Agrana: Keine starke Erhöhung der Treibstoffpreise durch E10

Erstellt am 22. September 2022 | 05:02
Lesezeit: 3 Min
AGRANA
Foto: AGRANA Beteiligungs-AG
Die Agrana hat ihre Forderung nach einer Erhöhung der Bioethanol-Beimengungsquote in Österreich erneuert. Es gebe aktuell keinen Grund, nicht auf E10 umzusatteln, sagte Agrana-Vorstand Norbert Harringer vor Journalisten in Pischelsdorf (NÖ).
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In der dort ansässigen Bioraffinerieanlage produziert der Lebensmittelkonzern derzeit mehr als das Doppelte des heimischen Eigenbedarfs. Ein Umstieg auf E10 würde auch die Treibstoffpreise nicht zu stark ankurbeln, versicherte er.

"Es ist eine Tatsache, dass die Preise sich durch höhere Beimischung von Ethanol marginal erhöhen würden", führte der Technikvorstand aus. Der erwartbare Effekt dürfte sich jedoch höchstens im niedrigen Cent-Bereich niederschlagen, so Harringer. Er sieht in E10 einen "wichtigen Schritt in Richtung Dekarbonisierung", durch den man hierzulande jährlich rund 200.000 Tonnen an Treibhausgasen einsparen könne. Auch setze man zur Produktion des Ethanols nur Getreide mit Futtermittelqualität ein, die Lebensmittelversorgung werde dadurch nicht beeinträchtigt. Dass vor diesem Hintergrund der Umstieg nicht erfolge, könne er sich nicht erklären - offenkundig scheitere es aber am politischen Willen.

Die Agrana erzeugt jährlich etwa 260.000 Kubikmeter Bioethanol, 60 Prozent davon werden ins Ausland exportiert. Neben Bioethanol werden in der Bioraffinerieanlage zudem auch Stärkeprodukte wie Gluten, Futtermittel für die Landwirtschaft, oder nicht-fossiles CO2 für die Getränkeindustrie erzeugt. Zur Situation rund um den Preisauftrieb im Bereich Energie meinte der Agrana-Vorstand, dass dieser auch in der Anlage deutlich spürbar sei. Ein Vorteil liege aber darin, dass die Energieversorgung zu einem großen Teil über die Abfallverbrennungsanlagen der EVN erfolge. "Das heißt, der Gaseinsatz hier am Standort ist nur ein äußerst geringer."

Stärker getroffen werde man von hohen Stromkosten, die sich zuletzt verdreifacht - bzw. sogar vervierfacht hätten. Bisher sei es aber großteils gelungen, diese an die Kunden weiterzugeben. Konkrete Forderungen an die Regierung, etwa den Unternehmen mit Unterstützungsmaßnahmen unter die Arme zu greifen, wolle er daher keine formulieren. Für die Frage aber, wie man im Notfall großflächig operieren könne, wünsche er sich seitens der Regierung klare Rahmenbedingungen. "Die fehlen."

Einen möglichen Energienotstand und damit notwendige Maßnahmen seitens des Unternehmens habe man schon im März antizipiert. So sei nicht nur in Pischelsdorf frühzeitig damit begonnen worden, den Einsatz alternativer Brennstoffarten, etwa Heizöl, vorzubereiten. "Das tut zwar weh im Hinblick auf unsere Klimaambition, bis 2040 entsprechend klimaneutral zu sein, wir sehen es aber als notwendig, um die Versorgungssicherheit gegenüber unseren Kunden sicherzustellen." Auch aktuell treffe man weitere Vorkehrungen für die Zukunft. So gebe es in Pischelsdorf Anstrengungen, vorhandene Heizkessel für den Notfall auf den Einsatz von Bioethanol umzurüsten. "Das wird sich aber nicht mehr vor diesem Winter ausgehen."

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs spüre man im Werk in Pischelsdorf nur bedingt direkt, etwa durch die Verschiebung der Handelsströme, erklärte Walter Schragen, Leiter der Rohstoffabteilung für Stärke in Pischelsdorf. Was dem Unternehmen größere Probleme bereite, seien die kriegsbedingt hohen Rohstoffpreise, auch abseits von Energie. Außerdem hätten manche Bereiche, etwa die Kunden aus dem Papiersektor, begonnen, die Kaufmengen zu reduzieren, ergänzte Harringer. "Das ist meistens ein erstes Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur abschwächt."

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