Initiative um André Heller will Umweltschutz forcieren. Ein klimafitter Platz mitten im Zentrum, Entsiegelung, kurze Wege, moderne Energieformen und Begrünung – in Sachen Klimaschutz ist Tulln eine Vorreiter-Gemeinde. Die neue Initiative „KlimaKonkret“ präsentiert die Gartenstadt als Vorzeigeort. Und andere Gemeinden sollen dem Beispiel folgen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:21)
Einige der Initiatoren und Experten von „KlimaKonkret“: Daniela Allmeier (Raumposition), Pia Knappitsch (3:0), Michael Szeiler (con.sens), Simon Tschannett (Weatherpark/CCCA) mit André Heller. Die Umweltschutz-Initiative stellt die Stadtgemeinde Tulln als Vorzeige-Ort vor.
Ines Bacher

„Die Wissenschaft hat uns auch in Tulln die Augen geöffnet, dadurch, dass erstens das Wissen vorhanden ist und zweitens, dass es auch in einer Form kommuniziert wurde, die uns schon Jahre zurück betroffen gemacht hat“, erklärt Bürgermeister Peter Eisenschenk (TVP) und denkt zurück an die Flüchtlingsbewegung 2015: „Wenn sich die Temperatur auf diesem Globus weiter erhöht, dann werden Teile dieser Welt objektiv unbewohnbar sein und dann werden sich noch viel mehr Menschen als 2015 auf den Weg machen. Hier müssen wir auch im Namen der Humanität agieren.“

„Birken und Buchen wirst du bald suchen in Tulln.“ Peter Eisenschenk, Bürgermeister (TVP)

Der Klimawandel und seine Folgen sind in Tulln, der Gartenstadt, deutlich zu spüren. Eisenschenk: „Wir müssen verstärkt Stauden pflanzen, die hitzeresistenter sind. Wir haben Probleme mit Pflanzen, die diesen unterschiedlichen Wasserhaushalt nicht vertragen – also trockene Winter und dann auch bedingt durch den Klimawandel im Sommer Starkregen-Ereignisse.“ Plakativ formuliert heißt das für die Gartenstadt: „Birken und Buchen wirst du bald suchen in Tulln, wenn es so weiter geht“, warnt der Bürgermeister.

Die Stadtgemeinde setzt Schutz- und Anpassungs-Maßnahmen, einerseits um den Klimawandel zu bremsen, andererseits um auf die unvermeidliche Erwärmung zu reagieren. Unter dem Schirm des Tullner Klimamanifests stehen etwa: CO 2 -Neutralität der Stadtbetriebe bis 2025 und der gesamten Stadtgemeinde bis 2040, innovative Ideen wie Wärme aus Trinkwasser oder eine Baumpflicht auf neu gebauten Supermarkt-Parkplätzen, die auf Initiative der Gartenstadt auch in der NÖ-Raumordnung verankert ist.

Weitere Ansätze, wie Gemeinden auf lokaler Ebene handeln können, zeigt „KlimaKonkret“ auf. Die Plattform, mitgegründet von Künstler und Aktivist André Heller, möchte Bewusstsein für die Notwendigkeit von Klimamaßnahmen schaffen – und in Folge Entscheidungsträgern bei der Bewältigung dieser Herausforderung zur Seite stehen. Heller: „Denken Sie nicht daran, dass sie uns einen Gefallen tun, sondern denken Sie daran, dass Sie sich und allen, die Sie lieben, einen großen Gefallen tun, wenn wir jeden Tag etwas unternehmen, um das abzuwenden, was unabwendbar ist, wenn wir nichts unternehmen.“ Das Ziel der Initiative: Lösungen vorstellen, statt Ängste schüren.

Der „KlimaKonkret“-Faltplan – 30.000 Exemplare werden an Österreichs Bürgermeister ausgeschickt – zeigt am Beispiel einer prototypischen Gemeinde auf, wie eine klimafitte Gestaltung gelingen kann. Egal, ob in der Stadt oder in der ländlich geprägten Gemeinde, für kurz- oder langfristige Planung und für unterschiedliche budgetäre Möglichkeiten. Neben dem Folder steht den Gemeinden das Service-Center des CCCA (Climate Change Centre Austria) als Anlaufstelle zur Verfügung.

www.klimakonkret.at