Welle der Solidarität für Familie Bakhshi. Judenau-Baumgarten/Tulln: Am 12. Mai hoffen Flüchtlinge auf positiven Bescheid. Bürgermeister Hagl: „Paradebeispiel für Integration.“

Von Thomas Peischl. Erstellt am 04. Mai 2021 (17:26)
Die Professorinnen Margit Hübl, Doris Hutterer, Irene Schlager und Sarah Christian sowie die Mitschülerinnen Malin Eenink und Emely Kellner hoffen, dass Maliha Bakhshi (Mitte) in Österreich und am Gymnasium Tulln bleiben kann.
Stritzl, Stritzl

Maliha Bakhshi (14) besucht nun schon das dritte Jahr das Gymnasium in Tulln und sie würde das nur allzu gerne auch weiterhin tun. Ob dieser Wunsch der engagierten Schülerin in Erfüllung geht, das entscheidet am 12. Mai der Bundesverwaltungsgerichtshof in einer weiteren Verhandlung in einem Asylverfahren.

Maliha kommt ursprünglich aus Afghanistan, wo ihre Eltern sie in eine Privatschule schickten. Doch eines Tages wurde der Familie nahegelegt, Maliha in eine andere oder gar nicht mehr zur Schule zu schicken, „weil sie ein Mädchen ist“. Die Familie ging nach Pakistan, wo „die Afghanen“ nicht akzeptiert wurden und Gewalt erfuhren. Die darauffolgende Flucht führte u.a. zu Fuß durch die Wüste Lut und schließlich mit einem Boot ins berüchtigte Camp Moria nach Griechenland. Vor fünfeinhalb Jahren landeten die Bakhshis am Hauptbahnhof in Wien und schließlich in Judenau-Baumgarten.

„Heute ist die Familie ein Paradebeispiel dafür, wie gut Integration funktionieren kann, wenn sich beide Seiten bemühen“, sagt Bürgermeister Georg Hagl, „sie sind super nett, ordentlich, hilfsbereit, haben in kürzester Zeit Deutsch gelernt und nehmen auch am kirchlichen Leben teil.“ Von Seiten der Gemeinde werde es jegliche Unterstützung geben, damit die Bakhshis auch weiterhin in Österreich bleiben können.

Malihas Mutter Mahira, laut Bürgermeister Hagl eine „hochintelligente Frau mit fotografischem Gedächtnis“ möchte am liebsten eine Lehre beginnen. Malihas Vater, ein geschickter Elektriker, arbeitet, so weit es ihm rechtlich erlaubt ist, um die Familie zu ernähren. Dann ist da noch Malihas Bruder Fahim. Er besucht die Sportmittelschule Tulln und möchte anschließend in eine HTL wechseln.

„Wir hoffen so sehr, dass wir nach dem ersten negativen Bescheid vor drei Jahren nun doch noch einen positiven Asylbescheid bekommen“, sagt Mahira Bakhshi. Neben ihrer Rechtsvertreterin setzt die Familie dabei auf mehr als 50 Unterstützungsschreiben, eines davon von mehreren Professorinnen vom Gymnasium Tulln (siehe auch Zitate rechts oben).

„Angesichts der Lern- und Integrationsbereitschaft des Kindes ist die Prognose für weitere erfolgreiche Schuljahre, die Maliha am BG/BRG Tulln absolvieren kann, sowie für einen positiven Abschluss mit Matura jedenfalls gegeben. Ein Verbleib von Maliha Bakhshi in Österreich allein schon zur Fortsetzung ihrer Schulkarriere, natürlich aber vor allem zu ihrem Schutz und zum Schutz der ganzen Familie, ist unbedingt zu befürworten …

Wir alle haben Maliha ins Herz geschlossen und werden sie weiterhin auf ihrem Weg unterstützen.“

Direktorin Irene Schlager

„Die Mutter stammt aus einer Volksgruppe, die in Afghanistan geächtet ist. Wenn die Familie abgeschoben würde, wäre das Leben der Frau nicht mehr viel Wert. Ich hoffe wirklich sehr, dass Familie Bakhshi auch weiterhin bei uns leben kann.“

Bürgermeister Georg Hagl,

Judenau-Baumgarten