Uniklinikum Tulln: Hilfe bei Schlaganfällen. Im Uniklinikum Tulln kommt ein spezielles Verfahren bei Schlaganfallpatienten zur Anwendung. Mit einem Katheter können Thrombusreste im Gehirngefäß abgesaugt werden.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 08. April 2021 (03:41)
Arbeitet hoch motiviert: das Radiologie-Team im Universitätsklinikum Tulln mit Abteilungsvorstand Christian Nasel (links im Bild) und dem Bereichsleiter medizinisch technische Dienste Heinz Preiß (8.v.l.).
Universitätsklinikum Tulln, Universitätsklinikum Tulln

Fast jeder weiß, dass bei einem Schlaganfall oft Minuten über Leben und Tod entscheiden. Nicht selten endet so mancher Patient, sofern er überlebt, als Pflegefall.

Ein Schlaganfall wird verursacht durch den Verschluss eines großen, das Gehirn versorgenden Gefäßes, wodurch es zu einer Mangelversorgung des Gehirns mit Blut und Sauerstoff. kommt. Um nun weitreichende Konsequenzen zu verhindern, muss so schnell wie möglich die Durchblutung der betroffenen Hirnregion wiederhergestellt werden. Dies kann mit einer medikamentösen Thrombusauflösung oder durch mechanische Entfernung des Thrombus mit einem Gefäßkathetereingriff (Thrombektomie) erfolgen.

Das interventionell neuroradiologische Team des Universitätsklinikum Tulln wendet diese Technik nun seit 2012 an und konnte im Jahr 2020 insgesamt 118-mal im Gehirn bzw. in dessen versorgenden Gefäßen Rekanalisationen durchführen, wobei davon 78 Eingriffe akut, während der Nachtstunden stattfanden. Dabei wird – über die Leistenarterie – ein Katheter bis zum betroffenen Gehirngefäß geführt. Dann wird an der erkrankten Stelle ein feines Netz ausgefahren, das die Thrombusreste einfängt, die dann abgesaugt werden können.

Engagement und Professionalität

„Die hohe Eingriffsfrequenz wird laufend für die Ausbildung weiterer hoch motivierter Interventionalisten genutzt, um das bestehende Ärzteteam weiter auszubauen und so die Versorgung im Land Niederösterreich hinsichtlich der Schlaganfallversorgung weiterhin sicherzustellen,“ freut sich Landeshauptfrau- Stellvertreter Stephan Pernkopf über das Engagement und die Professionalität des neuroradiologischen Teams im UK Tulln.

Bedingt durch eine der höchsten MR-Untersuchungsfrequenzen Niederösterreichs besteht hier ebenfalls, wie bei der rekanalisierenden Neurointervention, eine besonders hohe Expertise, welche auch durch internationale Publikationen laufend belegt wird.

Die färbigen Bilder stellen eine Gehirndurchblutungsmessung im MRT während der Akutphase eines ischämischen Schlaganfalls und nach Thrombektomie dar. Die grauen Areale entsprechen einer kritischen (= gefährlichen) Minderdurchblutung des Gehirns (in diesem Fall entspricht dies der linken Großhirnhemisphere). Gelbe bis rote Areale mit warmen Farben markieren eine regelrechte Gehirndurchblutung.
NOEN, Universitätsklinikum Tulln

„Dass das Universitätsklinikum Tulln mittlerweile ein absolutes ‚high-volume centre‘ bei rekanalisierenden neurointerventionellen Eingriffen am Gehirn ist, verdanken wir insbesondere auch der hohen Einsatzbereitschaft des Angiographieteams. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen mit ihrer Expertise zur Verfügung, um Patienten mit akutem Schlaganfall zu versorgen und damit drohende Schwerstfolgen für den Rest ihres Lebens zu verhindern. Es war und ist mir eine Ehre mit solchen Mitarbeiterin nen und Mitarbeitern Dienste versehen zu dürfen“, so Abteilungsvorstand Christian Nasel.

Und abschließend: „Umgekehrt sind wir aber nun aufgefordert, bereits jetzt die nächste Generation von Spezialisten auszubilden und sie zu motivieren, an der Dienstabdeckung in unserem Gesundheitssystem was die Schlaganfallversorgung betrifft mit dem gleichen Einsatz und Eifer mitzuarbeiten.