Debatte um Zentralküche in Langenlebarn. Andreas Bors (FPÖ) fordert, dass „frisch und regional gekocht wird“. Wolfgang Mayrhofer (TVP) hält Rückkehr zur „alten“ Truppenküche für unrealistisch.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 23. Februar 2021 (17:58)
Ein Blick in die Zentralküche des Bundesheeres für Ostösterreich, die im Februar 2012 in der Ära Darabos in Wiener Neustadt eröffnet wurde.
Bundesheer/Arno Pusca

Landesweit fordert die FPÖ die Abschaffung der Zentralküche des Bundesheeres und eine Umstellung auf frische Kost aus der Region, was sich Bezirksparteiobmann Andreas Bors auch gut für den Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn vorstellen kann. Wolfgang Mayrhofer, selbst Bediensteter des Fliegerhorsts, TVP-Vizebürgermeister bzw. Ortsvorsteher für Langenlebarn, hält hingegen eine Rückkehr zur „alten“ Truppenküche für unrealistisch.

Die Debatte an sich ist nicht neu und geht auf die Einführung der Zentralküche durch Bundesminister Norbert Darabos im Jahr 2012 zurück. „Schon 2011 haben wir unter dem Motto ,Gulaschkanone statt Müllküche‘ dagegen Unterschriften gesammelt“, erinnert sich Bors.

Laut Verteidigungsministerium werden in der Zentralküche Produkte, die zu 80 Prozent aus Österreich kommen und ausschließlich von österreichischen Firmen geliefert werden, verarbeitet. Fertiggestellt werden die Speisen in Finalisierungsküchen in den einzelnen Kasernen.

Aktuell verweist die FPÖ auf eine Erhebung der Personalvertretung an der größten Dienststelle Niederösterreichs, eben dem Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn. Diese zeige, dass satte 43 (!) Prozent von 232 Kadersoldaten, 107 Grundwehrdienern und 114 Schülern das Essen nicht gut vertragen. 69 Prozent beklagen Symptome wie Blähungen, Durchfall, Aufstoßen und sonstige Nebenwirkungen.

Maßnahmen gegen Unverträglichkeiten?

61 % geben an, dass die Finalisierungsküche keinerlei Rücksichtnahme auf Unverträglichkeiten nähme. 52 % geben an, dass die Qualität der Speisen besser sein könnte.

Das Ministerium zitiert hingegen eine österreichweite Befragung von Rekruten, laut der 80 Prozent das angebotene Essen als gut bis sehr gut bewerten. Die zum Teil vorhandenen Unverträglichkeiten sei den Verantwortlichen bekannt. Ein umfassendes Maßnahmenpaket von Schulungen des Personals, Überarbeitung von Kochrezepten bis hin zu mehr Geld für den regionalen Einkauf soll dem entgegenwirken.

Bors fordert dennoch: „„Uns ist es wichtig, dass unsere Bauern, Bäcker und Fleischer im Umfeld des Fliegerhorstes in die Versorgung eingebunden werden. Der Bundesheerstandort in Langenlebarn muss wieder zu einem starken Partner für regionale Lebensmittelproduzenten im Tullnerfeld werden.“

Mayrhofer erklärt dazu, dass Kasernen autark und krisensicher aufgestellt sein müssen. Das betreffe Energieversorgung, Kommunikationsverbindungen und auch die Versorgung der Soldaten müsse über einen längeren Zeitraum sichergestellt werden. Nach einem Gespräch mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner Mitte Jänner sei er sehr zuversichtlich, dass neben bereits beschlossenen Investitionen in den Fliegerhorst Langenlebarn (neue Hubschrauber, Hangar, Betriebsgebäude und einiges mehr), auch Investitionen für eine autarke Kaserne getätigt werden.

„Eine Rückkehr zur ,alten‘ Truppenküche halte ich für unrealistisch, da österreichweit die Küchen zu Finalisierungsküchen umgebaut und personell umstrukturiert wurden“, sagt Mayrhofer weiter. Der Fliegerhorst mit seinen 700 Arbeitsplätzen sei dennoch ein starker Motor der Wirtschaft: „Zahlreiche regionale Lieferanten beliefern täglich - viele heimische Betriebe haben hier Aufträge!“