Praktiker: Der Nächste, bitte. Noch ist unklar, wer die Praxis von Stadtarzt Franz Bichler übernimmt. Hearings finden im März statt.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 06. Februar 2019 (05:12)
NOEN, Peischl
Zwei, die an einem Strang ziehen: Bestes Einvernehmen herrscht zwischen Stadtarzt Franz Bichler und Bürgermeister Peter Eisenschenk.

Durchschnittlich 100 bis 200 Patienten betreut ein Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag pro Tag. Bei Stadtarzt Franz Bichler, in der Bevölkerung beliebt und angesehen, dürfte die Zahl der Patienten etwas über dem Durchschnitt liegen. Doch auch der beste Arzt gelangt einmal ins pensionsreife Alter und muss seinen Vertrag mit der Krankenkasse zurücklegen.

Viele Patienten sind verunsichert, wie es nun weitergehen wird. Franz Bichler beruhigt: „Vorangestellt sei, dass es in Tulln möglich sein wird, die nächste frei werdende Kassenstelle für Allgemeinmedizin zu besetzen.“

„Fest steht: Es wird möglich sein, die frei werdende Kassenstelle neu zu besetzen.“ Franz Bichler, Allgemeinmediziner

Gerhard Hartenstein, längere Zeit als Nachfolger Bichlers im Gespräch: „Nichts wäre mir lieber gewesen. Ich habe Dr. Bichler in den letzten Jahren regelmäßig mit viel Leidenschaft vertreten. Dann ergab sich die einzigartige Chance, mitten in Tulln eine moderne Ordination für die Zukunft zu realisieren. Dies war jedoch nur als Wahlarzt möglich.“ Und als Hausarzt in einer Wahlarztpraxis möchte er auch weitermachen.

NÖGKK
Frauenärztin Margit Atzmüller-Sveticic wurde von NÖGKK Servicecenter-Leiter Peter Tikale willkommen geheißen.

Bürgermeister Peter Eisenschenk stand seit Wochen im Dialog mit Stadtarzt Franz Bichler. Er ist erleichtert, dass es zu einer (vorläufigen) Lösung gekommen ist: Bichler behält trotz Erreichung des Pensionsalters den Kassenvertrag bis Herbst 2019. „Damit zeigt Bichler große Verantwortung gegenüber seinen Patienten“, betont Eisenschenk. Bichler selbst plant, nach Beendigung des Kassenvertrages als Wahlarzt weiter zu ordinieren. Alles andere sei Spekulation.

Auch die NÖ Gebietskrankenkasse ist zuversichtlich, dass es zu einer nahtlosen Neubesetzung kommen wird. Petra Wurstbauer aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit: „Es gibt bereits zwei Bewerbungen, die Hearings dazu finden im März statt.“

Bürgermeister Peter Eisenschenk macht sich aber auch grundsätzlich Gedanken zum Thema Ärztemangel. „Tulln weist eine hohe Dichte an Arztpraxen auf“, so der Stadtchef, „dennoch gibt es viele Fragezeichen.“ Vor allem betroffen ist der Bereich der Allgemeinmedizin, da in absehbarer Zeit hier weitere Pensionierungen anstehen. Bei den Fachärzten liegt der wunde Punkt bei den Kinderärzten, gilt es doch, die demnächst frei werdende Kassenstelle der Kinderärztin Dora Blauensteiner neu zu besetzen. Auch hier zeigt sich die Krankenkasse zuversichtlich: „Ein Ausschreibungsverfahren läuft.“

Über einen neuen Kassenvertrag kann sich jedenfalls Margit Atzmüller-Sveticic, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe freuen. Sie ordiniert ab sofort in der Tullner Rochusgasse 3/2 Montag 13 bis 18 Uhr, Dienstag 9 bis 14 Uhr, Mittwoch 10 bis 15 Uhr und Donnerstag 9 bis 14 Uhr. (02272/63795).

Lest mehr zum Thema Ärztemangel in „Darüber spricht Niederösterreich“ in der nächsten Ausgabe der NÖN.