Schnitzer aus Leidenschaft. Der Hadersfelder Gerhard Fucac schnitzt Unikate: Heiligenfiguren, Krippen und mehr – am liebsten aus Zirbenholz.

Von David Ulrich. Erstellt am 22. November 2020 (03:04)
Gerhard und Michaela Fucac stehen mit ihrer Enkeltochter Nadine im Atelier des Hobbyschnitzers.
Ulrich

Ein unscheinbares Radio spielt leise Musik im Hintergrund, während ein silberhaariger Mann in seinen Siebzigern in seinem Atelier arbeitet. Höchst konzentriert und tief vornübergebeugt begutachtet Gerhard Fucac sein derzeitiges Werkstück. Die hölzerne, grob bearbeitete Maske mit Rauschebart liegt auf seinem etwa ein mal ein Meter messenden Arbeitstisch. Der Hobbyschnitzer scheint sich nicht an der gering bemessenen Arbeitsfläche zu stören. Er hat schließlich in den letzten zwei Jahrzehnten herausgefunden, was für ihn funktioniert und was nicht.

Daran arbeitet der Hobbyschnitzer gerade. Nach dem Lockdown bietet Familie Fucac für Interessierte wieder Termine an: 0650 / 811 54 80, http://hobbyschnitzerfucac.jimdo.com
Ulrich

Der als „der Hobbyschnitzer“ bekannte Hadersfelder hat erst in seiner Pension so richtig mit dem Schnitzen begonnen: „Das war eigentlich eine reine Beschäftigungstherapie.“ In seiner Jugend machte Fucac die Ausbildung zum Tischler und war danach viele Jahre lang als Zimmermann tätig. So war er etwa auch beim Bau der Babenbergerhalle in Klosterneuburg in den späten 60ern dabei. Später baute er vor allem Kleingartenhäuser auf. Nachdem die Firma, bei der er angestellt war, Bankrott ging, wechselte er zur Post, und trug bis zu seiner Pension Briefe und Pakete aus. Er hatte zwischendurch überlegt, sich selbstständig zu machen, aber da stand die Frage im Raum: Und wer verkauft’s? Die Antwort seiner Ehefrau Michaela war damals wie heute: „Wir sind keine Geschäftsleute.“ Auch mit den Krippen, Kreuzen, Figuren und anderen Schnitzereien, die die Familie Fucac verkauft, macht sie nicht viel Profit. Ein bisschen Weihnachtsgeld bringen die Kunstwerke meist aber schon ein.

Die Übung macht den Meister

Gerhard Fucac nimmt ein metallenes Werkzeug mit flacher Spitze und einem Holzgriff in die Hand. Unter dem gelben Licht einer Tischlampe beginnt er damit, immer schneller werdend das Holz zu bearbeiten. Durch das Schaben lösen sich fingernagelgroße Holzflocken und fallen unter den Tisch, wo sich bereits ein handgroßer Haufen Holzspäne angesammelt hat. Auf seiner Arbeitsfläche türmen sich Werkzeuge, Leim und diverse Schachteln, aber der Schnitzer hat nur Augen für die Maske, die ihm immer wieder wegrutscht. Also lehnt sich Fucac mit einem Unterarm auf das Werkstück und schabt und stemmt nun mit beiden Händen. Jetzt fallen die Holzflocken gleich nochmal schneller zu Boden.

„Ich hab‘ meiner Mutter vor Weihnachten den ganzen Wald heimgebracht.“ Gerhard Fucac

Obwohl die Familie Fucac heute keine Geldprobleme hat, war das nicht immer so. Gerhard Fucac erinnert sich an seine Kindheit in den 40er und 50er Jahren zurück: „Arm waren wir. Aber es waren alle arm. Das ist nicht aufgefallen, weil keiner was gehabt hat.“ Der Hobbyschnitzer erzählt weiter: „Es ist oft jemand Fremder bei Tisch gesessen, obwohl eh nicht viel da war. Aber das war auch schon wurst, dann ist die Portion halt noch ein wenig kleiner geworden.“

Geldmangel macht oft kreativ, so auch hier. „Ich hab‘ meiner Mutter vor Weihnachten den ganzen Wald heimgebracht“, sagt Fucac lachend. Wurzeln, Moos und Äste hat er für die Krippe gesammelt, die Figuren hat er entweder aus Zeitungen oder mit der Laubsäge aus Holz ausgeschnitten. Als er dutzende Jahre später in seiner Pension das Schnitzen wiederentdeckte, gab es natürlich auch Anfangsschwierigkeiten. Es war „sehr primitiv am Anfang“ und wenn ihm das Holz in alle Richtungen gerissen ist, ist es eben im Ofen gelandet. Fucac fügt lachend hinzu: „Manchmal war’s ein bisschen warm, da hat meine Frau gefragt ‚Ist was daneben gegangen?‘“

Wenn man ihm gute zwei Jahrzehnte später beim Arbeiten zusieht, merkt man davon freilich nichts mehr. Obwohl es nur ein Hobby für ihn ist, sieht man ihm eine gewisse Professionalität im Umgang mit dem Werkstoff Holz an.

Am liebsten arbeitet Fucac mit Zirbenholz. Es verzeiht recht viel und hat zusätzlich einen angenehm beruhigenden Geruch, der das ganze Atelier durchströmt. Obwohl es als „Beschäftigungstherapie“ begonnen haben mag, ist sein Hobby nun ein großer Teil seines Lebens. Er hat ein Atelier, in dem viele Heiligenfiguren, Krippen, Kreuze und weitere Schnitzereien arrangiert sind und eine Werkstatt, in der seine größeren Maschinen stehen und er wo die Grobarbeiten macht. Da Fucac gleich über seinem Arbeitsbereich lebt, kann er arbeiten so viel oder wenig, wie er möchte.

Heuer findet kein Tag der offenen Tür statt

Am Nationalfeiertag findet dann (normalerweise) der Tag der offenen Tür beim Hobbyschnitzer statt. Hier können bei einem kleinen Imbiss seine Kunstwerke begutachtet und erstanden werden.

Hin und wieder schmerzt es Fucac auch, eine seiner Schnitzereien herzugeben. So etwa eine Hl. Katharina aus Zirbenholz, die er einer Kapelle geschenkt hatte. Kurz schwelgt er in der Vergangenheit, ist aber sofort wieder sein pragmatisches Selbst und sagt mit einem Lächeln: „Herst, mach dir was Neues.“