Viel Wind um eine Fahne. Über die längste Debatte in der Tullner Gemeinderatssitzung.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 03. Juni 2020 (03:02)

Gemeinderatssitzungen sind weitgehend ideologiefreie, ja sogar konfliktfreie Zonen. Gegen viele Beschlüsse gibt es einfach nicht viel zu sagen, weil sie notwendige Infrastruktur oder sinnvolle Projekte betreffen. Wer aus rein parteitaktischen Gründen dagegen stimmte, müsste sich am nächsten Tag im Ort die Frage „Geht‘s euch eh noch gut?“ gefallen lassen.

Und dann kommen in Tulln die Grünen und fordern die Montage von Regenbogenfahnen an öffentlichen Gebäuden, um Akzeptanz für lesbischwules/transgender/intersexuelles Leben zu demonstrieren. Die folgende Debatte war die längste und interessanteste der Sitzung. Sie zeigte erstens, dass hier mustergültige Gesprächskultur herrscht. Alle Fraktionen argumentierten sachlich, niemand wurde untergriffig.

Sie zeigte zweitens, dass die Parteien und Listen noch immer Ideologien vertreten. Oder überrascht es Sie, dass Grüne, SPÖ und NEOS für die Beflaggung waren, während TVP, TOP und FPÖ dagegen stimmten?