange, dem Dorn eines Gürtel ähnelnden Stück Metall, das einer der ASINOE-Mitarbeiter soeben zwischen Erde und Mauerresten ausgebuddelt hat. „Damit hat man die Bekleidung zusammengehalten“, weiß die Archäologin und verwahrt das kostbare Zeugnis mittelalterlichen Lebens.

In der Kirchengasse, auf dem Areal der alten Volksschule, zeigen sich Fundamente und Mauerwerk eines großen Gebäudes. Auch das Fundament eines Kachelofens wurde entdeckt.. Scholz ist froh, dass auf den Grabungen kein Druck lastet: „Wir sind genau im Zeitplan.“

Schicht für Schicht arbeiten sich die Archäologen in die Tiefe und reisen so immer weiter in die Vergangenheit, inzwischen ist man im 14. Jahrhundert angekommen. Wenige Meter dahinter, dort wo sich früher der Turnsaal befand, soll es noch tiefer gehen, bis zu den Römern.

„Archäologisch begleitet“ – so der Fachterminus – durch die ARDIG (Archäologischer Dienst Ges.m.b.H.) sind die Bautätigkeiten in der Bahnhofstraße. Auf dem Areal der Firma Loley entsteht dort derzeit ein Wohn- und Geschäftshaus (Auskünfte unter www.wohnenintulln.at). Bisher konnten Siedlungsspuren der jüngsten Vergangenheit bis in die Römerzeit festgestellt werden. Wenn Grabungsleiterin Nadine Geigenberger nicht vor Ort ist, betreut Gottfried Artner das Projekt, das im Juni begann und Ende September abgeschlossen sein soll.

Zwei Funde stechen besonders hervor: Das Gebiss eines Pferdes und ein unbeschadetes Hühnerei aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, das in einem Vorratsbehälter aufbewahrt worden war.

Archäologe Artner konnte die Bauherren bereits mit seiner Begeisterung anstecken. Elisabeth Salzgeber: „Es ist faszinierend, dass das Mittelalter schon wenige Zentimeter unter dem Fußboden beginnt!“