Kinderbuch-Vorstellung: Paul, der Panda, das Pflegekind. Autorin Andrea Kaderabek aus Königstetten befasst sich mit besonderen Themen und bereitet diese kind- und familiengerecht auf.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 26. Juni 2021 (03:57)
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Autorin und Verlegerin Andrea Kaderabek lebt in Königstetten.
Privat

Es gibt Millionen von Kinderbüchern, aber Autorin Andrea Kaderabek und Illustratorin Sabrina Hassler verfassten ein ganz besonderes. Mit „Paul bekommt eine neue Familie“ gelang es den beiden, den Themenbereich Pflegekind/Pflegefamillie kindgerecht und unterhaltsam aufzubereiten. Die NÖN sprach mit der Autorin.

NÖN: Wie entstand der Grundgedanke zu dem Buch?
Kaderabek: 2014 bekamen wir unseren Pflegesohn, und ich wurde Herzensmama. Auch Jahre, nach dem unser Pflegesohn schon Teil unserer Familie war, war es für unser Umfeld immer noch schwer, sich in diese Thematik einzufühlen. Auch war es für uns schwierig, verständlich anderen kleinen Kindern zu erklären, dass unser Sohn eben nicht in meinem Bauch war. 2017/2018 begann ich abends Geschichten von einem kleinen tollpatschigen Pandabären zu erzählen. Mein Sohn liebte sie und wir formten gemeinsam immer mehr Details. Bald war es Paul, der besondere Panda, und ich konnte ihn Dinge erleben lassen, die für meinen Sohn schwierig waren, sei es ein Arztbesuch oder einfach nur Teilen am Spielplatz.
Schreiben war schon immer eine Leidenschaft von mir. Lange hatte ich nicht den Mut, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als dann unsere leibliche Tochter geboren wurde, und immer öfter das Herzenskind-Thema in unserem Alltag auftauchte, entschied ich mich, meinen Worten nun endlich Bilder folgen zu lassen.

Warum ist Paul ein Pandabär?
Weil Pandabären herzlich sind und viel Wärme ausstrahlen. Und weil Bären oft menschähnliches tun, also auf zwei Beinen gehen, oder etwas greifen können. Für mich war wichtig, dass der Bezug vom Tier zum Menschen für die Kinder gut möglich ist.

Weil Pandabären herzlich sind und viel Wärme ausstrahlen

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sabrina Hassler?
Ich suchte neun Monate nach der richtigen Illustratorin, bis ich auf Sabrina Hassler stieß und sofort begeistert war. Sie ist auf Porträts spezialisiert und schafft es perfekt, meinen Charakteren eine lebendige und bewegende Mimik zu geben. Wir arbeiteten eng zusammen und passten Text und Bild aneinander an. Für mich waren Verständnis für dieses heikle Thema, sowie Mitgefühl und Achtsamkeit sehr wichtig, um das Projekt „Paul“ gemeinsam umsetzten zu können. Mit Sabrinas Illustrationen konnte „Paul“ erst die Gefühle der Menschen erreichen und in diesem Fall sprechen Bilder oft mehr als tausend Worte.

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privat, privat

Was geschah dann?
Im Mai 2020 begann ich, meine seit Jahren gereifte Geschichte kindgerecht zu formulieren und zu Papier zu bringen. Für mich war es unumgänglich, dass Paul ein professionell aufbereitetes, aus vielen Perspektiven betrachtetes und einfaches Kinderbuch sein musste. Es gab engen Kontakt mit Eltern, Pflegeeltern, auf ein Kind wartende Pflegeeltern, Pädagoginnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen. „Paul bekommt eine neue Familie“ ist ein Werk, dass Erwachsene dazu bringen soll, sich mit den Gefühlen von Paul auseinanderzusetzen, und Kindern das Thema Pflege und Adoption einfühlsam und einfach erklärt.

Wie waren die ersten Reaktionen?
Unsere dreijährige Tochter schaute sich das druckfrische Buch an und sagte: „Aha!“ Damit wusste ich, Paul hat es geschafft, ihr zu erklären, dass ihr Bruder ein Herzenskind ist. Ich war sehr gerührt und glücklich, dass der Aufwand sich auf jeden Fall gelohnt hat! Ganz besonders dankbar bin ich meinem Mann Christoph, der mich immerzu ermutigt hat, nicht aufzugeben, mich entlastet hat und mich im Verlag nach wie vor tatkräftig unterstützt.

Wird es noch weitere Bücher geben?
Ja das wird es! Bald sogar. Im September wird es einen zweiten Band von „Geschichten von Paul, dem besonderen Panda“ geben. Es wird das Thema Beeinträchtigung und Besonders-Sein behandeln. Ich habe den BeKiT Verlag (Verlag für BesondereKinderThemen) gegründet, um spezielle Themen aufzubereiten und die Gesellschaft für das Besondere zu sensibilisieren und aufzuklären. Während der Arbeit mit „Paul bekommt eine neue Familie“ wurde mir erst bewusst, wie engstirnig und unaufgeschlossen unsere Gesellschaft manchmal noch sein kann. Meine Mission ist es nun, daran ein bisschen zu arbeiten und meinen Beitrag zu leisten! Wo sind denn die Bücher für beeinträchtigte Kinder? Für Kinder, deren Aufmerksamkeit keine Romane umfasst? Auch sie haben einen Helden verdient. Paul soll auch sie erreichen und ihnen eine Stimme geben. Lasst uns die Welt gemeinsam ein bisschen „paultastischer“ machen!

Erhältlich ist das Buch auf:

www.bekitverlag.com