Bezirk Tulln: Lernen mit Abstand geht weiter. Präsenzunterricht erst nach den Semesterferien. „Menschliche Aspekte gehen dabei verloren“, so Hemmelmayer.

Von Helga Urbanitsch. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:00)
Die Corona-Antigen-Schnelltests sind am BG/BRG Tulln eingetroffen, erstmals wurden Schülergetestet. Neun Mädchen und Burschen, die zur Betreuung angemeldet waren und die Einverständniserklärung abgegeben hatten, wurden von Schulärztin Elisabeth Tichy in die einfache Handhabung eingewiesen. Alle Ergebnisse waren negativ.
Stritzl

Durch die Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns verzögert sich auch der Präsenzunterricht in den Schulen. Dieser ist erst am 8. Februar, nach den Semesterferien geplant, und das im Schichtbetrieb.

„Sind im Großen und Ganzen gut aufgestellt, insgesamt ist die Situation jedoch nicht befriedigend“, betont BG/BRG Tulln Direktorin Irene Schlager. Beim Homeschooling findet fixer Unterricht statt, „jedoch ist eine sechsstündige Videokonferenz nicht zumutbar, daher werden auch einige Arbeitsaufträge aufgegeben.“

Weiters will Direktorin Schlager „nicht nur negativ resümieren, besonders in den kreativen Fächern entstehen ganz interessante Arbeiten und die Kinder entwickeln mehr Selbstständigkeit.“

Der Obmann des Elternvereins des BR/BRG Peter Kral kennt die Sorgen der Eltern: „Homeschooling ist alles andere als optimal. Herausforderungen besser zu managen ist einfach gesagt, aber wenn die Vorgaben der Bundesregierung sich teilweise täglich und kurzfristigst ändern, sind die Möglichkeiten dazu endend wollend.“

Dass Homeschooling „grundsätzlich gut funktioniert“, weiß Direktor Peter Höckner von der MMS Tulln. Kinder, die nicht über die technischen Voraussetzungen verfügen, können die Geräte im Computerraum benutzen. „Was natürlich nicht die Qualität eines persönlichen Unterrichts hat, es ist eine Notmaßnahme.“

Homeschooling ist eine Notmaßnahme

Dazu der Obmann des Elternvereins Karl Hemmelmayer: „Ich sehe das digitale Lernen schon sehr kritisch, da viele menschliche Aspekte verloren gehen. Soziale Kompetenzen können nicht gelebt werden.“ Dabei spricht Hemmelmayer Musik und Sport an, „Lernfächer, die so wichtig für die Kinder sind, werden fast nicht angeboten.“ Abgesehen davon führt das Fehlen von technischen Ressourcen in manchen Familien zu großen Schwierigkeiten, „vor allem wenn mehrere Kinder gleichzeitig streamen sollen und die Eltern im Homeoffice sind.“

„Ich sehe das digitale Lernen schon sehr kritisch, da viele menschliche Aspekte verloren gehen."

In der HAK/HAS ist „größtes Engagement“ angesagt und man war aber auch schon im Vorfeld gut gerüstet, „wir haben die Situation immer ernst genommen und es hat gut funktioniert“, so Direktor Peter Eisenschenk.

Schulsprecherin Miriam Saluja hätte für die „manchmal vielen Arbeitsaufträge“ einen Verbesserungsvorschlag, dass es angenehmer wäre, „wenn Lehrer sich mehr miteinander absprechen würden, damit es nicht zu viel für uns wird“. Homeschooling wurde für die Schüler mit der Zeit zur Normalität und „jetzt ist es für uns ein ganz normaler Schultag“. Saluja betont, dass es den Schülern dabei zu Hause prinzipiell gut gehe, „aber natürlich fehlt uns der Kontakt zu unseren Freunden, Schulkollegen und Lehrern. Auch den Entfall unserer Sprachwoche müssen wir schweren Herzens akzeptieren.“

Digital bestens ausgestattet sind die NMS Schulen Fels - Grafenwörth. Seit 10 Jahren hat hier jeder Schüler einen Laptop. „Aufgrund der Ausstattung ist Distance-Learning bei uns kein Problem“, so Direktor Jürgen Duffek, der natürlich trotzdem auch wieder Präsenzunterricht herbeisehnt.

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