Messer-Attacke auf Zugbegleiter der Franz-Josefs-Bahn. Junger Mann ohne FFP2-Maske zückt anstelle eines Fahrscheins ein Messer und sticht mehrfach wild auf den Zugbegleiter ein. Mutige Augenzeugen greifen rettend ein.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 25. März 2021 (13:49)
Die Polizei ermittelt
APA

Ein Messer-Angriff mit schweren Folgen ereignete sich Donnerstagvormittag in einer Garnitur der Franz-Josefs-Bahn, die nach Sigmundsherberg fahren sollte. Die NÖN erhielt exklusiv den Bericht einer Zeugin.

Schon in Wien-Heiligenstadt fällt ein junger Mann negativ auf, weil er ohne Maske in den Zug nach Sigmundsherberg einsteigt. Dem Zugbegleiter zeigt er bei der Kontrolle statt eines Fahrscheines einen Reisepass und merkt an: „Ich besuche ja nur meine Mutter in Tulln!“

Auf die Aufforderung, eine gültige Fahrkarte vorzuweisen oder 130 Euro Strafe zu zahlen, meint er: „Die Fahrkarte kann man auch auf dem Handy haben, oder?“ Der Schaffner bejaht. Daraufhin greift der Mann in seine Tasche. Statt eines Handys holt er jedoch ein Messer heraus, mit dem er sofort auf den Zugbegleiter einzustechen beginnt.

Der Schaffner schreit um Hilfe. Eine in der Nähe sitzende Frau  – wie sich später herausstellt, eine Ärztin –, die mit Begleitung (einem Mann) unterwegs ist greift ein und schlägt dem Mann das Messer aus der Hand.

Angreifer zückte ein zweites Messer

Der Mann nimmt ein zweites Messer aus seiner Hosentasche und beginnt nun auf den Kopf des bereits blutend am Boden liegenden Schaffners einzustechen. Dieser gibt noch am Boden liegend die Anweisung, die Polizei zu rufen: „Schnell, rufen sie 133!“ Aus einem anderen Abteil kommen nun drei Männer zu Hilfe. Es gelingt ihnen mit Mühe, den Messerstecher zu bändigen.

Eine zweite Ärztin, die im Zug mitgefahren ist, kommt ihrer Kollegin (der Erst-Eingreiferin) zu Hilfe. Gemeinsam versorgen sie den blutenden Schaffner.

In Tulln wird der Zug bereits von Polizei und Rettung erwartet. Beim Abführen schreit der Täter noch: „Ich bin Österreicher! Ich bin ein Guter!“

Der Schaffner ist beim Abtransport durch die Sanitäter bei Bewusstsein. Auch der männliche Begleiter der Ärztin ist verletzt.

Die Landespolizeidirektion Niederösterreich bestätigt auf Anfrage der NÖN die Messerattacke auf den 54-jährigen Zugbegleiter. Der Angreifer habe mehrfach auf den Schaffner eingestochen und diesen schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Der Zugbegleiter wurde nach notärztlicher Versorgung in das Universitätsklinikum Tulln gebracht, der 17-jährige Beschuldigte wurde in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.

ÖBB werden Vorfall penibel aufarbeiten

"Für uns und vor allem für unseren Kollegen und seine Angehörigen ist dieser Vorfall nicht nur sehr traurig und bedauerlich, sondern in gleichem Maße schrecklich – es ist absolut nicht nachvollziehbar, dass eine Fahrkartenkontrolle - oder welcher Grund auch immer - zu einer solchen Wahnsinnstat führen kann", zeigt sich ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif tief betroffen, "am wichtigsten ist, dass sich unser Kollege in jeder Hinsicht, sowohl physisch als auch psychisch, vollständig von diesem Vorfall erholt! Er und natürlich auch seine Familie bekommen von den ÖBB jede Unterstützung, die sie brauchen."

Grundsätzlich sei leider ein erhöhtes Aggressionsaufkommen bei Fahrgästen zu beobachten – sowohl in den letzten Jahren, als auch in Zeiten der Pandemie. Das zeige sich aber in erster Linie in verbalen Übergriffe auf das Bahnpersonal, wobei auch hier die Toleranzgrenze oftmals überschritten werde. Hier betont Seif: "Wir haben kein Verständnis für ein derartiges Verhalten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber, die nichts anderes machen als ihren Job."

Tätliche Übergriffe wären aber "Gott sei Dank die Ausnahme". Er persönlich könne sich nicht erinnern, dass ein bewaffneter Angriff mit solchen Folgen überhaupt schon einmal passiert wäre. "Wir sind froh, dass der Täter festgenommen werden konnte und hoffen, dass dieser Fall ein Einzelfall war und bleibt", betont Seif. Die ÖBB werden den Vorfall sowohl intern als auch in Kooperation mit den Einsatzkräften penibel aufarbeiten. "Und wir werden unser Möglichstes tun, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und solche schrecklichen Angriffe zu verhindern", versichert der ÖBB-Pressesprecher.