Sitzenberg: Alles offen in der Bürgermeisterfrage. Bürgermeister Weber legt mit sofortiger Wirkung Amt in Sitzenberg-Reidling zurück. ÖVP ist bei Nachfolge „ergebnisoffen und situationselastisch“.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:30)
Christoph Weber konzentriert sich auf sein Unternehmen Weber Stein.
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Mit einem Paukenschlag verkündete Stefan Öllerers Online-Portal Ö-News am Samstag: „Bürgermeister Christoph Weber ist zurückgetreten“.

Die Information hatten sämtliche ÖVP-Gemeinderäte per WhatsApp-Nachricht erhalten (Anm.: Auch Öllerers Gattin Ricarda ist geschäftsführende Gemeinderätin der ÖVP). Ein Schritt, der die mit satten 16 von 21 Mandaten regierende Mehrheitsfraktion (vier hält die SPÖ, eines die FPÖ) eiskalt erwischte. Vor allem rund um den Themenkomplex Gemeindeamt Neu/Erweiterung Arztpraxis soll es zuletzt parteiintern teils heftige Diskussionen gegeben haben.

Weber selbst sagt: „Es wurde schon seit längerer Zeit immer schwieriger, meinen Job als Unternehmer und jenen als Bürgermeister unter einen Hut zu bringen.“ Man sollte letztlich beides zu 100 Prozent machen, „ein bisserl Bürgermeister und ein bisserl Unternehmer, das funktioniert nicht“.

„Es wurde schon seit längerer Zeit immer schwieriger, meinen Job als Unternehmer und jenen als Bürgermeister unter einen Hut zu bringen.“

Und gerade in letzter Zeit galt und gilt es in der Gemeinde sehr viele zeitaufwendige Projekte zu bewältigen. Weber führt hier etwa die Umwidmung eines Großteils der Fläche der ehemaligen Ebenseer Betonwerke von Baulandbetriebs- in Baulandwohngebiet an: „Wir sind eine Wachstums- und Zuzugsgemeinde, hier brauchen wir kein Grünland umwidmen und müssen keine neuen Böden versiegeln.“ Weitere Beispiele seien die Wirtschaftsförderung für den neuen Spar-Markt oder die dringend notwendige Erweiterung der Arztpraxis.

„Ein bisserl Bürgermeister und ein bisserl Unternehmer, das funktioniert nicht“

„Zuletzt war ich jeden Samstag ganztags in der Firma und jeden Sonntagvormittag auf der Gemeinde“, schildert Weber, „meine Frau sagt zu meinem Rücktritt: Für die Gemeinde ein Verlust, für die Familie ein Gewinn.“ Aber warum jetzt und so spontan?

Rainer Rabl übernimmt bis zur Neuwahl die Amtsgeschäfte.
Peischl, Peischl

„Es ist immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Und gerade bei großen Themen gibt es auch in der Fraktion verschiedene Sichtweisen, aber das war nicht ausschlaggebend“, sagt Weber diplomatisch, „und mit diesem Mandatsstand und dreieinhalb Jahren bis zur nächsten Wahl, sollte sich das für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin alles gut ausgehen.“

Weber war seit 26 Jahren für die ÖVP im Gemeinderat, davon sieben als Vizebürgermeister. Er schlug zwei Wahlen als Spitzenkandidat, 2015 und 2020 legte die ÖVP insgesamt drei Mandate zu.

Vorläufig führt Vizebürgermeister Rainer Rabl (ebenfalls ÖVP) die Amtsgeschäfte: „Meine Aufgaben sind klar: Jetzt tagen Parteivorstand und Klub und innerhalb von 14 Tagen muss eine Gemeinderatssitzung abgehalten werden, bei der ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt wird.“

Es würden sich auch schon einige Personen in Stellung bringen, aber noch sei die Lage ziemlich unbestimmt: „Wir sind ergebnisoffen und situationselastisch, wie man heute so schön sagt.“ Der Zeitpunkt sei angesichts der vielen großen Aufgaben sicher nicht ideal und Rabl bedauert Webers Rücktritt, der „angesichts von Angriffen aus der eigenen Partei“ aber auch nicht ganz so überraschend sei. Der politische Mitbewerb hingegen habe sich fair verhalten.

„Wir sind ergebnisoffen und situationselastisch, wie man heute so schön sagt.“

„Wir hatten immer eine gute Zusammenarbeit“, bestätigt SPÖ-Gemeinderat Günther Franz, „Christoph hielt sich an Vereinbarungen, verstand aber auch, wenn die SPÖ bei einem Punkt nicht mitgehen konnte.“ Menschlich habe er volles Verständnis für den Rücktritt: „Was in den letzten Wochen in seiner eigenen Fraktion mit ihm passiert ist, das war an der Grenze des Ertragbaren für einen Kommunalpolitiker.“