Wohncontainer und Mitgefühl aus dem Bezirk Tulln. Feuerwehrmitglieder begaben sich nach Kroatien, um vor Ort Hilfe zu leisten.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 08. Januar 2021 (03:20)
Die Hilfskräfte aus Österreich beim Entladen der Container in Kroatien. Ein Trupp aus dem Bezirk Tulln, hier zu sehen ein Wechselladerfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwörth, unterstützte vor Ort.
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„Die ehrliche Freude der Menschen vor Ort werde ich persönlich als den stärksten Eindruck dieses Einsatzes im Gedächtnis behalten“, zieht Feuerwehrmann Manfred Ploiner Bilanz über den knapp 30 Stunden dauernden Einsatz am Balkan.

Ein Erdbeben der Stärke 6,4 hatte am 29. Dezember die Region Petrinja in Kroatien erschüttert. Nach dem Hauptbeben folgten mehr als 20 Nachbeben – sieben Tote und unzählige Verletzte lautet die bisherige Bilanz, nebst mehreren hundert nicht mehr bewohnbarer Gebäude.

Noch am selben Tag ersuchte die kroatische Regierung ihre EU-Partner um professionelle Hilfe. Am nächsten Tag war klar: Österreich wird sich mit einem gewaltigen logistischen Kraftakt beteiligen. Ein „Dorf“ aus 82 Wohncontainern samt Betten, Heizkanonen und sonstigen lebensnotwendigen Dingen, soll in die Krisenregion verlegt werden.

„Die ehrliche Freude der Menschen vor Ort werde ich persönlich als den stärksten Eindruck dieses Einsatzes im Gedächtnis behalten“

Dazu bot der NÖ. Landesfeuerwehrverband einen großen Teil der Flotte an Wechselladefahrzeugen auf, darunter auch die Fahrzeuge der Feuerwehren Klosterneuburg und Grafenwörth, wo sofort Kleidung und Bedarfsgüter für einen längeren Aufenthalt zusammengestellt wurden. Das gesamte Team musste sich einem Covid-Schnelltest unterziehen, während mehrere Feuerwehrleute den Pritschenaufbau, den Anhänger und die Fahrzeuge für den Einsatz vorbereiteten. Schon wenig später konnte Richtung Sammelpunkt in der Belgier-Kaserne in Graz ausgerückt werden.

Insgesamt 25 Fahrzeuge aus Niederösterreich und rund 15 Fahrzeuge aus der Steiermark, jeweils plus Anhänger, trafen schließlich gegen 21 Uhr in Graz ein. Mit schweren Kranfahrzeugen aus Krems und Wiener Neustadt wurden die dort gelagerten Container bei Regen und Kälte auf die Wechselladefahrzeuge verladen, tatkräftig unterstützt vom Bundesheer.

Die Mannschaften aus dem Bezirk Tulln brachen kurz vor 5 Uhr früh Richtung Kroatien auf. Die imposante Blaulichtkolonne von rund einem Kilometer Länge fuhr dann direkt, teils mit Polizeieskorte über die Grenzen von Slowenien und Kroatien bis in das Dorf Glina, nahe dem Epizentrum des Bebens. Beinahe die gesamte Strecke hindurch wurden die Österreicher dabei freudig begrüßt. „Man bekam den Eindruck, als würden wir zusätzlich zu unseren Wohncontainern auch noch das Gefühl mitliefern, dass die Betroffenen nicht alleine gelassen werden“, berichtet Ploiner.

„Da sowohl die mit dem Fahrzeug damals ausgelieferten Wechselpritschen als auch die Anhänger der Teleskopladefahrzeuge (eines davon ist in Seebarn/Wagram stationiert, ein weiteres in Klosterneuburg) über Schnellkupplungen für die Aufnahme von solchen Containern verfügen, erwies sich die Kombination aus den Fahrzeugen wie geschaffen für die Anforderung“, schildert Ploiner.

„Man bekam den Eindruck, als würden wir zusätzlich zu unseren Wohncontainern auch noch das Gefühl mitliefern, dass die Betroffenen nicht alleine gelassen werden“

Vor Ort bot sich ein trauriges Bild. „Bei rund 90% der Häuser waren die Rauchfänge kollabiert, Dächer massiv beschädigt“, berichtet Manfred Ploiner von der Grafenwörther Mannschaft. Was bedeutete: keine Heizung und dank anhaltendem Regen kein trockener Platz im Haus.

Die tausenden Betroffenen wurden zunächst in Zelten und Notunterkünften untergebracht, manche übernachteten in ihren Autos. Per Kran des Wechselladefahrzeuge aus Klosterneuburg und Grafenwörth wurde je ein Container abgeladen, während eine kroatische Privatfirma den zweiten Container ablud um Zeit zu gewinnen. Gegen Mittag war dann der komplette Zug abgeladen und machte sich wieder auf den Heimweg.

„Auch wenn die Einsatzkräfte der kroatischen Feuerwehr und des Militärs gegen die Katastrophe kämpfen und gemeinsam mit Privatfirmen im Akkord Dächer abdichten, so wird die Behebung der Schäden wohl noch mehrere Wochen dauern“, vermutet Ploiner. Als „etwas dauerhaftere“ Übergangslösung baut die kroatische Armee aus den gelieferten Containern nun ein kleines Dorf auf einem alten Fabriksgelände. Die Container aus Österreich dienen als Basis. Nach ein paar „Boxenstopps“ unterwegs kamen sie gegen 20:30 Uhr wieder zuhause an.